Stahlarbeiter gegen Separatisten Die Putztruppe des Oligarchen

Die Separatisten in der Ostukraine stoßen auf Widerstand: Der Oligarch Rinat Achmetow hat seine Stahlarbeiter gegen die prorussischen Milizionäre mobilisiert. Sie gehen Patrouille, sie räumen auf. Der Milliardär will Macht und Einfluss sichern.
Metinvest-Angestellte vor dem Rathaus von Mariupol: "Tun, was die Fabrik verlangt"

Metinvest-Angestellte vor dem Rathaus von Mariupol: "Tun, was die Fabrik verlangt"

Foto: REUTERS

Mariupol/Kiew - Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine haben einen Rückschlag hinnehmen müssen. In Mariupol und mehreren anderen Städten sind Stahlarbeiter gegen die moskautreuen Aufständischen auf die Straßen gegangen.

In der Hafenstadt Mariupol patrouillierten sie Seite an Seite mit der staatlichen Polizei. Die Arbeiter schoben Barrikaden von den Straßen und räumten Trümmer aus dem schwer beschädigten Rathaus.

Laut Augenzeugen ist inzwischen weitgehend Normalität in die 500.000-Einwohner-Stadt zurückgekehrt. Die maskierten Separatisten sind von den Straßen abgezogen, der Verkehr läuft regelmäßig.

Hinter dem Einsatz der Bergleute und Stahlarbeiter steckt der ukrainische Oligarch Rinat Achmetow. Der 47-Jährige, dessen Vermögen auf mehr als acht Milliarden Euro geschätzt wird, hat die etwa 300.000 Angestellten seines Metinvest-Konzerns aufgerufen, sich den Separatisten in den Weg zu stellen.

Achmetow sieht durch den prorussischen Aufstand in der Ostukraine seinen Status als Quasi-Feudalherr in der Region Donbass gefährdet. In den vergangenen Wochen hat der Unternehmer mehrfach schriftliche Erklärungen veröffentlicht, in denen er die Einheit der Ukraine anmahnte.

"Metinvest ist eine große Armee"

Durch das Referendum am vergangenen Sonntag und die anschließende Unabhängigkeitserklärung der "Autonomen Volksrepublik Donezk" sieht Achmetow seine Interessen offenbar ernsthaft bedroht. "Ich glaube, dass der Donbass nur in einer vereinten Ukraine glücklich sein kann", sagte der Milliardär am Mittwoch in einer TV-Ansprache.

Im Hintergrund sollen derzeit Gespräche zwischen Achmetow und Denis Puschilin, dem selbst ernannten Anführer der Volksrepublik Donezk laufen. Der Separatist will die ukrainische Präsidentenwahl am 25. Mai verhindern, der Oligarch sieht das offenbar anders.

"Niemand will, dass die Region Donezk eine Art Grauzone wird, die von der Welt nicht anerkannt wird. Das wäre sehr schmerzhaft für uns", sagte Juri Sintschenko, Generaldirektor des zu Metinvest gehörenden Stahlwerks von Mariupol.

Sintschenko verwies darauf, dass der Konzern in mehr als hundert Länder exportiere und auf sichere und anerkannte Ausfuhrrouten angewiesen sei. "Das ist nicht nur der Unternehmensführung klar, sondern auch den Arbeitern", sagte er. "300.000 Angestellte und ihre Familien - das ist eine große Armee." Bislang sollen sich etwa 18.000 Arbeitnehmer an den Patrouillen beteiligen.

Dass alle Metinvest-Angestellten freiwillig mitmachen, steht in Frage: "Jeder kann seine eigene Meinung haben, aber nicht auf der Arbeit", sagte Sergej Istratow, Schichtführer im Stahlwerk von Mariupol. "Auf der Arbeit musst du tun, was die Fabrik verlangt."

Metinvest verkündete, dass das Unternehmen den Wiederaufbau mehrerer von prorussischen Milizionären verwüsteter Polizeiwachen in Mariupol finanzieren wolle. Zudem rief der Konzern die Armee der Ukraine zu Zurückhaltung auf.

syd/Reuters/AP
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