Kampf um Donezk und Luhansk USA werfen Russland vor, weit in Ukraine vorzudringen

Das US-Außenministerium erhebt neue Vorwürfe gegen Russland: Moskau habe Truppen weit auf ukrainisches Territorium geschickt und bereite eine Gegenoffensive im Osten des Landes vor. Bundeskanzlerin Merkel telefonierte mit Präsident Putin.
Russisches Militär an der ukrainischen Grenze (Archiv): Neue Vorwürfe der USA

Russisches Militär an der ukrainischen Grenze (Archiv): Neue Vorwürfe der USA

Foto: ALEXANDER DEMIANCHUK/ REUTERS

Kiew - Das Treffen zwischen den Präsidenten der Ukraine und Russlands, Putin und Poroschenko, ist erst wenige Stunden her - und machte Hoffnung auf eine Entspannung in der umkämpften Ostukraine. Doch jetzt erheben die USA neue Vorwürfe gegen Moskau: Im Gebiet um die Großstädte Donezk und Luhansk sei eine russische Gegenoffensive im Gang, sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Jen Psaki. Die Regierung in Moskau hat zu den Vorwürfen selbst noch keine Stellung genommen.

Russland habe Panzer, Raketenwerfer und gepanzerte Fahrzeuge in die Ukraine geschickt, sagte Psaki weiter. Manche russische Einheiten seien sogar rund 50 Kilometer in das ukrainische Gebiet vorgedrungen. Dabei wüssten manche Soldaten selbst nicht, wohin sie geschickt würden. Auch die russischen Angehörigen blieben über das Schicksal der Soldaten im Unklaren. Dies zeige, dass Moskau in seinem Tun intransparent und verlogen sei und selbst gegenüber der eigenen Bevölkerung nicht die Wahrheit sage, so Psaki.

Die Regierung in Kiew hatte bereits zuvor gemeldet, russische Militärfahrzeuge hätten am Mittwoch erneut die Grenze zur Ukraine passiert und seien in den umkämpften Südosten des Landes vorgerückt. Nach Angaben eines Armeesprechers seien mehr als 100 Fahrzeuge im Osten der Ukraine unterwegs. Allerdings bestätigte der Nationale Sicherheitsrat diese Angaben nicht.

Unterdessen haben die ukrainischen Sicherheitskräfte einen russischen Soldaten festgenommen. Der 19-jährige Mann habe gestanden, Militärgüter an die Separatisten geliefert zu haben, wie die ukrainische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf den Sicherheitsdienst des Landes SBU meldete. Er gehöre einer Schützenbrigade des russischen Heeres an.

Nach Angaben des Medienberichts habe die Einheit des 19-Jährigen gepanzerte Fahrzeuge und Raketen vom Typ "Grad" an die prorussischen Rebellen im Osten des Landes ausgehändigt. Unlängst hatte Human Rights Watch den Einsatz der ungenauen "Grad"-Flugkörper im bewohnten Gebiet als Kriegsverbrechen bezeichnet.

Merkel ermahnt Putin in Telefonat

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Mittwoch mit Wladimir Putin telefoniert. Sie habe eine Erklärung zu den aktuellen Entwicklungen gefordert, teilte Regierungssprechers Steffen Seibert mit.

Merkel habe Aufklärung über das mutmaßliche Eindringen russischer Truppe in ukrainisches Territorium verlangt. "Sie unterstrich die große Verantwortung Russlands für eine Deeskalation und für eine Überwachung der eigenen Grenze", sagte Seibert.

Mehr Engagement für eine Waffenruhe forderte Merkel jedoch nicht nur von Putin. Auch die Kontaktgruppe - die sich aus Vertretern der OSZE, der Ukraine und Russlands zusammensetzt - müsse ihre Bemühungen um einen Waffenstillstand und eine effektive Grenzsicherung verstärken, sagte Merkel nach den Worten ihres Sprechers.

Putin: Zweiter Hilfskonvoi geplant

In dem Telefonat habe Putin die Kanzlerin auch über einen geplanten zweiten Hilfskonvoi für das Nachbarland informiert. Ein Sprecher des russischen Präsidialamts erklärte nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch, dies werde "bald geschehen". Russland sei "schon morgen" dazu bereit. Die Regierung in Moskau hatte in der vergangenen Woche einen ersten humanitären Konvoi in die Ostukraine geschickt - ohne die Genehmigung aus Kiew.

Bei dem Treffen Putins und Poroschenkos am Dienstag in Minsk hatten die beiden Präsidenten noch ihren Willen zu einer friedlichen Lösung unterstrichen. Dagegen sprechen Vorfälle wie diese: Zehn russische Fallschirmjäger wurden auf ukrainischem Territorium gefangen genommen. Die Soldaten sprechen davon, versehentlich in das Nachbarland gelangt zu sein.

daf/Reuters/dpa
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