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Krise in der Ukraine: Kampf dem Kompromiss von Kiew

Foto: Maxim Shipenkov/ dpa

Krise in der Ukraine "Jetzt kontrolliert der Maidan ganz Kiew"

Regierung und Opposition in der Ukraine haben ein Kompromissabkommen unterzeichnet, doch Hardliner auf beiden Seiten torpedieren es. Gegner von Präsident Janukowitsch haben nach eigenen Angaben die Kontrolle über Kiew übernommen - und dem Staatschef ein Ultimatum gestellt.

Kiew - Die Lage in der Ukraine scheint alles andere als stabil zu sein. So haben Gegner des ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch nach eigenen Angaben die Kontrolle in der Hauptstadt Kiew übernommen: Die sogenannten Selbstverteidigungskräfte kontrollierten das Parlament, den Regierungssitz und die Präsidialkanzlei, sagte Andrej Parubij, der Kommandant des Protestlagers auf dem Unabhängigkeitsplatz Maidan. Das berichtet die Zeitung "Segodjna" am Samstagmorgen auf ihrer Internetseite.

Erneut harrten in der Nacht zum Samstag Tausende Menschen auf dem Maidan aus. Sie finden: Das vorläufige Abkommen zwischen Janukowitsch und der parlamentarischen Opposition sei nicht ausreichend. Darin hatten die Konfliktparteien unter EU-Vermittlung vorgezogene Präsidentenwahlen, eine Übergangsregierung und eine neue Verfassung vereinbart.

"Wir fordern den sofortigen Rücktritt des Präsidenten", sagte Parubij. Janukowitsch sei in die ostukrainische Stadt Charkow geflohen. "Jetzt kontrolliert der Maidan ganz Kiew", so Parubij, der Abgeordneter der Vaterlandspartei der inhaftierten Ex-Regierungschefin Julija Timoschenko ist. Die Selbstverteidigungskräfte patrouillierten im Regierungsviertel. "Wir haben den Polizisten gesagt, dass sie zum Maidan überlaufen können und wir sind zu gemeinsamen Patrouillen bereit", sagte Parubij.

Als "sehr, sehr fragil" schätzen die USA die Lage ein

Zuvor hatten radikale Oppositionsvertreter angekündigt, die Waffen nicht niederzulegen, bevor Janukowitsch nicht zurückgetreten sei. Auf der anderen Seite lehnen auch prorussische Gruppen das Abkommen ab, das am Freitag unterzeichnet wurde.

Die Einigung sei "sehr, sehr fragil", so schätzen die USA die Lage ein, wie ein Vertreter des US-Außenministeriums sagte. Die Ukraine brauche zur Umsetzung des Friedensabkommens internationale Unterstützung. Der stellvertretende Außenminister William Burns werde deshalb Anfang nächster Woche nach Kiew reisen und die Europa-Beauftragte der USA, Victoria Nuland, Anfang März, um bei der Umsetzung zu helfen.

Das Weiße Haus schloss nach wie vor Sanktionen gegen die Ukraine nicht aus. "Insbesondere, wenn es wieder zu Gewalt kommt oder gegen das Abkommen verstoßen wird", sagte Sprecher Jay Carney. Es sei auch im Interesse Russlands, dass sich die Lage wieder stabilisiere.

Bei einem Telefonat seien sich US-Präsident Barack Obama und Russlands Präsident Wladimir Putin einig gewesen, dass das Abkommen schnell umgesetzt werden müsse.

Wo sich Janukowitsch derzeit aufhält, ist unklar. Der Präsident soll Medienberichten zufolge am Freitagabend die Hauptstadt Kiew verlassen haben. Der Staatschef sei mit einem engen Kreis Vertrauter zunächst in die ukrainische Stadt Charkow geflogen, berichtete das Internetportal der Zeitung "Serkalo Nedeli" unter Berufung auf Funktionäre . Auch andere Medien berichteten darüber und beriefen sich auf jeweils eigene Kontakte in der Präsidialverwaltung. Demnach habe Janukowitsch persönliche Dinge aus seiner Residenz abholen lassen.

Bei Zusammenstößen auf dem Unabhängigkeitsplatz und vor dem Parlament waren nach Regierungsangaben seit Dienstag 67 Demonstranten und zehn Polizisten getötet worden (lesen Sie hier die Entwicklung am Freitag im Minutenprotokoll). Ärzte aus dem Oppositionslager sprachen von fast 100 Todesopfern.

otr/dpa/Reuters
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