Telefonat mit Obama Putin weist Vorwurf der USA als Spekulation zurück

Sie telefonierten wieder - erstmals seit zwei Wochen: Wladimir Putin weist gegenüber Barack Obama die Schuld an der Eskalation in der Ostukraine von sich. Er fordert den US-Präsidenten auf, ein Blutvergießen zu verhindern.

Präsident Putin: Die Ukraine dürfe nicht gegen prorussische Demonstranten vorgehen
DPA

Präsident Putin: Die Ukraine dürfe nicht gegen prorussische Demonstranten vorgehen


Moskau - Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Anschuldigungen der USA im Zusammenhang mit der Rolle Moskaus bei den Unruhen in der Ukraine zurückgewiesen. In einem Telefonat mit US-Präsident Barack Obama habe Putin deutlich gemacht, dass es sich bei dem Vorwurf, Moskau greife in den Konflikt im Südosten des Nachbarlandes ein, um "Spekulationen" handele, die "auf unbegründete Informationen" beruhten, teilte der Kreml am Montag mit.

Jay Carney, Sprecher des Weißen Hauses, hatte zuvor mitgeteilt, dass es "erdrückende Beweise" gäbe, dass Russland in der Ostukraine Unruhe stifte.

Putin forderte Obama in dem ersten Telefonat seit mehr als zwei Wochen auf, alles dafür zu tun, um die Anwendung von Gewalt und ein Blutvergießen in der Ukraine zu verhindern. Obama solle die ukrainische Regierung dazu bringen, nicht gegen prorussische Demonstranten im Osten der Ukraine vorzugehen.

Nach dem wirkungslos verhallten Ultimatum an die prorussischen Aktivisten hatte der ukrainische Interimspräsident Alexander Turtschinow den Befehl für einen Spezialeinsatz im Osten des Landes unterzeichnet. Was dies konkret bedeutet, blieb zunächst unklar

"Widerwille und Unfähigkeit" der Kiewer Behörden verantwortlich

Putin rief erneut zu Verhandlungen auf, an denen die wichtigsten politischen Akteure und Vertreter der Regionen teilnehmen sollten. Grund für die Proteste in Donezk, Lugansk, Charkow, Slowjansk und anderen Städten seien der "Widerwille und die Unfähigkeit" der Kiewer Behörden, die Interessen der russischen und russischsprachigen Bevölkerung zu berücksichtigen, sagte Putin. Das Weiße Haus gab zunächst keine Stellungnahme zu den Inhalten des Gesprächs ab.

Die USA, Deutschland und andere westliche Staaten verdächtigen Russland, ähnlich wie auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim im Osten der Ukraine mit Sicherheitskräften zu intervenieren, um eine Abspaltung der Region vorzubereiten.

Russland hatte im März die ukrainische Schwarzmeer-Halbinsel Krim annektiert. Seitdem gibt es im Osten der Ukraine vermehrt prorussische Kundgebungen. In zahlreichen Städten in der Region halten Milizionäre seit Tagen mehrere Gebäude von Polizei und Geheimdienst sowie von weiteren Behörden besetzt. Sie fordern ein regionales Referendum über eine Angliederung an Russland.

Der Kreml hat Berichte über einen bevorstehenden Einmarsch in die Ostukraine stets mit Nachdruck zurückgewiesen. Gleichzeitig ließ Kreml-Chef Putin über seinen Sprecher wissen, er erhalte sehr viele Anfragen aus grenznahen Regionen "mit der Bitte um Hilfe in dieser oder jener Form, mit der Bitte um Einmischung in dieser oder jener Form".

Für Donnerstag sind in Genf Gespräche zwischen Russland, den USA, der Ukraine und der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton geplant, bei denen Möglichkeiten für eine friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts ausgelotet werden sollen.

sun/AFP/AP/dpa

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tigerishka 15.04.2014
1. Zyniker
Leider glauben ihm noch viele. Ich denke, Timoschenko hat recht: Jemand sollte diesem Dreckskerl ein klares Signal übermitteln: Bis hierhin und nicht weiter
loki21 15.04.2014
2. Das ist doch wohl ein Witz vom Westen
Zitat von sysopDPASie telefonierten wieder - erstmals seit zwei Wochen: Russlands Präsident Putin weist die Schuld an der Eskalation in der Ostukraine von sich und spricht von "Spekulationen". Er fordert US-Präsident dazu auf, ein Blutvergießen zu verhindern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-putin-telefoniert-mit-obama-a-964420.html
Wer Beweise hat, legt sie auf den Tisch und muß niemanden verdächtigen. Beweise bestätigen einen Verdacht (oder widerlegen ihn).
yumyum 15.04.2014
3. Spezialeinheiten
Zitat von sysopDPASie telefonierten wieder - erstmals seit zwei Wochen: Russlands Präsident Putin weist die Schuld an der Eskalation in der Ostukraine von sich und spricht von "Spekulationen". Er fordert US-Präsident dazu auf, ein Blutvergießen zu verhindern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-putin-telefoniert-mit-obama-a-964420.html
So wie es gerade aussieht, kann man in der Ukraine mit einem spitzen Stock bewaffnet irgendein Verwaltungsgebäude einnehmen, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen. Dazu brauch es wahrlich keiner Hilfe aus Moskau.
Sponposter2 15.04.2014
4. Putins lügt
Zitat von sysopDPASie telefonierten wieder - erstmals seit zwei Wochen: Russlands Präsident Putin weist die Schuld an der Eskalation in der Ostukraine von sich und spricht von "Spekulationen". Er fordert US-Präsident dazu auf, ein Blutvergießen zu verhindern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-putin-telefoniert-mit-obama-a-964420.html
Wenn ich das Gesicht von diesem Kriminellen im Kreml schon sehe... Ich denke, es hat keinen Wert mehr, mit Putin zu reden. Er lügt uns an, wann er will: "Die Uniformen kann man in jedem Laden kaufen." Und jetzt macht er dasselbe Spiel in der Ostukraine. Er ist kein vertrauenswürdiger Politiker mehr, und er destabilisiert das Nachbarland, anstatt zu Frieden aufzurufen. Wir müssen jetzt dringend die Nato in den osteuropäischen Mitgliedsstaaten stärken, und wir müssen in Europa schnell weg von seinen Gaslieferungen. Soll sein verbrecherisches Regime verrotten.
pozelei 15.04.2014
5. Herr Putin...
es gibt schon einen Unterschied zwischen prorussichen Demonstranten und denen mit Ak-47 bewaffneten, öffentliche Gebäude stürmende russischstämmige Milizen. Dazwischen liegen Welten...
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