Ukraine-Krise
Putin-Anhänger spotten über Maidan-Gedenken
In Kiew erinnern Tausende an den Maidan-Aufstand vor einem Jahr, Staatsgäste aus aller Welt reisen an. Gleichzeitig demonstrieren in Moskau Putin-Anhänger, auf Plakaten machen sie sich über die Ukraine lustig.
Gedenken am Maidan: Petro Poroschenko am Freitagabend
Foto: Roman Pilipey/ dpa
Moskau/Kiew/Hamburg - "Der Kampf für das Recht, in einem echten europäischen Land zu leben, begann auf dem Maidan und hält bis heute im Donbass an", sagte der Präsident der Ukraine, Petro Poroschenko, am Freitagabend auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew. Tausende gedachten mit ihm der blutigen Massenproteste vor einem Jahr. Viele weinten und bekreuzigten sich vor den Fotos der Toten.
Wenige Stunden später gingen auch in Moskau Tausende Menschen auf die Straße. Auf einem Plakat war am Samstag eine Parole zu sehen: "Der Maidan ist eine Krankheit. Wir werden sie behandeln."
Dieses Wochenende steht im Zeichen der Erinnerung an den Aufstand auf dem Maidan, am Sonntag findet in Kiew die offizielle Gedenkfeier mit Staatsgästen statt, auch Bundespräsident Joachim Gauck reist an. Ein Jahr nach dem Umsturz sind die Folgen allgegenwärtig - in Kiew, in der Ostukraine, in Moskau und auch in London, wo US-Außenminister John Kerry mit seinem britischen Amtskollegen Philip Hammond zusammenkam.
Antiwestliche Proteste in Moskau
In der russischen Hauptstadt schwenkten viele Demonstranten russische Flaggen und trugen das orange-schwarze Sankt-Georgs-Band, das auch die Separatisten in der Ostukraine als Erkennungszeichen nutzen. Eine ältere Frau hielt ein Schild in die Höhe: "Putinismus für immer". Auf einem anderen Spruchband stand: "Ami, geh nach Hause - und nimm den Maidan mit". Fernsehberichten zufolge gab es ähnliche Kundgebungen auch in anderen russischen Städten.
Kremlkritischen Medien zufolge war in Betrieben und Schulen Druck ausgeübt worden, an der Demonstration teilzunehmen. Die russische Opposition wertet die Versammlung auch als "Einschüchterungsversuch". Die Bevölkerung solle damit vor den "blutigen Folgen eines Machtwechsels" gewarnt werden.
In der Anti-Maidan-Bewegung haben sich patriotische Biker-Klubs, Kosaken, Sportler und Veteranen der Kriege in Afghanistan und Tschetschenien zusammengeschlossen. Ihr Anführer Nikolai Starikow warnte die prowestliche Opposition am Samstag, auch in Russland einen Umsturz anzuzetteln. "Versucht es erst gar nicht", sagte er im russischen Fernsehen. "Unternehmt keinerlei Versuche, in Russland für Ärger zu sorgen."
Auch der geschasste Präsident meldete sich zu Wort: Ein Jahr nach seinem Sturz erklärte Wiktor Janukowytsch, dass er aus dem Exil in sein Heimatland zurückkehren wolle. "Sobald ich dazu die Möglichkeit habe, werde ich zurückkehren und alles in meiner Macht Stehende tun, um das Leben in der Ukraine zu verbessern", sagte Janukowytsch in einem Interview mit dem russischen Fernsehsender Pervy Kanal. "Wenn Gott mich am Leben gelassen hat, ist es vielleicht, weil er mich noch braucht."
Außerdem rief Janukowytsch die Führung in Kiew zu direkten Gesprächen mit den Separatisten auf. Die Regierung müsse den Aufständischen eine großzügige Selbstverwaltung garantieren, sagte der Ex-Staatschef dem TV-Sender Rossija-1.
Anhaltende Kämpfe in der Ostukraine
Ukrainische Panzer in der Ostukraine: Waffenruhe hält nicht
Foto: GLEB GARANICH/ REUTERS
Die Ukraine zählt derweil ihre gefallenen Soldaten. Der Präsidentenberater Juri Birjukow schrieb am Samstag auf seiner Facebook-Seite, bei den Kämpfen um Debalzewe im Osten des Landes seien in einem Monat 179 Soldaten getötet worden, weitere 81 würden vermisst. Birjukow zufolge wurden überdies 110 Soldaten von den prorussischen Separatisten gefangen genommen. Derzeit laufen Vorbereitungen für einen Gefangenenaustausch.
