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19. Februar 2014, 13:30 Uhr

Ukraine-Konflikt

Ex-Kanzler Schröder schlägt Uno als Vermittler vor

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder lehnt eine Vermittlerrolle im Ukraine-Konflikt ab - und schlägt dafür die Vereinten Nationen vor. Die Europäische Union habe sich wegen ihrer Parteinahme für die Opposition diskreditiert, sagte der SPD-Politiker SPIEGEL ONLINE.

Berlin/Hannover - Gerhard Schröder schaltet sich in den Ukraine-Konflikt ein - allerdings nicht als Vermittler. Eine solche Rolle lehnt der ehemalige Bundeskanzler ab, stattdessen schlägt er die Vereinten Nationen für diese Aufgabe vor. "Die Vermittlung im Ukraine-Konflikt kann keine Einzelperson übernehmen", sagte der SPD-Politiker SPIEGEL ONLINE. "Man wird in der jetzigen Situation eine Institution brauchen, die mit beiden Seiten reden kann - und das können nur die Vereinten Nationen sein."

Scharfe Kritik übte Schröder am Kurs der Europäischen Union. Die EU könne keine Funktion als Vermittler übernehmen, so der Ex-Kanzler. "Die Europäische Union ist dazu nicht mehr in der Lage. Die einseitige Unterstützung der Europäer für die Opposition macht es unmöglich, dass die EU in dem Konflikt noch vermitteln kann. Europa hat den Fehler gemacht, sich auf eine Seite zu schlagen, es ist nun selbst Partei", sagte er.

Schröder sprach sich zudem ausdrücklich gegen die Idee aus, Sanktionen gegen die Ukraine zu verhängen. "Im Moment nützen Sanktionen wenig", sagte der SPD-Politiker. Der frühere Regierungschef warnte außerdem vor einem Auseinanderdriften der Ukraine. "Es darf nicht zu einer Spaltung des Landes kommen. Am Ende muss die Ukraine entscheiden, in welche Richtung sie sich orientieren will", sagte Schröder.

Scharfe Kritik an Janukowitsch

Scharfe Kritik übte er auch am Verhalten des ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch. "Ich weiß nicht, wie man die Situation in Kiew gewaltfreier machen kann - aber der Versuch, den Maidan zu räumen, war sicherlich eine Fehlentscheidung", sagte Schröder.

Am Morgen hatte Linken-Fraktionschef Gregor Gysi den SPD-Politiker als Vermittler im Ukraine-Konflikt vorgeschlagen. Die Lage in dem Land hat sich in den vergangenen 24 Stunden dramatisch verschärft, bei Kämpfen zwischen radikalen Oppositionellen und Regierungskräften kamen mehr als 20 Menschen ums Leben, es gab Hunderte Verletzte.

flo/vme/ron

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