Ukraine-Russland-Konflikt Kiew spricht von drittem Weltkrieg

Die Rhetorik im Ukraine-Konflikt verschärft sich dramatisch. Kiews Premier Jazenjuk wirft Moskau vor, einen dritten Weltkrieg zu wollen. Russland plane, sein Land zu besetzen.
Ukraine-Russland-Konflikt: Kiew spricht von drittem Weltkrieg

Ukraine-Russland-Konflikt: Kiew spricht von drittem Weltkrieg

Foto: AP/dpa

Kiew - Der ukrainische Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk wirft Russland vor, einen "dritten Weltkrieg" anzetteln zu wollen. Die Versuche des Kreml, einen Konflikt in der Ukraine vom Zaun zu brechen, würden zu einer militärischen Auseinandersetzung in Europa führen. Moskau wolle sein Land militärisch und politisch besetzen, sagte Jazenjuk bei einem Kabinettstreffen in Kiew, das im Fernsehen übertragen wurde. Das berichten mehrere Nachrichtenagenturen.

Das ukrainische Verteidigungsministerium hatte zuvor erklärt, dass sich russische Einheiten bis auf einen Kilometer der gemeinsamen Grenze genähert hätten. Die Soldaten hätten die Grenze aber nicht überschritten.

Moskau hält in der Region ein großangelegtes Manöver ab. Der Kreml hat seit der Krise in der Ukraine Tausende Soldaten dort zusammengezogen. Die Militärübung ist nach offiziellen Angaben eine Antwort auf die "Anti-Terror-Operation" der ukrainischen Regierung im Osten des Landes.

Die vom Westen unterstützte Führung in Kiew geht militärisch gegen die zum Großteil bewaffneten Milizen vor, die mehrere öffentliche Einrichtungen im Osten des Landes besetzt und Checkpoints errichtet haben. Spezialeinheiten hatten am Donnerstag nach Angaben des Kiewer Innenministeriums nahe der Stadt Slowjansk in einem Gefecht fünf prorussische Separatisten erschossen.

Reporter in der Ostukraine meldeten am Freitagmorgen Explosionen und Schüsse am Militärflugplatz in Kramatorsk. Ein ukrainischer Militärhubschrauber, der sich am Boden befand, ist nach Angaben der Kiewer Regierung von einer Rakete getroffen worden und explodiert. Ein Scharfschütze habe in den Tank der am Boden stehenden Maschine geschossen, sagte der Chef des "Anti-Terror-Zentrums", Wassili Krutow. Der Hubschrauber vom Typ Mi-8 sei explodiert, der Pilot sei beim Sprung aus der Maschine verletzt worden.

Scharfe Kritik aus Moskau

Der russische Außenminister Sergej Lawrow kritisierte die Regierung in Kiew scharf. Er bezeichnete den Einsatz ukrainischer Sicherheitskräfte gegen prorussische Separatisten als "blutiges Verbrechen". Die Übergangsregierung führe "Krieg gegen ihr eigenes Volk", sagte er. "Diejenigen, die die Armee gedrängt haben, das zu tun, werden dafür zahlen und sich verantworten müssen."

Den USA warf er einen "inakzeptablen und anklagenden Ton" vor. Die "Macht der US-Propaganda" ziele darauf ab, Russland und die prorussischen Proteste im Osten der Ukraine "in den Schmutz zu ziehen".

USA sprechen von Sabotage

Die USA halten dagegen. In der Nacht hatte sich US-Außenminister John Kerry bereits mit scharfen Vorwürfen gegen Moskau zu Wort gemeldet. Der Chefdiplomat beschuldigte den Kreml, die Ukraine unter anderem durch "grobe Einschüchterung von außen" weiter zu destabilisieren. Der US-Außenminister warnte Präsident Putin vor einem "schweren und teuren Fehler", sollte es an seinem Vorgehen nichts ändern. Statt konstruktiv vorzugehen, versuche Russland, "den demokratischen Prozess in der Ukraine zu sabotieren".

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel verlangte am Freitag vom russischen Präsidenten ein klares Bekenntnis zu den Genfer Vereinbarungen von vergangener Woche. Ihr Regierungssprecher Steffen Seibert warf Moskau vor, bislang keine einzige Zusage aus Genf umgesetzt zu haben. "Nichts davon ist bisher geschehen."

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heb/kgp/Reuters/AFP
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