Ukraine-Konflikt Schwere Explosionen nahe Mariupol

Ist die Waffenruhe in der Ukraine bereits gebrochen? Augenzeugen berichten von Bränden und Artilleriefeuer nahe der Stadt Mariupol. Unterdessen sollen prorussische Separatisten die ersten Gefangenen freigelassen haben.
Ukraine-Konflikt: Schwere Explosionen nahe Mariupol

Ukraine-Konflikt: Schwere Explosionen nahe Mariupol

Foto: VASILY FEDOSENKO/ REUTERS

Mariupol - Nur einen Tag nach der Vereinbarung einer Waffenruhe hat es in der Nähe der ostukrainischen Stadt Mariupol mehrere schwere Explosionen gegeben. Bewohner der strategisch wichtigen Hafenstadt am Asowschen Meer berichteten von Schüssen und Detonationen. Ein Industriegebäude, ein Truck und eine Tankstelle sollen in Flammen gestanden haben, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Die Separatisten warfen den Regierungseinheiten erneut einen Verstoß gegen die vereinbarte Feuerpause vor. Stellungen nahe Mariupol seien unter Feuer genommen worden; ein bislang von Kiew-treuen Kämpfern gehaltener Kontrollposten stand offenbar in Flammen.

Details waren zunächst nicht bekannt. Die prowestliche Führung in Kiew hatte betont, die Waffenruhe einzuhalten. Auch Kremlchef Wladimir Putin und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatten bei einem Telefonat insgesamt eine Besserung der Lage festgestellt.

Erst am Freitag hatten sich die Konfliktparteien auf eine Feuerpause geeinigt. Vertreter Kiews, Moskaus, der Separatisten und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) waren in der weißrussischen Hauptstadt Minsk zusammengekommen, um den seit fünf Monaten andauernden Kampfhandlungen mit fast 2600 Toten ein Ende zu setzen. Die Konfliktparteien vereinbarten zudem einen Truppenabzug und einen Gefangenenaustausch.

Die prorussischen Aufständischen begannen der Regierung zufolge am Samstag mit der Freilassung von Gefangenen. Mehrere Soldaten seien in der Nähe der Separatistenhochburg Lugansk übergeben worden, sagte Poroschenkos Sprecher Swjatoslaw Zegolko in der Hauptstadt Kiew.

Die prowestliche Führung der Ex-Sowjetrepublik will ihrerseits vermutlich an diesem Montag erste Gefangene freilassen. Die Aufständischen haben Schätzungen zufolge etwa 1000 Soldaten in ihrer Hand, die Regierungstruppen demnach etwa 200 moskautreue Kämpfer.

Mariupol liegt rund 50 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Die Separatisten hatten die Hafenstadt im Frühjahr unter ihre Kontrolle gebracht, doch wurde sie Mitte Juni von den Regierungstruppen wieder zurückerobert.

isa/dpa/AFP/Reuters
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