Festgesetzter Tanker Ukraine lässt russische Schiffsbesatzung offenbar gehen

Vor gut acht Monaten hat Russland ein ukrainisches Boot gewaltsam gestoppt. Nun setzt die Ukraine einen russischen Tanker fest. Nach einer Befragung durfte die Crew das Boot laut Berichten verlassen.

Ein russischer Tanker wurde im Schwarzen Meer festgesetzt - und Moskau droht der Ukraine
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Ein russischer Tanker wurde im Schwarzen Meer festgesetzt - und Moskau droht der Ukraine


Die Ukraine hat einen russischen Tanker in einem Hafen an der Donau festgehalten. Die "Nika Spirit" sei im vergangenen Jahr an der Blockade von drei ukrainischen Militärbooten vor der durch Russland annektierten Schwarzmeerhalbinsel Krim beteiligt gewesen, erklärten ukrainische Behörden. Die Besatzung sollte dazu befragt werden. Nun durfte die Crew das Schiff laut der russischen Nachrichtenagentur Ria verlassen.

Die Agentur berief sich auf Aussagen der russischen Botschaft in der Ukraine. Wie viele Seeleute sich an Bord befanden und wie viele davon russische Staatsbürger sind, war zunächst nicht klar.

Der Tanker befindet sich im Hafen in Ismajil - rund 80 Kilometer vom Schwarzen Meer entfernt. Aus Russland kam scharfe Kritik.

Die Ermittler wollten demnach Dokumente, Funkaufzeichnungen und Bordbücher von dem Zwischenfall suchen. Erwartet werde ein gerichtlicher Arrest des Schiffes als Beweismittel. Eine Entscheidung dazu steht noch aus.

Angeblich sei der Tanker extra umbenannt worden, teilten die ukrainischen Ermittler mit. Er solle früher "Neyma" geheißen haben. Behördenangaben zufolge gehört der Tanker einer auf der Krim registrierten Firma, die seit März auf einer Sanktionsliste der Ukraine steht.

Das Außenministerium sprach laut Ria eine Warnung an Kiew aus: "Sollten Russen als Geisel genommen worden sein, dann wird es bald Konsequenzen geben", wurde die Behörde zitiert. Man beobachte den Fall, um eine angemessene Antwort zu finden.

Die ukrainische Krim-Halbinsel war im März 2014 nach einem umstrittenen Referendum von Russland ins eigene Staatsgebiet eingegliedert worden. Die Regierung in Kiew und der Westen sehen dies als völkerrechtswidrige Annexion an und betrachten die Krim weiter als Teil der Ukraine. Die EU und die USA verhängten wegen der Annexion Sanktionen gegen Moskau.

mho/dpa/Reuters



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