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23. April 2014, 12:26 Uhr

Ukraine-Konflikt

Lawrow droht mit Vergeltung bei Angriff auf Russen

Mit deutlichen Worten warnt Außenminister Lawrow davor, Moskaus Interessen in der Ukraine zu verletzen. "Ein Angriff auf russische Bürger ist ein Angriff auf Russland."

Moskau - Russlands Außenminister Sergej Lawrow meldet sich in der Ukraine-Krise fast im Stundentakt zu Wort. Nun hat er in einem Interview mit dem TV-Sender RT zu einer besonders drastischen Formulierung gegriffen: Er droht mit Vergeltung, falls russische Interessen bedroht würden.

"Ein Angriff auf russische Bürger ist ein Angriff auf die russische Föderation", sagte Lawrow. "Wenn unsere legitimen Interessen, die Interessen der Russen direkt angegriffen werden, wie zum Beispiel in Südossetien, sehe ich keine andere Möglichkeit als eine Antwort in Übereinstimmung mit internationalem Recht", sagte der Außenminister wörtlich.

Der Verweis auf Südossetien ist durchaus als Drohung zu verstehen: Südossetien ist eine Region auf dem Gebiet Georgiens, die sich selbst für unabhängig erklärt hat. Außer Russland haben nur Nicaragua, Venezuela, Nauru und Tuvalu die staatliche Souveränität anerkannt. Etwa 95 Prozent der Einwohner haben inzwischen zusätzlich die russische Staatsangehörigkeit angenommen. 2008 lieferten sich Russland und Georgien einen Krieg um die Kaukasus-Region.

"Die USA ziehen die Fäden in der Ukraine"

Lawrow bestritt, dass russische Soldaten die Grenze zur Ukraine bereits überquert hätten. Er machte stattdessen die USA für die angespannte Lage verantwortlich. "Es gibt keinen Grund, nicht daran zu glauben, dass die Amerikaner die Fäden ziehen", sagte der Außenminister. "Es spricht Bände, wenn sie den Besuch des US-Vizepräsidenten nutzen, um die Wiederaufnahme ihrer Militäroperation zu verkünden, weil ja auch der Beginn dieser Operation kurz nach dem Kiew-Besuch von CIA-Chef John Brennan erfolgte", sagte Lawrow in dem RT-Interview.

"Die Ukraine ist nur ein Beispiel dafür, dass die USA nicht bereit sind, im geopolitischen Kampf einzulenken", konstatierte der russische Außenamtschef. Die Amerikaner müssten jedoch zugeben, dass sich von Washington aus nicht die Geschehnisse in aller Welt steuern lassen könnten.

Zuvor hatte Lawrow mit seinem US-Kollegen John Kerry telefoniert. Beide waren sich einig, dass der vor Ostern in Genf vereinbarte Friedensplan für die Ukraine nicht eingehalten werde. Doch während Moskau dafür die vom Westen unterstützte Führung in Kiew verantwortlich macht, sehen die Vereinigten Staaten die Schuld dafür bei der russischen Regierung.

syd

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