Offensive gegen Separatisten Ukraine meldet viele Tote bei Angriff auf Slowjansk

Ukraines Interimspräsident Turtschinow äußert sich zur Offensive gegen die Separatisten in Slowjansk: "Die Kriminellen haben viele Verluste erlitten." Auch in Odessa am Schwarzen Meer gab es Zusammenstöße.
Offensive gegen Separatisten: Ukraine meldet viele Tote bei Angriff auf Slowjansk

Offensive gegen Separatisten: Ukraine meldet viele Tote bei Angriff auf Slowjansk

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Kiew/Moskau - Bei der Offensive der ukrainischen Armee gegen prorussische Separatisten in der Stadt Slowjansk hat es nach ukrainischen Regierungsangaben zahlreiche Opfer gegeben. Interimspräsident Alexander Turtschinow sprach am Freitag von "vielen Toten" auf Seiten der Gegner Kiews. Turtschinow bestätigte zudem den Tod von zwei ukrainischen Soldaten. "Die Kriminellen haben viele Verluste erlitten: Viele wurden getötet, verwundet und es gibt viele Gefangene", sagte er in einer Fernsehansprache. Die prorussischen Kräfte sprachen dagegen von drei getöteten Kämpfern und drei toten Zivilisten.

Slowjansk wird seit Wochen von prorussischen Milizen kontrolliert. Am frühen Freitagmorgen startete die ukrainische Armee die "aktive Phase" eines "Anti-Terror-Einsatzes" gegen die Separatisten in der Stadt und in Kramatorsk, wie Innenminister Arsen Awakow mitteilte. Diese verlief allerdings langsamer als geplant, musste die ukrainische Regierung einräumen.

Der selbsternannte Bürgermeister Wjatscheslaw Ponomarjow und seine Kämpfer halten in Slowjansk mehrere Militärbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) fest, darunter vier Deutsche. Außenminister Frank-Walter Steinmeier teilte am Freitag noch mit, die Verhandlungen um eine Freilassung seien in eine "heiße Phase" eingetreten. Doch die sei nun durch die Offensive gefährdet, sagte der Milizenführer Denis Puschilin Die "Entscheidung, sie freizulassen", sei noch nicht getroffen worden.

Turtschinow forderte die Aufständischen auf, ihre Waffen niederzulegen und alle Geiseln freizulassen. "Wer die Waffen niederlegt und nicht in schwere Verbrechen verwickelt war, hat nichts zu befürchten. Mörder und Folterer werden bestraft", kündigte er an. Zudem wandte er sich an Russlands Präsident Wladimir Putin: "Ich appelliere an die Führung der Russischen Föderation: Stoppen Sie die Hysterie rund um die Vorgänge in der Ukraine. Stoppen Sie die Drohungen und Einschüchterungen."

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Offensive bei Slowjansk: Ukraine meldet "viele Tote"

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Das russische Außenministerium hatte der Übergangsregierung in Kiew vorgeworfen, in Slowjansk einen "Vergeltungseinsatz unter Beteiligung der Terroristen" der rechtsextremen Gruppierung Rechter Sektor gestartet zu haben. Der Einsatz gegen das eigene Volk sei ein "Verbrechen" und führe das Land in die "Katastrophe". Der Sprecher von Präsident Wladimir Putin sagte, mit der Offensive habe Kiew die "letzte Hoffnung" auf eine Umsetzung des Genfer Abkommens zunichte gemacht, das Mitte April zwischen Russland und der Ukraine geschlossen worden war, um den Konflikt zu entschärfen.

Zusammenstöße in Odessa

In der südukrainischen Stadt Odessa sind zudem offenbar Anhänger Moskaus und Kiews zusammengestoßen. Dabei kamen nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters drei Menschen ums Leben, 15 wurden verletzt. Hunderte mit Schlagstöcken bewaffnete und mit Helmen geschützte prorussische Aktivisten sollen dort eine Demonstration von 1500 Unterstützern der ukrainischen Regierung angegriffen haben. Die Polizei versuchte, die verfeindeten Gruppen zu trennen. Bislang war Odessa von den Unruhen im Osten des Landes weitgehend verschont geblieben.

In der Nacht zum Freitag sollen bewaffnete russische Saboteure nach Angaben Turtschinows versucht haben, in die Ukraine einzudringen. Sie seien von ukrainischen Grenztruppen zurückgedrängt worden.

Auf Drängen Russlands hin will sich der Uno-Sicherheitsrat nun noch am Freitag bei einer weiteren Sondersitzung mit der Ukraine-Krise befassen. Das Treffen sei für 18.00 Uhr (MESZ) angesetzt, teilten die Vereinten Nationenmit.

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vks/dpa/Reuters/AFP