Ukraine-Krise Frauen und Kinder sollen den Maidan verlassen

"Wir können den Einsatz von Gewalt nicht ausschließen": Ukraines Oppositionsführer Klitschko fordert Frauen und Kinder auf, den Unabhängigkeitsplatz in Kiew zu verlassen. Das Ultimatum der Regierung ist jetzt abgelaufen.

AP/dpa

Kiew - 20.000 Demonstranten haben sich am Unabhängigkeitsplatz aufgebaut, auch die Polizei ist in Stellung gegangen. Nach dem Ablauf des Ultimatums der Regierung rief Oppositionsführer Vitali Klitschko die Menge dazu auf, wachsam zu bleiben: "Wir können den Einsatz von Gewalt bei einer Räumung des Maidan nicht ausschließen", sagte er in Richtung der Demonstranten und forderte alle Frauen und Kinder dazu auf, den zentralen Platz in Kiew zu verlassen. "Wenn wir Seite an Seite am Maidan zusammenrücken, geben wir den Sicherheitskräften nicht die Möglichkeit, den Maidan einzunehmen", zitiert ihn die Nachrichtenagentur Unian.

Bewaffnete Armeelaster und Panzer sollten zu diesem Zeitpunkt bereits auf den Weg in das Stadtzentrum von Kiew sein, berichtet der Fernsehsender Hormadske.tv. Eine Stunde nach Ablauf des Ultimatums gaben die Berkut-Einheiten eine letzte Warnung: Mit mehreren Salutschüssen will die Sondereinheit ihre Drohung zur Räumung wahrmachen, berichtet Interfax.

Arsenij Jazenjuk von der liberalen Timoschenko-Partei rief einen Kampf gegen die Diktatur aus: "Wir wollen, dass die Ukrainer die Macht im Land übernehmen und wir werden den Maidan nicht verlassen. Das Regime will und wird keinen Kompromiss finden, sie haben als erstes auf die Aktivisten heute geschossen", so Jazenjuk laut "Kyiv Post".

Konkret äußerte sich das in der erneuten Besetzung des Rathauses: Etwa 30 Menschen befanden sich am Dienstagabend im Innern des Gebäudes, das erst am Sonntag geräumt worden war. Sie richteten dort eine notdürftige Krankenstation ein, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Andere Protestierende standen vor dem Eingang zum Rathaus Wache.

Gerüchte über den Verbleib von Wiktor Janukowitsch

Bereits am späten Nachmittag hatte sich die Lage auf dem Maidan zugespitzt: Mindestens neun Menschen wurden am Dienstag getötet. Mehrere Leichen wiesen Schusswunden auf. Die ukrainische Regierung stellte den Demonstranten ein Ultimatum. Diese hätten zwei Stunden Zeit, um ihre gewaltsamen Proteste zu beenden, erklärten das ukrainische Innenministerium und der Staatsschutz. Ansonsten würden die Sicherheitskräfte ab 18 Uhr (Ortszeit, 17 Uhr MEZ) zu "schwerwiegenden" Maßnahmen greifen, um die Gewalt zu stoppen.

Gerüchte, Wiktor Janukowitsch habe die Ukraine in einem Flugzeug verlassen, dementierte Parlamentschef Wolodimir Rybak in einer ersten Stellungnahme. "Morgen wird sich der Präsident mit den Oppositionsführern treffen. Das Treffen wird auf 11 Uhr angesetzt", so Rybak.

Die Schuld an den blutigen Straßenschlachten gab die ukrainische Justiz den Oppositionsführern - und forderte "schärfste Bestrafung". "Für jeden Verletzten, für jedes angezündete Auto und zerschlagene Fenster werden die Organisatoren der Massenunruhen die Verantwortung übernehmen müssen", verkündete Generalstaatsanwalt Wiktor Pschonka. Allein die Regierung sei an einer friedlichen Regelung der Krise interessiert, behauptete Pschonka.

Seit Monaten protestieren Zehntausende Regierungsgegner in der Ukraine gegen die prorussische Politik von Präsident Wiktor Janukowitsch. Sie fordern eine engere Anbindung an die Europäische Union.

Ashton tief besorgt

Über die "schwere neue Eskalation" des Konflikts zeigte sich die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton "tief besorgt". "Ich verurteile alle Gewalt", erklärte Ashton am Dienstag in Brüssel. "Ich mahne die Regierung in der Ukraine, sich mit den Ursachen der Krise zu befassen."

Ihre Forderung: Die führenden Politiker müssten ihrer gemeinsamen Verantwortung gerecht werden und die Bedingungen für eine dauerhafte politische Lösung der Krise in ihrem Land schaffen. Dazu gehöre die Bildung einer neuen Regierung unter Beteiligung der Opposition, eine Verfassungsreform und die Vorbereitung transparenter und demokratischer Präsidentschaftswahlen, sagte Ashton.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen äußerte sich kurz nach Ablaufen des Ultimatums "ernstlich besorgt" über die Eskalation der Gewalt. "Ich appelliere an alle Seiten, auf Gewalt zu verzichten und rasch den Dialog wieder aufzunehmen", heißt es in einer Erklärung Rasmussens. Dazu gehöre die Rückkehr zu einem parlamentarischen Verfahren.

Auch Bundesaußenminister Steinmeier mahnte am Dienstag, eine Rückkehr zur Gewalt zu vermeiden. "Ich bitte die Oppositionellen in der Ukraine dringend, auf den Pfad der vergangenen Tage zurückzukehren und über eine politische Lösung zu reden", sagte Steinmeier in Berlin. Gewalt sei keine Lösung, dem Land eine gute Zukunft zu sichern.

vek/cth/AFP/dpa

insgesamt 20 Beiträge
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olddreamer 18.02.2014
1. Hilf dir selbst,
dann hilft dir Gott! Klitschko hat wohl gemerkt, dass ihm Mutti ausser ein paar warmen Worten nichts zu sagen hatte.
der autobahn 18.02.2014
2. klitschko...
oder wie ein ehemaliger boxweltmeister zum gedungenen terroristen wurde.
uly_post 18.02.2014
3. Die Regierung wird die Demonstranten mit aller Gewalt Räumen.
das sehe ich Kommen, wie in Syrien wird Putin auch Ukraine entsprechend die Polizei ausgerüstet haben. Die Polizeikräfte werden sehr Hart eingreifen, deshalb müssen Frauen und Kinder Meydan Verlassen müssen. Das wird ein Schauspiel für die Welt.
glen13 18.02.2014
4.
Zitat von sysopAP/dpa"Wir können den Einsatz von Gewalt nicht ausschließen": Ukraines Oppositionsführer Klitschko fordert Frauen und Kinder auf, den Unabhängigkeitsplatz in Kiew zu verlassen. Das Ultimatum der Regierung ist jetzt abgelaufen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-krise-frauen-und-kinder-sollen-den-maidan-verlassen-a-954283.html
Was würde wohl in Deutschland passieren, wenn radikale Demonstranten Molotow - Cocktails in die Büros der Regierung werfen würden? Warum ist das in der Ukraine gut und bei uns schlecht?
LinkesBazillchen 18.02.2014
5. Was hätte Mutti tun sollen?
Zitat von olddreamerdann hilft dir Gott! Klitschko hat wohl gemerkt, dass ihm Mutti ausser ein paar warmen Worten nichts zu sagen hatte.
Erwartet der Alte Träumer, dass Mutti Panzer schickt? Die Ukraine ist doch nicht die Schweiz :-)
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