Präsidentschaftswahl in der Ukraine Poroschenko stimmt Fernsehdebatte im Olympiastadion zu

Vor den Stichwahlen in der Ukraine ist unklar, ob es zu einem TV-Duell zwischen den Kandidaten kommt. Herausforderer Selensky hat die Debatte an Bedingungen geknüpft. Poroschenko kommt ihm teilweise entgegen.

Amtierender Präsident Poroschenko: "Dann lass es halt ein Stadion sein"
DPA/Efrem Lukatsky

Amtierender Präsident Poroschenko: "Dann lass es halt ein Stadion sein"


Bisher hat Wolodymyr Selensky im Kampf um das ukrainische Präsidentschaftsamt direkte Aufeinandertreffen mit seinen Rivalen gemieden. Aber kurz vor der Stichwahl könnte es nun zu einem TV-Duell mit dem amtierenden Präsidenten Petro Poroschenko kommen. Einem von Selenky gestellten Ultimatum will Poroschenko zumindest teilweise nachkommen.

Wenn sein Kontrahent ins Stadion wolle, "dann lass es halt ein Stadion sein", sagte Poroschenko in einer Videobotschaft. Der Komiker Selensky, Gewinner des ersten Wahldurchgangs am Sonntag, hatte seinen Gegner zuvor zu einem Rededuell im Olympiastadion in Kiew aufgefordert.

Olympiastadion in Kiew
AFP

Olympiastadion in Kiew

Zugleich sagte Poroschenko, dass eine Wahldebatte eine ernste Angelegenheit sei. "Eine Debatte ist keine Show", erklärte er - und zielte damit auf die mangelnde politische Erfahrung Selenskys sowie dessen Karriere als Schauspieler. "Eine Debatte wird nicht als Stadionspektakel inszeniert." Auch einem von Selenky geforderten Drogen- und Alkoholtest will Poroschenko offenbar nachkommen.

Schlechte Chancen für Selensky bei TV-Duell

Selensky hatte in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl mit mehr als 30 Prozent die meisten Stimmen geholt. Poroschenko kam auf rund 16 Prozent. Die Stichwahl findet am 21. April statt.

Wolodymyr Selensky: Mehr als 30 Prozent der Stimmen in der ersten Runde
AFP

Wolodymyr Selensky: Mehr als 30 Prozent der Stimmen in der ersten Runde

Im Gegensatz zu Poroschenko ist Selenksy kein erfahrener Politiker. Bisher hat er vor allem seine Berater für sich sprechen lassen. Bei einem TV-Duell unter herkömmlichen Bedingungen hätte der Komiker schlechte Chancen gegen den amtierenden Präsidenten. Daher hat Selensky die Debatte an eine Reihe von Bedingungen geknüpft. Neben dem Stadion als Veranstaltungsort und dem Alkoholtest forderte er den Präsidenten auf, ihn nicht länger als "Clown" oder "Marionette" zu bezeichnen - ein Verweis auf seine angebliche politische Verbindung zum Oligarchen Igor Kolomoiski, mit dem Poroschenko über Kreuz liegt.

Diese von Selenksy geforderte Entschuldigung ist bisher nicht erfolgt. Auch hat sich der Präsidentschaftskandidat bisher nicht zu Poroschenkos Videobotschaft geäußert. Ob das TV-Duell wirklich stattfindet, ist bisher noch offen.

Das ukrainische Gesetz sieht vor, dass im Fernsehen übertragene Wahldebatten am letzten Freitag vor der Stichwahl abgehalten werden müssen - das wäre in diesem Fall der 19. April.

asc/AFP

insgesamt 5 Beiträge
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Gaska 04.04.2019
1. Clown und Puppe
Mag sein, dass Selensky ein Clown ist, was mir besser als Puppe - Poroschenko gefällt. Es ist traurig, dass auch nach mehr als 20 Jahren immer noch keine anständige politische Elite entstanden ist. Dann muss man damit von vorne anfangen!
dieter.zuckermann 04.04.2019
2.
Selbst wenn Selenkij eine Marionette von einem Oligarchen wäre. Was ist aber schlimmer. Eine Marionette von einem Oligarchen oder der Oligarch höchstpersönlich? Sollte dieser Vorwurf gegen Selenskij überhaupt stimmen, wäre er auch in diesem Punkt damit besser als Poroshenko. Und ob das überhaupt stimmt. Das ist eine andere Sache. Für Kolomoiski könnte Selenskij schlimmer als Poroshenko sein. Den diesen Verdacht gibt es ja, dass Selenskij seine Marionette ist. Alle werden darauf achten. Wird Selenskij da ernsthaft etwas unternehmen was Kolomojski begünstigt? Die Leute werden sich doch direkt bestätigt sehen.
buss.alexandra98 04.04.2019
3. Anstand und Ehrlichkeit ist wichtiger
Anstand, Ehrlichkeit und gesunder Menschenverstand versus politische Erfahrung. Auch wenn Selensky in politischer Debatte in Stadion unterlegen wird, ist er aus den obengenannten Gründen eine Chance für Ukraine.Die Erfahrung wird erarbeitet.
rainerb 04.04.2019
4. Warum nicht?
Warum sollte der Kabarettist und Schauspieler Selensky keine Chance haben? Er soll den Bürgern erklären, was er wie anders machen möchte. Er ist unverbraucht. Und Poroschenko sollte den Bürgern erklären, warum er dem Volk auf zwielichtige Weise Geld geklaut hat und es in Briefkastenfirmen in Panama versteckt hat. Und warum will er jetzt gerade damit anfangen, etwas gegen und nicht für die Korruption zu unternehmen? Weil man so etwas bei einer Wahl sagt, um Stimmen einzufangen? Wenn jemand von 55 auf 15% herunterfällt, sollte er von sich aus die Konsequenzen ziehen und abtreten! Alles andere ist ein Witz!
schiwarnadse 05.04.2019
5. Lügenpresse!
- "Das ukrainische Gesetz sieht vor, dass im Fernsehen übertragene Wahldebatten am letzten Freitag vor der Stichwahl abgehalten werden müssen." Dies ist eine dreiste Lüge!!!! Sind Sie der ukrainischen Sprache mächtig? Haben Sie das geprüft? Oder nur irgendwo im Internet gelesen oder gehört?! Bei den Wahlen 2014 hat sich poroschenko auch von der Debatte mit Julia Timoschenko "gedrückt"! Oder haben Sie jetzt einen akuten Anfall selektiver Amnesie?!
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