Ukrainekonflikt Kiew und Rebellen tauschen Gefangene aus

Es ist der größte Austausch seit Beginn des Konflikts: Die prorussischen Rebellen und die ukrainische Regierung haben Gefangene freigelassen. Trotz des Friedensabkommens gibt es immer wieder Gefechte.

Ukrainische Soldaten
REUTERS

Ukrainische Soldaten


Im Ukrainekonflikt haben die Kiewer Führung und die prorussischen Separatisten kurz vor Neujahr erstmals Hunderte Gefangene ausgetauscht. Schauplatz war Medienberichten zufolge der ukrainisch kontrollierte Frontübergang Majorsk nahe der Separatistenstadt Horliwka.

Insgesamt ließ die ukrainische Seite am Mittwoch 237 Gefangene frei, die sogenannten Volksrepublik Donezk und Luhansk ermöglichten 73 Gefangenen die Rückkehr auf Kiewer Gebiet. "Das ist ein frohes Ereignis, auf das Hunderte Familien gewartet haben", sagte der frühere ukrainische Präsident Leonid Kutschma, einer der Kiewer Unterhändler. Präsident Petro Poroschenko traf sich mit einigen der Freigelassenen. "Danke für eure Ausdauer, Jungs!", schrieb er auf Facebook.

Beide Seiten warfen einander aber vor, weiter Gefangene festzuhalten. Die Minsker Friedensregelung von 2015 sieht eigentlich eine bedingungslose Freilassung aller Gefangenen vor.

Ursprünglich sollten insgesamt 380 Gefangene ausgetauscht werden. Dem Austausch waren monatelange Verhandlungen vorausgegangen, in die auch der Kreml und die orthodoxe Kirche in Russland eingeschaltet waren.

Gabriel: "Wichtige humanitäre Geste"

Eine erste Gruppe von 16 ukrainischen Gefangenen hatte am Mittag mit einem Bus das Gebiet nahe der ostukrainischen Stadt Gorliwka erreicht, die von der Regierung kontrolliert wird. Die Gegend liegt rund 40 Kilometer von der Rebellenhochburg Donezk entfernt. Es soll der größte Gefangenenaustausch seit Beginn des Konflikts um die Ostukraine vor knapp vier Jahren sein.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel lobte die Freilassungen: "Es ist eine gute Nachricht, dass es heute nach monatelangen Verhandlungen gelungen ist, einen umfangreichen Austausch von Gefangenen umzusetzen." Der Austausch sei ein bedeutsamer Schritt bei der Umsetzung der Minsker Vereinbarungen. "Er ist vor allem auch eine wichtige humanitäre Geste vor dem Jahreswechsel und dem orthodoxen Weihnachtsfest", sagte der SPD-Politiker.

Den letzten Gefangenenaustausch hatte es im September 2016 gegeben. Damals ließ die ukrainische Regierung vier Separatisten frei, die Rebellen ließen wiederum zwei Gefangene gehen.

Der Konflikt war 2014 ausgebrochen, als Russland die ukrainische Halbinsel Krim annektierte. Bisher wurden mehr als 10.000 Menschen getötet. Trotz eines Friedensabkommens aus dem Jahr 2015 liefern sich beide Seiten immer wieder Gefechte. Seit Jahresbeginn zählten OSZE-Beobachter fast 400.000 Verletzungen der Feuerpause.

cte/apr/AFP/dpa



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