Schwere Gefechte in Ostukraine Der Krieg kehrt zurück

Es wird geschossen, Panzer rollen: Der Konflikt in der Ukraine droht neu aufzuflammen. Beobachter sorgen vor allem die Gefechte in Wohnsiedlungen. Ganze Bereiche sollen zudem vermint worden sein.


Seit Monaten gilt eigentlich eine Waffenruhe in der Ostukraine, doch sowohl die prorussischen Kräfte im Osten des Landes als auch die Einheiten der Regierung in Kiew halten sich nicht daran. Im Gegenteil: Seit Tagen gibt es immer neue Meldungen über Gefechte, mit Toten und Verletzten.

Waren es in der Vergangenheit nur vereinzelte Scharmützel, wird nach Angaben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) inzwischen an vielen Stellen offen gekämpft. "Wir zählen immer mehr Brennpunkte", sagte der Vizechef der OSZE-Beobachtermission in der Ukraine, Alexander Hug, der Nachrichtenagentur dpa in Wien: "Es gibt eine Eskalation."

Und noch eine Entwicklung beunruhigt die Experten vor Ort: Die Kämpfe zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Regierungstruppen finden zunehmend in bewohnten Gebieten statt. Dadurch steigt natürlich das Risiko von Opfern unter der Zivilbevölkerung.

In einer aktuellen Meldung spricht die ukrainische Armee von sechs Soldaten, die in den vergangenen 24 Stunden bei Kampfhandlungen ums Leben gekommen sein sollen. Allerdings sind solche Angaben aus dem Kriegsgebiet stets mit Skepsis zu betrachten. Beide Konfliktseiten haben in der Vergangenheit Falschinformationen verbreitet.

Auch der Sprecher der ukrainischen Streitkräfte berichtet über eine Häufung von Gefechten in Wohnarealen. "Das müssen wir besonders betonen", so Andriy Lysenko, der allerdings hinzufügte, dass der Beschuss der bewohnten Gebiete natürlich vom Gegner ausgehe.

Minen im Boden als tödliche Gefahr

Als besonderen Brennpunkt nannte er die Stadt Donezk und dort vor allem den Bereich um den Flughafen. Dieser war erst zur Fußball-EM 2012 umfangreich modernisiert worden - und gleicht inzwischen einem Trümmerfeld. Über Monate lieferten sich beide Seiten Gefechte um das strategisch wichtige Areal.

Fotostrecke

13  Bilder
Flughafen Donezk: Zerbombte Terminals, gekippte Maschinen

Die OSZE-Mitarbeiter warnen im ihrem Lagebericht zur Ostukraine außerdem vor einer weiteren militärischen Taktik, die eine erhebliche Gefahr auch für die Bevölkerung darstellt. Die Konfliktparteien legen derzeit immer mehr Landminen, so Vize-Chefbeobachter Hug. Sie verstießen zudem gegen das Minsker Abkommen vom Februar dieses Jahres, indem sie schwere Geschütze in die Konfliktregion brächten, anstatt sie abzuziehen. "Es gibt derzeit einen deutlichen Abwärtstrend."

Seit Beginn der Kämpfe im April 2014 sind in den Gebieten um Donezk und Luhansk nach Uno-Angaben mehr als 6400 Menschen ums Leben gekommen. Die OSZE hat derzeit rund 370 unbewaffnete Beobachter in der Region im Einsatz.

jok/dpa/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.