Ukraine-Krise Tote bei Krawallen in Kiew - Regierung stellt Ultimatum

Bei Krawallen zwischen Regierungsgegnern und Sicherheitskräften sind in Kiew offenbar auf beiden Seiten mehrere Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Die ukrainische Führung stellte den Demonstranten ein Ultimatum für ein Ende des gewaltsamen Widerstandes.

AP/dpa

Kiew - Erstmals seit drei Wochen hat es in der ukrainischen Hauptstadt Kiew wieder Straßenschlachten zwischen Demonstranten und den Sicherheitskräften der Regierung gegeben. Rund 20.000 Menschen versuchten am Dienstagmorgen, zum Parlamentsgebäude vorzudringen. Auch die Zentrale der Partei von Präsident Wiktor Janukowitsch war ein Ziel der Regierungsgegner.

Als sie von einer Polizeibarriere gestoppt wurden, warfen sie Steine auf Polizisten und setzten zwei Polizeilastwagen in Brand. Die Sicherheitskräfte feuerten daraufhin Blend- und Rauchgranaten ab. Sie setzten auch Tränengas und Gummigeschosse ein. Mit dem Marsch zum Parlament, der Rada, wollten die Demonstranten Druck auf die Abgeordneten ausüben, für eine Verfassungsreform und eine Beschneidung der Macht von Janukowitsch zu stimmen.

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Ukraine: Straßenschlachten in Kiew

Wegen der blutigen Straßenschlachten haben die Behörden die U-Bahn komplett geschlossen. "Alle Haltestellen sind zu. Die Metro fährt nicht mehr", sagte ein Metrosprecher der Agentur Interfax.

Damit drohte der Nahverkehr in der Metropole mit etwa 2,8 Millionen Einwohnern zusammenzubrechen. Zunächst waren vier Metrostationen im Zentrum geschlossen worden. Die Polizei rückte auf die Stellungen der Opposition im Stadtzentrum vor.

Über die genaue Zahl der Opfer gibt es unterschiedliche Angaben. Oppositionsärzte berichteten von drei getöteten Demonstranten. Die Regierungsgegner seien durch Schüsse ums Leben gekommen, sagte Oleg Mussiji, Chef des Ärzteteams der Opposition. Außerdem wurden demnach mindestens 150 Demonstranten verletzt. Einem Demonstranten habe eine Hand amputiert werden müssen. Die meisten Verletzungen gingen auf den Einsatz von Blendgranaten durch die Bereitschaftspolizei zurück, sagten die Ärzte.

Russland gibt dem Westen die Schuld

Die Parlamentsabgeordnete Lesja Orobets berichtete per Facebook ebenfalls von drei Getöteten. Weitere sieben Personen seien schwer verletzt worden und dem Tode nahe.

Das Innenministerium berichtete dagegen, bei den Krawallen seien fünf Sicherheitsbeamte durch Schüsse schwer verletzt worden. 37 weitere Polizisten wurden demnach von Demonstranten attackiert. In der Stellungnahme des Ministeriums hieß es, Demonstranten hätten ebenfalls versucht, das Parlamentsgebäude zu stürmen. Von einem gegenüberliegenden Haus warfen sie angeblich Rauchbomben in das Parlament, Beamte seien aus den Fenstern gesprungen.

Zwei weitere Leichen wurden vor dem Eingang der Metro-Station "Kreschatnik" gefunden, nur wenige Meter vom Unabhängigkeitsplatz entfernt, berichtet die Nachrichtenagentur "Interfax". Das berichtete ein Fotograf der Agentur Reuters. Bei den Toten soll es sich um einen 50-Jährigen und eine 60-Jährige handeln. Außerdem berichten Augenzeugen von einer kopflosen Leichen, die auf den Barrikaden gefunden wurde.

Die ukrainische Regierung stellte den Protestteilnehmern ein Ultimatum: Die Demonstranten hätten zwei Stunden Zeit, um ihre gewaltsamen Proteste zu beenden, erklärten das ukrainische Innenministerium und der Staatsschutz. Ansonsten würden die Sicherheitskräfte ab 18 Uhr (Ortszeit, 17 Uhr MEZ) zu "schwerwiegenden" Maßnahmen greifen, um die Gewalt zu stoppen.

Gerüchte, Janukowitsch habe die Ukraine in einem Flugzeug verlassen, dementierte Parlamentschef Wladimir Rybak in einer ersten Stellungnahme. "Morgen wird sich der Präsident mit den Oppositionsführern treffen. Das Treffen wird auf 11 Uhr angesetzt", so Rybak. Eine geplante Parlamentssitzung wurde jedoch abgesagt.

