Ukrainische Kampfjets Kreml bestreitet Abschuss von russischem Boden aus

Der Kreml spricht von "Fantasien der Kiewer Behörden": Die russische Regierung streitet ab, dass zwei ukrainische Kampfflugzeuge von Russland aus abgeschossen wurden.

Separatisten am Wrack eines abgeschossenen ukrainischen Kampfjets: Von wo wurden die Maschinen vom Himmel geholt?
AP/ icorpus.ru

Separatisten am Wrack eines abgeschossenen ukrainischen Kampfjets: Von wo wurden die Maschinen vom Himmel geholt?


Moskau - Die Separatisten in der Ostukraine bekannten sich zu den Abschüssen von zwei ukrainischen Kampfflugzeugen am Mittwoch. Doch Russland dementiert, dass dies von russischem Territorium aus erfolgte. Das Verteidigungsministerium erklärte nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax, es handele sich um "Fantasien der Kiewer Behörden".

Der ukrainische Sicherheitsrat hatte am Mittwoch mitgeteilt, die beiden Kampfflugzeuge über der Ostukraine seien durch Raketen abgeschossen worden, die in Russland abgefeuert worden seien.

Kiew sieht Russland nicht nur hinter der Versorgung der Separatisten mit schweren Waffen, sondern hat den russischen Streitkräften schon mehrfach auch direktes Eingreifen in den Konflikt vorgeworfen. Russland weist dies zurück.

Separatisten-Kommandeur bestreitet "Buk"-Besitz

Ein Kommandeur der Separatisten hat derweil einen Bericht zurückgewiesen, dass die prorussischen Kräfte im Besitz des Flugabwehrsystems "Buk" gewesen seien. "Ich habe keine Kenntnis davon, dass die Aufständischen eine solche Waffe besitzen", sagte Alexander Chodakowski im Interview des Staatsfernsehsenders Russia Today am Donnerstag. Chodakowski war am Mittwoch mit Aussagen zitiert worden, wonach er selbst gehört habe, dass die Aufständischen eine "Buk" hätten.

Er bestätigte zwar, dass er mit einem Journalisten eines westlichen Mediums verschiedene Möglichkeiten für den Abschuss der malaysischen Passagiermaschine MH17 durchgesprochen habe. Bei dem auf Video aufgezeichneten Gespräch habe es allerdings einen "roten Faden" gegeben mit der Aussage, dass er den "Buk"-Einsatz nicht bezeugen könne, betonte Chodakowski. Andere Separatistenführer teilten erneut mit, dass die prorussischen Kräfte kein solches Waffensystem genutzt hätten.

Die Separatisten hatten sich bereits im Juni damit gebrüstet, ein ukrainisches "Buk"-System erbeutet zu haben. Allerdings erklärten sie nach dem Abschuss der Boeing 777-200 am vergangenen Donnerstag, dass die Anlage nicht funktionstüchtig gewesen sei. Das hatten auch Ermittler in Kiew bestätigt.

