Ukraine-Krise: Demonstranten in Donezk rufen souveräne Volksrepublik aus
Foto: Roman Pilipey/ dpaKiew - Die prorussischen Demonstranten in der ostukrainischen Großstadt Donezk haben eine "souveräne Volksrepublik" ausgerufen. Sie soll von der Zentralregierung in Kiew unabhängig sein. Diese Entscheidung hätten die Aktivisten getroffen, die das Hauptverwaltungsgebäude der Stadt besetzt halten, sagte ein Sprecher. Bis spätestens 11. Mai solle ein Referendum darüber abgehalten werden. Sie fordern Russland im Fall einer ukrainischen Aggression zur Entsendung von "Friedenstruppen" auf.
Seit dem Sturz des ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch Ende Februar gibt es im Osten des Landes immer wieder prorussische Proteste. Am Sonntag hatten Demonstranten die Verwaltungsgebäude in Donezk, Charkow und Lugansk gestürmt und russische Flaggen gehisst.
Von der Versammlung der Aktivisten in Donezk wurde am Montag auch ein Video auf YouTube veröffentlicht - Journalisten war der Zugang zu dem Saal verwehrt. In dem Video steht ein Aktivist auf einem Podium und ruft auf Russisch: "Ich proklamiere die Gründung eines unabhängigen Staates der Volksrepublik Donezk."
Der ukrainische Übergangsregierungschef Arsenij Jazenjuk warf Russland vor, hinter den Unruhen zu stecken. Diese seien "Teil eines Destabilisierungsplans, damit eine fremde Armee die Grenze überschreitet und in ukrainisches Territorium einmarschiert", sagte Jazenjuk auf einer Kabinettssitzung. "Das Drehbuch ist von der Russischen Föderation geschrieben, und das einzige Ziel ist die Zerstückelung der Ukraine."
Auch auf der Krim ist die Lage am Montag angespannt. Dort tötete ein russischer Soldat nach Angaben des Verteidigungsministeriums der Ukraine einen ukrainischen Marineoffizier. Für diese Meldung gibt es noch keine Bestätigung. Den ukrainischen Angaben zufolge wurde der 32-jährige Major am späten Sonntagabend gegen 22.50 Uhr von russischen Soldaten mit einer Kalaschnikow erschossen.
USA: Russland hat Zehntausende Soldaten zusammengezogen
Die Lage ist nach den jüngsten Unruhen in der Ostukraine ohnehin besonders angespannt. Die Regierung in Kiew zeigte sich alarmiert. Die Ukraine werde nicht zulassen, dass ausländische Truppen einmarschierten und ukrainisches Gebiet besetzten, so Jazenjuk.
Der US-Vertreter bei der OSZE, Daniel Baer, sagte laut Agentur Reuters, Russland habe Zehntausende Soldaten nahe der ukrainischen Grenze zusammengezogen. Er rief Moskau auf, die Lage zu deeskalieren.
Von der Bundesregierung gab es zu dieser Aussage keine Informationen. Berlin hatte sich zuvor enttäuscht über das jüngste Vorgehen der Regierung in Moskau gezeigt. Der vom russischen Präsidenten Wladimir Putin angekündigte Truppenrückzug von der ukrainischen Grenze sei "noch nicht nachweisbar umgesetzt", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Das kann einen enttäuschen, das muss einen auch enttäuschen."
Kanzlerin Angela Merkel hatte am vergangenen Dienstag gesagt, sie sehe keinen Grund, an dem von Russland angekündigten Teilabzug von Truppen an der Grenze zur Ukraine zu zweifeln.
Muttersprachen in der Ukraine
Foto: SPIEGEL ONLINEBundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich vorsichtig zu den Unruhen im Osten der Ukraine. "Das ist noch keine komplette Veränderung der Lage", sagte der SPD-Politiker. Am Wochenende habe er nach Medienberichten zunächst den Eindruck gehabt, es handele sich um eine koordinierte Provokation oder gar "Versuche der Instabilisierung". "Wenn man sich die Nachrichten von heute morgen anguckt, sind es exakt zwei Besetzungen." Er räumte aber ein, er sei sich "noch nicht ganz im Klaren darüber", was sich in der Ostukraine ereigne.
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Prorussische Aktivisten haben eine unabhängige "Republik Donezk" ausgerufen. Sie halten Regierungsgebäude in der ostukrainischen Stadt besetzt.
Die Aktivisten sind teilweise vermummt und haben Barrikaden errichtet.
Seit Sonntag halten die russlandtreuen Demonstranten die Gebietsverwaltung von Donezk besetzt. Die Angreifer fordern ein Referendum über die Abspaltung von Kiew - nach dem international nicht anerkannten Vorbild auf der Schwarzmeerhalbinsel Krim.
Die Demonstranten orientieren sich offenkundig an den Vorgängen auf der Krim: Sie fordern Russland im Fall einer ukrainischen Aggression zur Entsendung von "Friedenstruppen" auf.
Ein Demonstrant schwenkt eine russische Flagge von einem Verwaltungsgebäude in Donezk.
Aktivisten und Sicherheitskräfte liefern sich in Donezk Auseinandersetzungen bei dem besetzten Gebäude.
Dieser Demonstrant zündet ein Abbild von Stephan Bandera an, einem ukrainischen Nationalisten, der 1959 starb. Kaum eine Figur steht so sehr für die Zerrissenheit des Landes wie der Nationalist, der gegen Russen und Nazis kämpfte. Bis heute löst sein Name heftige Emotionen aus - auch in Donezk.
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