Präsident Leonid Kutschma, 65, der nach einem kürzlich erfolgten Spruch
des Verfassungsgerichts doch noch ein drittes Mal fürs höchste Staatsamt
kandidieren darf, ist offenbar ernsthaft krank - vorigen Freitag
kursierten sogar Gerüchte, er sei gestorben.
Kiew - Politisch hatte der Westen
den Machtmenschen Kutschma in den vergangenen Jahren längst fallen
gelassen, medizinisch aber versucht er ihm noch einmal auf die Beine zu
helfen. Seit Dezember hält sich Kutschma in der Max-Grundig-Klinik bei
Baden-Baden auf - nach einer Magenoperation, die in Karlsruhe
vorgenommen wurde.
Bereits voriges Jahr hatte das Staatsoberhaupt nach
einer Darmoperation mehrere Wochen in einem ukrainischen Krankenhaus
zugebracht. Das gegenüber der Grundig-Klinik liegende Schlosshotel
Bühlerhöhe (Luxussuite: 2150 Euro pro Nacht) bezog die
Kutschma-Entourage inkognito. Zimmer wurden auf den Namen Igor Bakai
gebucht, des früheren ukrainischen Öl- und Gaskönigs und jetzigen Chefs
der Staatskanzlei.
Mit dem Präsidenten reisten seine komplette Familie
an sowie ukrainische Politikerkollegen, darunter Gesundheitsminister
Andrej Pidajew. Andere Regierungsmitglieder fliegen regelmäßig ein, um
den Landeschef politisch auf dem Laufenden zu halten. Die für vergangene
Woche mit Deutschland geplanten Regierungskonsultationen wurden
abgesagt.
Das halbe Dutzend Oligarchenclans, das die Ukraine unter sich
aufgeteilt hat, ist über Kutschmas Verfall besorgt. Der frühere
Rüstungsmanager, der in Kiew faktisch als absoluter Monarch regiert,
fungiert als Schutzschild und Schiedsrichter konkurrierender Finanz- und
Wirtschaftsgruppen. Für sie ist er bislang noch eine unersetzbare Figur.
SPIEGEL+-Zugang wird gerade auf einem anderen Gerät genutzt
SPIEGEL+ kann nur auf einem Gerät zur selben Zeit genutzt werden.
Klicken Sie auf den Button, spielen wir den Hinweis auf dem anderen Gerät aus und Sie können SPIEGEL+ weiter nutzen.