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Aufstand im Osten: Schusswechsel auf Stützpunkt in Mariupol

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Ukraine-Krise Separatisten greifen Basis der Nationalgarde an

Der Konflikt in der Ostukraine spitzt sich erneut zu. Bewaffnete Separatisten haben einen Stützpunkt der Nationalgarde angegriffen, dabei fielen Schüsse. Laut Innenministerium kamen drei Aufständische ums Leben.

Kiew - Mehrere hundert zum Teil maskierte prorussische Aktivisten haben offenbar eine Kaserne im Osten der Ukraine umstellt. Das berichtet das Innenministerium. Soldaten der Basis in Mariupol gaben am späten Mittwochabend Warnschüsse ab. Beim Versuch der Separatisten, in das Gelände einzudringen, sei es dann zum Schusswechsel gekommen, Brandsätze seien geflogen. Der Innenminister in Kiew erklärte auf seiner Facebook-Seite, drei prorussische Aufständische seien ums Leben gekommen, weitere 13 seien verletzt worden.

Die Nationalgarde habe gemeinsam mit Spezialeinheiten und unter dem Einsatz von Hubschraubern die Attacke abgewehrt, betonte Awakow. Ein Sprecher der Aktivisten erklärte, bei den Angreifern habe es sich um Ortsfremde gehandelt.

Laut Ministerium hatten die Separatisten die Soldaten aufgefordert, sich dem prorussischen Aufstand anzuschließen. Außerdem hätten die Angreifer die Soldaten aufgefordert, alle Waffen auszuhändigen.

Schusswechsel in Slawjansk und Kramatorsk

Zu Schusswechseln kam es offenbar auch in Slawjansk und Kramatorsk rund 80 Kilometer nördlich der ukrainischen Gebietshauptstadt Donezk. Prorussische Kräfte gaben an, sie hätten in Slawjansk 17 Mitglieder der Regierungstruppen nach Schüssen auf friedliche Bürger festgenommen. In Kramatorsk wurden demnach mehrere Menschen verletzt, als die Nationalgarde auf Demonstranten gefeuert habe, sagte ein Sprecher der moskautreuen "Selbstverteidiger". Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht.

Bereits seit mehreren Tagen halten moskautreue Separatisten Verwaltungsgebäude in zehn Städten besetzt, darunter die Verwaltung der Großstadt Mariupol. Sie fordern einen föderalen Staat mit weitgehenden Autonomierechten für das russisch geprägte Gebiet.

Kiew wirft Russland vor, für die Aktionen verantwortlich zu sein. Moskau widerspricht, vielmehr handele es sich um spontane Aktionen russischsprachiger Ukrainer, die mit der neuen Führung in Kiew unzufrieden seien.

Auch wenn die Darstellungen Russlands im Westen auf Kritik stoßen, hieß es am Mittwoch in den USA, Russland suche keine militärische Auseinandersetzung. Die Russen seien "nicht an einer militärischen Auseinandersetzung mit uns interessiert; wir brauchen keinen Krieg", sagte US-Präsident Barack Obama in einem Interview des TV-Senders CBS. Ein Teil des Gesprächs wurde am Mittwoch online veröffentlicht. Dagegen sei es "absolut klar", dass Russland die territoriale Souveränität seines Nachbarlandes verletzt habe und "nicht-staatliche Milizen" im Süden und Osten der Ukraine unterstütze.

USA bereitet neue Sanktionen vor

Die USA stünden "voll und ganz" hinter der von der Nato angekündigten Truppenverstärkung im Osten Europas. Das sagte US-Regierungssprecher Jay Carney an Bord des Präsidentenflugzeugs "Air Force One". Am Mittwoch hatte das Militärbündnis beschlossen, Flugzeuge, Schiffe und Soldaten zu schicken, um Stärke gegenüber Russland zu demonstrieren.

Deutschland beteiligt sich zunächst mit einem Schiff und sechs Jagdflugzeugen. Ebenso sei es angemessen, dass die Ukraine Schritte unternimmt, um "Gesetz und Ordnung" herzustellen, so Carney. Dies müsste aber in verantwortlicher Weise geschehen.

Gleichzeitig bereiten die Vereinigten Staaten bereits "aktiv" neue Sanktionen gegen Russland vor. Diese könnten möglicherweise am Donnerstag verkündet werden, wenn das in Genf geplante Krisentreffen zur Ukraine nicht den gewünschten Fortschritt bringt. Genauere Details nannte Carney nicht.

Bei dem Spitzentreffen in Genf soll erneut nach einer politischen Lösung der Ukraine-Krise gesucht werden. Die Außenminister der USA, Russlands und der Ukraine sowie die Außenbeauftragte der Europäischen Union werden gemeinsam an einem Tisch sitzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet von dem Treffen Impulse für eine Verhandlungslösung, wie ein Regierungssprecher mitteilte.

vek/Reuters/dpa