Besuch aus dem Bundestag Zwei Linke beim Warlord von Donezk

Eine EU-Mission in der Ostukraine? Die Rebellen machen Propaganda mit dem Besuch von zwei Abgeordneten der Linken. Die Berliner Politiker stört's nicht - sie verteidigen ihre Jeeptour mit Separatistenführer Sachartschenko.
Screenshot von "novorussia.su": Separatistenführer Sachartschenko (2.v.l.), Gehrcke, Hunko

Screenshot von "novorussia.su": Separatistenführer Sachartschenko (2.v.l.), Gehrcke, Hunko

Hamburg - Es war eine Audienz beim Warlord. Zwei Bundestagsabgeordnete der Linkspartei trafen in Donezk den Separatistenführer Alexander Sachartschenko.

Ein gemeinsames Foto nutzen die Rebellen in der Ostukraine nun als Propaganda. Auf ihrer Internetseite "Novorossia.su" veröffentlichten sie das Bild vom vergangenen Samstag, auf dem Sachartschenko mit den Außen- und Europapolitikern Wolfgang Gehrcke und Andrej Hunko aus Berlin posiert.

Die Separatisten bezeichnen die Linken auf ihrer Internetseite als EU-Repräsentanten. "Seit Beginn der Kampfhandlungen ist das die erste humanitäre Mission unter Beteiligung von Vertretern der Europäischen Union", erklärte Jakow Samuschija, stellvertretender Vorsitzender der Landsmannschaft Donbass.

Tatsächlich waren die beiden Linken in die Region gereist, um Medikamente für Kinderkrankenhäuser in Donezk, Gorlowka und Luhansk zu übergeben. Nur eben auf eigene Faust, weder im Auftrag Berlins, geschweige denn mit Mandat aus Brüssel. Jetzt sind sie eine Propagandavorlage für die prorussischen Rebellen.

Doch die Vereinnahmung scheint die Linken nicht besonders zu stören. "Die Behauptung ist natürlich falsch, aber wir waren nun einmal gezwungen, uns unter die Obhut der Machthaber zu begeben", sagt Hunko SPIEGEL ONLINE. "Für uns stand im Vordergrund, unsere Lieferung ans Ziel zu bekommen."

Die EU hat gegen Sachartschenko Sanktionen verhängt. Dass das Foto wie eine symbolische Anerkennung des Rebellenführers wirken kann, weist Hunko zurück. Nur weil man mit jemandem spreche, bedeute dies nicht, dass man denjenigen auch anerkenne. "Wir haben Sachartschenko jedenfalls nicht als Präsident angesprochen."

"Sachartschenko saß am Steuer und hat geraucht"

Sachartschenko selbst bezeichnet sich als "Ministerpräsident" der selbst proklamierten "Volksrepublik Donezk", die international nicht anerkannt ist. Linkspolitiker Gehrcke nennt Sachartschenko auf seiner Homepage "örtliche Autorität".

Der Anführer selbst hatte sich bereits mit einer gemeinsamen Fahrt durch Donezk gebrüstet.

Hunko berichtet SPIEGEL ONLINE ganz entspannt von der Jeeptour durch Donezk. "Sachartschenko saß am Steuer und hat geraucht", beschreibt er die Fahrt vom Samstag, neben ihm habe sein Bodyguard gesessen. Die zwei Bundesabgeordneten quetschten sich mit einem Duma-Abgeordneten auf die Rückbank.

Der Separatistenführer habe ihn in spärlichem Englisch auf bestimmte Gebäude hingewiesen, unter anderem sein Geburtshaus. "Wir haben auch Einschläge der ukrainischen Artillerie mitbekommen, das war nicht so weit. In diesem Wohnviertel ist jedes zweite Haus zerstört", so Hunko.

Sachartschenko hat während der Waffenruhe eine Offensive auf das umkämpfte Debalzewe angeordnet und damit dem Friedensabkommen von Minsk womöglich den Todesstoß verpasst.

Auf den Linken Hunko, der in der Friedensbewegung aktiv ist, wirkte der Warlord des Donbass "entschlossen und zielstrebig". "Ich würde jetzt nicht unbedingt mit ihm zu Abend essen", sagt er, "aber ich fand ihn auch nicht extrem unsympathisch."

mit Material von dpa