als/Reuters/dpa

insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
TS_Alien 24.07.2014
1.
Man muss zwischen den Zeilen lesen: 1. Wenn jemand etwas nicht bezeugen kann, heißt das nicht, dass es nicht stimmt. 2. Wenn die "Separatisten" über kein Buk-System verfügen, kann das bedeuten, dass sie es zwischenzeitlich abgegeben haben (sie haben aber darüber verfügt, z.B. am Tag des Abschusses). 3. Wenn ein Buk-System nicht einsatzbereit gewesen ist, macht man es einsatzbereit. Welches Buk-System ist bei der Eroberung einsatzbereit? Keines. Aber nach wenigen Stunden ist es einsatzbereit. Das sind alles Nebelkerzen, eine abstruser als die andere. Für eine Boden-Luft-Rakete sind 80 km keine Entfernung. Es muss sich ja nicht um ein Buk-System gehandelt haben. Die Russen haben noch viele weitere Systeme auf Lager.
sokrates. 24.07.2014
2. Ich stelle mir schon Fragen...
Wenn das BUK-System, welches die Rebellen erobert haben nicht funktionstüchtig war und wenn die USA keine Satellitenaufnahmen eines BUK-Systems vorlegen können, das über die Russisch-Ukrainische Grenze gebracht wurde und dann wieder zurück, obwohl ein US-Satellit zum Zeitpunkt der Tat direkt über das Gebiet flog, dann stellen sich doch einige Fragen. Warum werden die Daten der AWACS-Aufklärer und des US-Satelliten nicht veröffentlicht? Ist die Einzige "smoking gun" wirklich ein Facebook-Eintrag?
Jestedkarl1 24.07.2014
3. Die...
Beiden abgeschossenen Kampfflugzeuge waren SU-25 also Erdkampfflugzeuge! Und diese fliegen bei Angriffen auf Erdziele weit unter Hoehe die ein ManPad erreichen Kann ca. 4-5000m!! Und solch ein Uraltes Flugzeug wie die SU-25 ca. 40 Jahre alt Holt Jeder Einigermassen ausgebildete Soldat mit einen ManPad, z.B. Stinger, herunter!
Mac_Beth 24.07.2014
4.
Zitat von sokrates.Wenn das BUK-System, welches die Rebellen erobert haben nicht funktionstüchtig war und wenn die USA keine Satellitenaufnahmen eines BUK-Systems vorlegen können, das über die Russisch-Ukrainische Grenze gebracht wurde und dann wieder zurück, obwohl ein US-Satellit zum Zeitpunkt der Tat direkt über das Gebiet flog, dann stellen sich doch einige Fragen. Warum werden die Daten der AWACS-Aufklärer und des US-Satelliten nicht veröffentlicht? Ist die Einzige "smoking gun" wirklich ein Facebook-Eintrag?
Ich halte das für einen berechtigten Einwand. Wir reden hier schließlich von einem der aktuell gefährlichsten Konfliktherde auf der Welt, welcher an der Grenze zwischen Europa und Russland stattfindet. Trotzdem hört man nur immer wieder von Beweisen, aber zu sehen bekommt man rein garnichts? Auf beiden Seiten wurde versucht den Abschuss politisch zu instrumentalisieren. Dabei wurden beidseitig auch etliche Finten verwendet, die sich als nicht haltbar oder äußerst dünn erwiesen. Eine Sache, die mich wahrscheinlich gleich als Verschwörungstheoretiker brandmarkt, ist der Umstand, dass man über die Ursache des Absturzes nichtmehr spekulieren darf. Ich meine, 80 Millionen Menschen in diesem Land. War von uns irgendeiner dabei als es passiert ist? Trotzdem nimmt man für sich in Anspruch schon ganz genau zu wissen was geschehen ist. Die offizielle Version durfte bereits einen Tag nach dem Unglück praktisch nichtmehr angezweifelt werden. Mich stört immer ein wenig, dass es keinerlei Augenzeugen gibt, die den Start einer Boden-Luft-Rakete bezeugen könnten. Unabhängig davon wer diese nun abgeschossen haben soll. Ich denke allerdings, dass hier die Blackbox tatsächlich Aufschluss geben könnte. Wenn auch nur die geringste Möglichkeit besteht, dass zur Unfallzeit Jagdflieger in der Luft waren, dann blieb das von den Piloten sicher nicht unbemerkt.
Reinhardt Gutsche 24.07.2014
5. Ausschlußprinzip
Zitat von sysopAP/ icorpus.ruDer Kreml spricht von "Fantasien der Kiewer Behörden": Moskau streitet ab, dass zwei ukrainische Kampfflugzeuge von russischem Boden aus abgeschossen wurden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-russland-bestreitet-verantwortung-fuer-abschuss-von-kampfflugzeugen-a-982654.html
Danke an die SPON-Redaktion für diese Klarstellung. Sie zeugt davon, daß das rar gewordene journalistische Ethos doch noch nicht gänzlich verschwunden zu sein scheint, bei Konfliktdarstellungen vor einer orientierenden Deutung zunächst die Positionen beider beteiligten Seiten äquidistanziert, aber inhaltlich korrekt, zu dokumentieren. Zur Sache selbst ergäbe sich aus dem Dementi Chodakowskis, so es denn tatsächlich zuträfe, allerdings eine zwingende Konsequenz bei der Suche nach den Tatverdächtigen: Wenn das im Juni von den Rebellen erbeutete "Buk"-System zum Craschzeitpunkt inoperabel war, wie " auch Ermittler in Kiew bestätigt" hätten, und es andererseits auch keine Beweise für den Abschuß der Passagiermaschine von russischem Territorium aus gibt, dann bleibt für jeden, der noch bis drei zählen kann, als Tatverdächtige nur noch eine Seite übrig... Wir dürfen auf die Reaktion der "internationalen Gemeinschaft" und der russophoben Heißsporne in diesem Forum gespannt sein.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.