Kämpfe in der Ostukraine Separatisten schießen Militärflugzeug ab

Separatisten haben in der Ostukraine ein Armeeflugzeug abgeschossen. Die Regierung in Kiew vermutet, dass die Rakete von russischem Gebiet abgefeuert wurde. Die Suche nach Überlebenden dauert an.
Ukrainische Soldaten in der Ostukraine: Offenbar Blockade des Flughafens in Luhansk durchbrochen

Ukrainische Soldaten in der Ostukraine: Offenbar Blockade des Flughafens in Luhansk durchbrochen

Foto: GLEB GARANICH/ REUTERS

Kiew - Die Kämpfe zwischen ukrainischem Militär und Rebellen rund um die Stadt Luhansk werden heftiger. Dabei ist nach Angaben der Regierung ein ukrainisches Militärflugzeug am Montag abgeschossen worden. Das Transportflugzeug sei von einer Rakete getroffen worden, die "wahrscheinlich" von russischem Territorium aus abgeschossen worden sei, teilte das Verteidigungsministerium auf der Internetseite des Präsidialamtes mit.

Die Separatisten hatten zuvor bereits gemeldet, sie hätten erneut ein Militärflugzeug abgeschossen. Vor dem Aufprall der Transportmaschine auf dem Boden seien drei Fallschirme am Himmel gesichtet worden, das Gebiet werde nun nach Überlebenden abgesucht, teilten die Separatisten mit.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko warf Russland vor, sich direkt militärisch in die Kämpfe in seinem Land einzumischen. Offiziere der russischen Armee würden auf Seiten der Separatisten auf ukrainischem Territorium kämpfen, teilte Poroschenko auf seiner Internetseite mit . Außerdem sei in den vergangenen drei Tagen ein neues russisches Raketensystem gegen die ukrainische Armee eingesetzt worden, so Poroschenko in der Mitteilung, die auf einer Pressekonferenz beruhte.

Die Richtigkeit der Angaben des Präsidenten kann kaum überprüft werden. In den vergangenen Wochen haben alle Konfliktparteien Propagandameldungen lanciert, um den Gegner zu diskreditieren und die eigene Position in einem besseren Licht darzustellen.

Nato: Russland zieht Truppen zusammen

Nach Angaben der Nato zieht Russland wieder Truppen an der Grenze zur Ukraine zusammen. "Unsere derzeitige Einschätzung ist, dass sich zwischen 10.000 und 12.000 Soldaten in der Gegend aufhalten. In der vergangenen Woche haben wir gesehen, dass zahlreiche Einheiten in die Grenzregion verlegt wurden", sagte ein Nato-Offizier am Montag in Brüssel.

Russland hatte in den vergangenen Wochen die meisten seiner 40.000 Soldaten abgezogen, die in der Grenzregion zusammengezogen worden waren. Mitte Juni hielten sich dort weniger als 1000 Soldaten auf. Moskau lud am Montag Beobachter der OSZE ein, die Lage an der ukrainisch-russischen Grenze zu inspizieren.

Militär durchbricht offenbar Separatisten-Blockade

Die Meldung vom Sonntag, die ukrainische Armee habe Dutzende Separatisten getötet, bestätigten die Milizen nun. Ihren Angaben zufolge kamen 30 ihrer Kämpfer durch den Beschuss der Ortschaft Alexandriwka im Osten von Luhansk ums Leben, sagte ein Sprecher der Separatisten am Montag der Nachrichtenagentur Interfax.

Die von beiden Seiten veröffentlichten Opferzahlen können meist nicht überprüft werden. Poroschenkos Militär hatte am Wochenende erklärt, mindestens 40 Separatisten getötet zu haben. Die Rebellen erklärten demgegenüber, sie hätten keine großen Verluste erlitten.

Die jüngste Offensive der Regierungstruppen war nach einem Raketenangriff auf Armeeeinheiten gestartet worden, bei dem nach Regierungsangaben 23 Soldaten starben. Poroschenko, der anfangs wegen der Gefahren für die Zivilbevölkerung Luftangriffe ausgeschlossen hatte, kündigte nach der Attacke an: "Für das Leben jedes Soldaten werden die Aufständischen mit Dutzenden und Hunderten ihrer Leben bezahlen. "

Am Montag durchbrachen die Regierungstruppen nach eigenen Angaben die Blockade des Flughafens von Luhansk. Kampfflugzeuge hätten den Separatisten dabei schwere Verluste zugefügt. Auch ein Konvoi bewaffneter Fahrzeuge sei beschossen worden, der nach Darstellung der Regierung von Russland aus die Grenze überquert hatte. Das ukrainische Präsidialamt teilte mit, es werde ausländischen Diplomaten Beweise dafür vorlegen, dass Militärtechnik von Russland aus zu den Separatisten gebracht worden sei.

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fab/kes/dpa/Reuters