Ukraine Tschernobyl soll noch 2000 vom Netz

Das noch immer aktive Katastrophen-Kraftwerk Tschernobyl soll vor Jahresende stillgelegt werden. Das kündigte die ukrainische Regierung an. Im Gegenzug erwartet sie 2,8 Milliarden Mark an West-Krediten für den Bau neuer Atomreaktoren.


Kontrollraum des AKW in Tschernobyl
AP

Kontrollraum des AKW in Tschernobyl

Kiew - Das ukrainische Kabinett wies am Mittwoch das Energieministerium an, innerhalb von drei Monaten einen Plan für die Schließung des Kernkraftwerks zu erstellen. Anschließend soll innerhalb von sechs Monaten ein Plan zur sozialen Absicherung der Arbeiter ausgearbeitet werden. Mit diesem Beschluss folgte die Regierung der Aufforderung von Präsident Leonid Kutschma und den Bitten westlicher Staaten.

Kutschma hatte dem amerikanischen Energieminister Bill Richardson vorigen Monat zugesichert, Tschernobyl zu schließen, forderte als Gegenleistung jedoch die Umsetzung eines Hilfsabkommens von 1995. Die Regierung empfahl nun, eine Delegation solle mit den sieben führenden Industrienationen über die Umsetzung des Abkommens verhandeln.

In dem Abkommen hatte sich die Ukraine verpflichtet, Tschernobyl zu schließen, wenn der Westen Mittel zur Vollendung zweier Atomkraftwerke aus der Sowjet-Ära bereit stellt. Das Kreditvolumen dafür wird auf 2,8 Milliarden Mark geschätzt. Eine Entscheidung der deutschen Bundesregierung über die notwendige Hermes-Bürgschaft steht noch aus.

Im Reaktor 4 von Tschernobyl war es 1986 zur bisher größten Atomkatastrophe gekommen, nach der eine radioaktive Wolke über große Teile Europas zog. Nach Angaben der ukrainischen Regierung kamen durch das Unglück mindestens 8.000 Menschen ums Leben. Zurzeit läuft nur noch der Reaktor 3 des Kraftwerks, die ersten beiden wurden bereits vor Jahren abgeschaltet.



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