Seit Monaten protestieren Zehntausende Regierungsgegner in der Ukraine gegen die prorussische Politik von Präsident Wiktor Janukowitsch. Sie fordern eine engere Anbindung an die Europäische Union.

Für die jüngste Eskalation der Gewalt machte die russische Regierung den Westen verantwortlich. Westliche Politiker und europäische Institutionen verschlössen die Augen vor den aggressiven Aktionen radikaler Kräfte und duldeten deren Vorgehen, erklärte das Außenministerium in Moskau am Dienstag. An die Opposition appellierte Russland, den Dialog mit der Regierung zu suchen, anstatt Drohungen zu äußern und Ultimaten zu stellen.

als/cth/vek/dpa/AFP/Reuters

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Seite 1
N.Danilewski 18.02.2014
1.
Zitat von sysopREUTERSBei Krawallen zwischen Regierungsgegnern und Sicherheitskräften sind in Kiew offenbar auf beiden Seiten mehrere Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Russland macht den Westen für die neue Eskalation der Gewalt in der Ukraine verantwortlich. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-mehrere-tote-bei-krawallen-in-kiew-a-954218.html
Ich habe meine Freunde und Verwandte jedenfalls aufgefordert, Berlin rechtzeitig zu verlassen. Ich könnte Russland eine mögliche Reaktion nicht einmal übel nehmen.
taxiralle59 18.02.2014
2. In Ausrüstung
bzw. Bewaffnung scheinen sich Demonstranten und Polizei nur unwesendlich von einander zu unterscheiden. Insofern sollte man da schon eher von bewaffneter Auseinandersetzung als von Demonstration reden. Sicher haben diese Eskalation der Gewalt auch ausländische Unterstützer zu verantworten. Völkerrecht und Souveränitätsrechte scheinen weltweit nur noch leere Vertragshülsen zu sein. Zukunft in Europa - mir graut vor dir!
radeberger78 18.02.2014
3. Aussitzen ....
Zitat von sysopREUTERSBei Krawallen zwischen Regierungsgegnern und Sicherheitskräften sind in Kiew offenbar auf beiden Seiten mehrere Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Russland macht den Westen für die neue Eskalation der Gewalt in der Ukraine verantwortlich. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-mehrere-tote-bei-krawallen-in-kiew-a-954218.html
wird Janukowitsch die Proteste bei dem bestehenden Gewaltpotential der Demonstranten wohl nicht können, dass wird ihm früher oder später als Führungsschwäche ausgelegt werden ... eine Regierung die ihre eigenen Gebäude nicht effektiv schützen kann, wird beim Volk an Ansehen verlieren.
zverynas 18.02.2014
4.
Zitat von sysopREUTERSBei Krawallen zwischen Regierungsgegnern und Sicherheitskräften sind in Kiew offenbar auf beiden Seiten mehrere Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Russland macht den Westen für die neue Eskalation der Gewalt in der Ukraine verantwortlich. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-mehrere-tote-bei-krawallen-in-kiew-a-954218.html
Tausendmal dieselbe Lüge! Es gibt keine "prorussische" Partei oder "prorussischen" President in der Ukraine. Es geht nur um Ukrainas Unabhängigkeit. Egal, von der EU oder vom Russland. Westlich Medien sehen aber keine Wahrheit. Die legen alles im Kontrast dar - entweder "pro-europeische" Aktivisten oder "prosussischer" President. Weiß/Schwarz. Wo ist endlich der Platz für einfache Unabhängigkeit?!
observatorius 18.02.2014
5. USA und Rechte Kravallmacher wollen die Spaltung
Seit dem Nuland-Leak ("Fuck the EU") ist einduetig klar, dass die USA die Spaltung der Ukraine anstreben. Westukrainische Nationalisten, die seit Wochen unverholen mit Bürgerkriegsdrohungen, Umsturzplänen und militärisch-paramilitärischen getue jede Chance auf einen Dialog zertrampen, sind die geeigneten Handlanger, die diese US-Strategie in die Tat umsetzen sollen. Wenn Janukowitsch irgendwann dann schlicht gezwungen ist die Sache militärisch zu regeln, wird Europa erneut vor einer Spaltung in Ost und West stehen, und die USA können sich die Hände reiben und weiter darauf spekulieren Westeuropa gefügig zu halten.
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