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Grenzregion zur Ukraine Putin ordnet Abzug von Soldaten an

Russlands Präsident Putin hat befohlen, mehr als 17.000 Soldaten aus der Grenzregion zur Ukraine abzuziehen. Die Anordnung kommt kurz nach der Vereinbarung von Gesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten Poroschenko.

Moskau - Nach dem Abschluss eines Manövers in der Region Rostow sollen sich 17.600 russische Soldaten aus der Grenzregion zur Ukraine zurückziehen. Das habe Präsident Wladimir Putin angeordnet, teilte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in der Nacht zum Sonntag mit. Die Militärübung sei vorüber, die Einheiten sollten zu ihren Stützpunkten zurückkehren. Putin habe die Anordnung nach einem Gespräch mit Verteidigungsminister Sergej Schoigu gegeben.

Sollten sich die Truppen tatsächlich zurückziehen, würde Russland einer Kernforderung der Ukraine und des Westens zur Beruhigung des Ukraine-Konflikts nachkommen. Die Führung in Kiew und der Westen hatten die Stationierung russischer Truppen in der Nähe der Konfliktregion als Provokation kritisiert.

Putins Anordnung kam wenige Stunden nach der Ankündigung des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, er werde kommende Woche beim Europa-Asien-Gipfel in Mailand Putin treffen und mit ihm über die Beilegung des Konflikts beraten. Er erwarte keine einfachen Verhandlungen, hatte Poroschenko gesagt - aber er sei Optimist.

Die Präsidenten waren zuletzt Ende August zusammengetroffen. Die Gespräche führten am 5. September bei einem Treffen in Minsk zum Abschluss einer Waffenruhe in der Ostukraine. Bei einem weiteren Treffen wurde zudem die Schaffung einer demilitarisierten Pufferzone vereinbart.

Die Waffenruhe ist allerdings brüchig, nahezu täglich gibt es Kämpfe. Die Konfliktparteien machen sich gegenseitig für Angriffe verantwortlich. Die Beziehung zwischen Russlandund dem Westen, insbesondere der Nato, sind äußerst angespannt. Im März hatte Russland die Krim annektiert, zudem unterstützt das Land prorussische Separatisten in der Ostukraine.

Vor einem Monat teilte die Nato mit, Russland unterstütze die Gegner der ukrainischen Armee mit Tausenden Kämpfern sowie Hunderten Panzern und gepanzerten Fahrzeugen. Russland bestreitet das; aus dem Kreml heißt es lediglich, man habe das Recht, die Interessen der russischsprachigen Mehrheit in dem Gebiet zu verteidigen.

ulz/dpa/AFP/Reuters