Uno-Bericht zur Ukraine Separatisten sollen auf fliehende Zivilisten geschossen haben

Bei den Kämpfen in der Ostukraine sind seit April knapp 2600 Menschen ums Leben gekommen. Das berichtet die Uno. Sie wirft in erster Linie den Separatisten schwere Menschenrechtsverletzungen vor - aber auch Regierungstruppen.
Prorussische Separatisten in der Ostukraine: Wachsende Zahl ziviler Opfer

Prorussische Separatisten in der Ostukraine: Wachsende Zahl ziviler Opfer

Foto: MAXIM SHEMETOV/ REUTERS

Genf/Moskau - Im Osten der Ukraine sind nach Angaben der Vereinten Nationen bereits fast 2600 Menschen getötet worden. Seit Beginn der Kämpfe Mitte April bis zum 27. August seien mindestens 2593 Opfer erfasst worden, hieß es in einem am Freitag in Genf vorgestellten Bericht. Die Uno beklagt zugleich eine dramatisch wachsende Zahl ziviler Opfer in dem Konflikt.

Wenn man die 298 Opfer des Fluges MH17 dazu zähle, liege die Zahl fast bei 3000. Die Maschine der Malaysia Airlines war im Juli über der Ostukraine abgeschossen worden.

Täglich kämen etwa 36 Menschen ums Leben, erklärte die Uno-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay in Genf. In einem zeitgleich vorgestellten Bericht wirft die Uno vor allem den bewaffneten Milizen in der Ostukraine schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Deren Mitglieder hätten in den Regionen Donezk und Luhansk wiederholt Bewohner an der Flucht gehindert und auf fliehende Zivilisten geschossen.

Auch ukrainischen Soldaten wird vorgeworfen, zivile Ziele beschossen zu haben. Außerdem hätten von der Ukraine errichtete, vermeintlich sichere Fluchtkorridore mitten durch umkämpfte Gebiete geführt.

Der Konflikt ist eskaliert, weil Russland nach Angaben der Nato und der ukrainischen Regierung mit eigenen Soldaten in die Kämpfe im Nachbarland eingegriffen hat. Die Regierung in Moskau dementiert dies. Es gebe nur "Mutmaßungen", aber keine Beweise dafür, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Freitag.

Putins Rede von "Neurussland"

Russlands Präsident Wladimir Putin wandte sich erstmals direkt an die Rebellen in Donezk und Luhansk. Er rief die Separatisten auf, einen "humanitären Korridor" zu öffnen für den Abzug eingekesselter ukrainischer Truppen. Im Zuge der Rebellenoffensive wurden in den vergangenen Tagen ukrainische Truppenteile eingekreist. Die Rede ist von mehreren Tausend Mann.

Putin lobte in seiner Mitteilung ausdrücklich die jüngsten "wichtigen Erfolge der Landwehr", die Separatisten würden Kiews Militäroperation unterbinden, die "eine tödliche Gefahr für die Zivilbevölkerung darstellen". Russlands Präsident richtete die Botschaft zudem nicht etwa an die Vertreter der "Volksrepubliken" Donezk und Luhansk. Der Kreml spricht stattdessen den Widerstand von "Noworossija" ("Neurussland") an.

Putin rief die Regierung in Kiew auf, "unverzüglich die Kampfhandlungen zu beenden, das Feuer einzustellen und sich an den Verhandlungstisch zu setzen". Einen Appell an die Aufständischen, das Feuer einzustellen, enthält die Mitteilung nicht.

fab/dpa/Reuters
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