Donezk und Luhansk Ukraine führt Passkontrollen für Rebellengebiete ein

Die Spaltung der Ukraine vertieft sich: Die Regierung in Kiew hat Passkontrollen an den Grenzen der von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiete Donezk und Luhansk angeordnet.

Ukrainischer Soldat: Regierung will Pässe kontrollieren
DPA

Ukrainischer Soldat: Regierung will Pässe kontrollieren


Kiew/Donezk - Wer von Kiew nach Donezk reisen möchte, muss zukünftig seinen Reisepass vorzeigen. Die ukrainische Regierung hat Passkontrollen an den Grenzen zu den von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebieten angeordnet. Alle Ausländer, die über die Grenze zu Russland in die Region gekommen seien, dürfen nicht länger in die übrigen Teile der Ukraine weiterreisen.

Bereits am Mittwoch hatte die Führung in Kiew angekündigt, nicht länger Sozialleistungen für die Menschen in den selbstproklamierten "Volksrepubliken" Donezk und Luhansk zu überweisen. Außerdem ordnete Präsident Petro Poroschenko eine Truppenverstärkung an, um eine befürchtete Offensive der Separatisten abwehren zu können.

Der Konflikt in der Ostukraine hat sich durch die von den Rebellen organisierten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am vergangenen Sonntag noch einmal verschärft. Russland sieht die Anführer der Separatisten nun als legitime Verhandlungspartner für Kiew. Die ukrainische Regierung und der Westen sehen in den Wahlen hingegen eine Verletzung der Vereinbarung von Minsk, in der Schritte zur Überwindung des militärischen Konflikts mit mehr als 4000 Todesopfern festgelegt worden waren.

In Donezk wurden zwei Schüler getötet

Am Donnerstag gingen die Gefechte in der Ostukraine weiter. Teile von Donezk wurden von Artillerie beschossen. Die Separatisten machten die ukrainischen Regierungstruppen für den Angriff verantwortlich. Angaben zu möglichen Opfern gab es zunächst nicht. Das ukrainische Militär hatte stets betont, sich an die Waffenruhe zu halten - und nur bei Angriffen das Feuer zu erwidern.

Am Mittwoch waren in Donezk zwei Schüler auf einem Sportplatz beim Einschlag einer Granate getötet worden. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von einem "Kriegsverbrechen". Das ukrainische Außenministerium gab den Separatisten die Schuld.

In Russland eröffnete die nationale Ermittlungsbehörde nach dem Tod der Kinder ein Verfahren wegen Mordes. Es gebe Hinweise darauf, dass ukrainische Sicherheitskräfte den Befehl zum Beschuss des bewohnten Gebietes gegeben hätten, sagte Behördensprecher Wladimir Markin in Moskau. Die Separatisten setzten wegen der getöteten Kinder eine zweitägige Trauer an.

syd/AFP/dpa

insgesamt 25 Beiträge
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y61 06.11.2014
1. Die Spaltung
Die Passkontrollen sind schon über 6 Monate alt.
freigeist1964 06.11.2014
2. das erinnert an den Kosovo
Nur hat der Westen damals Serbien bombardiert und den Separatisten dadurch erst die Möglichkeit gegeben, sich von Serbien loszulösen. Um da ganze zu rechtfertigen hat man uns damals angelogen. Man hat uns weisgemacht, dass dort ein Völkermord stattfindet, und das man dort eingreifen muss, aber da war alles nur erstunken und erlogen. Nun besteht in der Ukraine die gleiche Situation. Nur werden diesmal die Separtisten verteufelt, obwohl ich keinen Unterschied in der Argumentation der Kosovoalbaner und der Argumentation der prorussischen Aktivisten ausmachen kann. Kein Wunder, dass die Russen uns als verlogen ansehen.
Europa! 06.11.2014
3. .
Wenn die ukrainische Regierung jetzt noch aufhört, Granaten in den Donbass zu schicken, kann sich die Lage allmählich normalisieren.
Mr_luftpumpe 06.11.2014
4. heuchelei
Wenn die Russen aufgrund der zwei Kinder ein Verfahren einleiten, dann können sie gleich bei ihren Soldaten weiter machen die durch ihre reine Anwesenheit einen Großteil der getöteten Zivilisten auf ihr Konto schreiben können. Ohne die russische Intervention mit Material und Personal wäre der Unruheherd längt passé und das töten vorbei.
uvg 06.11.2014
5. Es zeigt sich jeden Tag neu, dass ...
weder Moskau noch seine Auftrags-Separatisten in der Ostukraine Frieden wollen. Weil das so ist, ist es konsequent, ihnen und ihren Gefolgsleuten den Finanzhahn zuzudrehen, damit Moskau Gelegenheit zu finanzieller Hilfe aus rein humanitären Gründen erhält. Denn der Krug geht solange zum Brunnen ....
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