Die ukrainische Armee hatte Debalzewe am Mittwoch aufgegeben und hatte sich aus der strategisch wichtigen Stadt zurückgezogen. Die Eroberung der Stadt gibt den Separatisten nun die Kontrolle über ein weitgehend abgerundetes Territorium.
Nicht nur dort waren die Kämpfe trotz des Friedensvertrags von Minsk weitergegangen. Beide Seiten warfen sich gegenseitig Verstöße gegen die vereinbarte Waffenruhe vor: Vor allem im Raum Donezk habe die Armee auf Stellungen der Aufständischen geschossen, sagte Separatistensprecher Eduard Bassurin. Die Führung in Kiew wies die Vorwürfe zurück.
Gespräche über neue Sanktionen in London
Hammond und Kerry: "Wir spielen dieses Spiel nicht mit"
Foto: Pool/ Getty Images
US-Außenminister Kerry und dessen britischer Amtskollege Hammond machten Moskau für die anhaltenden Kämpfe verantwortlich. "Russland hat sich in den letzten Tagen an einem absolut feigen und zynischen Prozess beteiligt", sagte Kerry und kündigte an, mit Hammond über mögliche neue Sanktionen gegen Russland zu sprechen.
Kerry ging auch auf die Lage in Mariupol ein, jener Küstenstadt, die zwischen dem von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiet im ukrainischen Donbass und der von Russland annektierten Krim liegt. Die ukrainische Führung fürchtet, die Rebellen könnten mithilfe von Russland versuchen, die Stadt einzunehmen.
Es wird angenommen, dass Moskau auch zu diesem Zweck militärische Ausrüstung in die Ostukraine transportiert. "Was im Hinblick auf Mariupol geschieht, ist schlicht inakzeptabel", sagte Kerry. Seine Botschaft an Putin sei: "Wir spielen dieses Spiel nicht mit."
Einsatz in Mariupol: Freiwillige fertigen Tarnnetze für die ukrainische Armee
Anti-Maidan-Demonstration in Moskau: In der russischen Hauptstadt haben am Samstag Tausende gegen den prowestlichen Kurs der Regierung in Kiew demonstriert. In der Ukraine finden an diesem Wochenende Gedenkfeiern anlässlich des Maidan-Aufstands vor einem Jahr statt.
Foto: AP/dpa
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Russische Demonstranten: Die Polizei in Moskau spricht von rund 35.000 Teilnehmern. In der Anti-Maidan-Bewegung haben sich Biker-Klubs, Kosaken, Sportler und Veteranen der Kriege in Afghanistan und Tschetschenien zusammengeschlossen.
Foto: SERGEI KARPUKHIN/ REUTERS
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Viele der Unterstützer von Präsident Wladimir Putin schwenkten russische Flaggen und trugen das orange-schwarze Sankt-Georgs-Band, das auch die Separatisten in der Ostukraine als Erkennungszeichen nutzen.
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"Wir sind Donbass", "Putinismus für immer", "Ami, geh nach Hause - und nimm den Maidan mit" - solche Parolen waren auf den Plakaten der Demonstranten zu lesen.
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Biker bei der Demo: "In der Maidan-Bewegung konzentriert sich alles Antirussische", sagte eine Rednerin auf einer Bühne in der Nähe des Kreml.
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Unter den Teilnehmern war auch der ukrainische Politiker Oleg Zarjow (r.), der mit Separatisten auf der Sanktionsliste der EU steht.
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Flaggenmeer in Moskau: Kremlkritischen Medien zufolge war in Betrieben und Schulen Druck ausgeübt worden, an der Demo teilzunehmen.
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Ukrainische Panzer in der Ostukraine: Waffenruhe hält nicht
Foto: GLEB GARANICH/ REUTERS
Hammond und Kerry: "Wir spielen dieses Spiel nicht mit"
Foto: Pool/ Getty Images
Einsatz in Mariupol: Freiwillige fertigen Tarnnetze für die ukrainische Armee