Manöver über der Ostsee Russische Militäraktionen beunruhigen Polen

Provokationen in der Ostsee, russische Bomber über Europa: Moskaus Militärmanöver in Nord- und Osteuropa beunruhigen die polnische Regierung. Handlungsbedarf sieht Verteidigungsminister Siemoniak trotzdem nicht.
Betankung einer russischen Tupolew Tu-95 (r.): "Ruhig, aber provokant"

Betankung einer russischen Tupolew Tu-95 (r.): "Ruhig, aber provokant"

Foto: HANDOUT / Reuters

Warschau - Seit Wochen registriert die Nato russische Militärflugzeuge über der Nord- und Ostsee, und das beunruhigt vor allem die Staaten im Osten Europas: Der polnische Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak hat die seit einigen Tagen andauernden Aktivitäten russischer Marine- und Luftwaffeneinheiten als "beunruhigend" bezeichnet. "Die Nato bemüht sich, eine Reaktion vorzubereiten", sagte er am Donnerstag im polnischen Nachrichtensender TVN 24.

"Man kann sich ruhig, aber provokant verhalten, indem man versucht, die Verteidigungssysteme zu testen oder die eigenen Möglichkeiten zu zeigen", sagte Siemoniak über die russischen Aktivitäten, die "meist in internationalen Gewässern" der Ostsee durchgeführt würden. "Diese Art, Druck zu erzeugen, erweist den Beziehungen im Ostseeraum einen schlechten Dienst."

Es gebe jedoch keinen Grund, das polnische Militär in erhöhte Alarmbereitschaft zu versetzen, sagte der Minister. Die russischen Aktivitäten seien auch Thema eines Treffens mit seinen Amtskollegen der baltischen Staaten an diesem Donnerstag in Lettland.

Hundertmal russische Flieger in Europa

Zuletzt hatte die Nato gemeldet, am Wochenende zwei Dutzend russische Bomber und Transportmaschinen über der Ostsee gesichtet zu haben. "Es war ein großes Aufgebot", sagte Pentagonsprecher Steven Warren. Flugzeuge der Nato sowie der schwedischen und finnischen Luftwaffe hätten die russischen Kampfverbände überwacht. Ein Dutzend russische Maschinen sei am Samstag und ein weiteres Dutzend am Sonntag gezählt worden.

Die Nato hatte erst vor Kurzem kritisiert, die russischen Streitkräfte hätten bei ihren Manövern teilweise ihre Transponder abgeschaltet. Diese übermitteln als automatischer Signalgeber den Fluglotsen wichtige Angaben zu einem Flugzeug, etwa die Kennung oder den Typ. Die russischen Piloten hätten zudem weder Flugpläne übermittelt noch Funkkontakt mit der zivilen Flugsicherung gehalten. Dieses Verhalten stelle ein potenzielles Risiko für die zivile Luftfahrt dar.

Nach Angaben der Nato hat das westliche Bündnis in diesem Jahr mehr als hundertmal russische Flugzeuge im europäischen Luftraum entdeckt, dreimal so viele wie im vergangenen Jahr.

mxw/dpa/AFP
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