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Ukraine-Krise: Russische Soldaten in Slowjansk?

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Ostukraine USA zeigen umstrittene Beweise für Präsenz von Kreml-Truppen

Sind in der Ostukraine neben den Separatisten auch russische Soldaten aktiv? Die US-Regierung legt Fotos vor, die das belegen sollen. Doch bei solchen Beweisen ist in der Ukraine-Krise Vorsicht geboten.

Washington - Die US-Regierung ist verärgert über den Kreml. Sie wirft Moskau vor, die Unruhen in der Ostukraine trotz des Genfer Abkommens anzuheizen. Nun hat sie auch Fotos vorgelegt, die beweisen sollen, dass die Separatisten in zahlreichen Städten der Region in Wahrheit russische Soldaten oder Offiziere des russischen Geheimdienstes sein sollen.

Die Bilder seien von der Regierung in Kiew übergeben worden, sagte US-Außenamtssprecherin Jen Psaki. Aber auch mehrere in internationalen Medien oder im Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlichte Fotos seien "weitere Beweise für die Verbindung zwischen Russland und den bewaffneten Milizen in der Ostukraine".

Aber wie groß ist die Beweiskraft der vorgelegten Bilder? Moskau weist die Vorwürfe aus Washington strikt zurück.

Unter anderem hatte die "New York Times"  die Aufnahmen veröffentlicht und sich auf Angaben aus ukrainischen Regierungskreisen berufen. Ein Bild zeigt demnach einen angeblichen Soldaten beim Einsatz in Georgien 2008, er trägt ein Abzeichen der russischen Spezialeinheiten. Der offenbar selbe Mann ist auf einem vor kurzem aufgenommenen Foto von der Erstürmung der Polizeistation im ukrainischen Kramatorsk durch prorussische Kräfte zu sehen. Auch auf einem Foto aus Slawjansk scheint der Mann zu sehen zu sein. Erkennungszeichen auf allen Fotos: ein langer Bart. Doch würden russische Elitesoldaten tatsächlich einen solchen eher zauseligen Bart tragen?

Die Krise in der Ostukraine ist längst zum Propagandakrieg geworden, mit Übertreibungen und Halbwahrheiten. Bei Beweisen, die von der Regierung in Kiew lanciert werden, ist daher Vorsicht geboten. Immer wieder hat sie mit Filmen und Fotos versucht zu belegen, dass es sich um Russen handelt.

Auf Videos und Bildern aus dem ostukrainischen Slawjansk treten zwar einerseits einheitlich uniformierte Männer in Tarnfleck so koordiniert auf, dass es unwahrscheinlich scheint, dass sie eine spontan gebildete Gruppe prorussischer Aufständischer sind. Ob die Aufnahmen echt sind, lässt sich aber nicht überprüfen.

Andererseits stürmten vergangene Woche bewaffnete Männer in der Stadt Horliwka bei Donezk eine Polizeiwache. Einer der Eindringlinge wies sich als Offizier der russischen Armee aus, das sollte ein an westliche Medien lanciertes Video untermauern. Später hieß es, der Mann sei der frühere Leiter des Friedhofs von Horliwka oder auch Mitglied der ostukrainischen Mafia - jedenfalls nicht russischer Offizier.

Grafik zum Anklicken: Wichtige Städte der Ostukraine

Grafik zum Anklicken: Wichtige Städte der Ostukraine

Foto: SPIEGEL ONLINE
kgp/AFP
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