Ukraine-Verhandlungen in Minsk Am Ende lacht Putin
- • Ukraine-Gipfel: Minimallösung von Minsk
- • Minutenprotokoll zum Ukraine-Gipfel: "Wir hätten uns mehr gewünscht"
Es reichte trotz vielen Stunden intensiver Gespräche in Minsk noch nicht einmal zu einem gemeinsamem Auftritt der verhandelnden Staats- und Regierungschefs: Angela Merkel trat mit Frankreichs Staatschef François Hollande ans Mikrofon - müde und ohne "Illusionen", wie sie sagte. (Lesen Sie das Minutenprotokoll des Gipfel-Showdowns hier und einen Kommentar zum Ergebnis des Gipfels hier.)
Ganz anders Wladimir Putin: Der Kreml-Chef trat breit lächelnd vor die russische Presse. Er war zum Scherzen aufgelegt. Warum die Journalisten denn nicht geschlafen hätten? "Arbeiten mussten doch wir und nicht ihr", witzelte er. Es sei zwar "nicht die beste Nacht" seines Lebens gewesen, aber "der Morgen ist in meinen Augen ein guter".
Auch in der Hauptstadt Moskau wurde Russlands Präsident gelobt: "Die Welt hat den Friedensstifter Putin gesehen", schwärmte etwa der Duma-Abgeordnete Leonid Sluzkij.
In Minsk wurde so verhandelt, wie es sich der Kreml-Chef schon lange erhoffte: Moskau spricht mit der EU, die Amerikaner sind weitgehend außen vor. Ein Mitspracherecht Russlands über das Schicksal seiner Nachbarländer hatte der Westen bislang immer vehement abgelehnt. Faktisch hat sich Putin genau das nun aber erkämpft.
Russland heizte die Rebellion in der Ostukraine an
Es stachelte die Bevölkerung gegen die vermeintliche "faschistische Junta" in Kiew auf. Erst reisten Freischärler über die Grenze in den Donbass ein, dann kamen immer schwerere Waffen und russische Militärs. Die "Volksrepubliken" haben Kiew dadurch in einen blutigen und verlustreichen Krieg verwickelt. Wenn das Land durch den Krieg ausblutet, könnte das pro-europäische Experiment in Kiew vorbei sein, bevor es richtig begonnen hat.
Ukraines Präsident Petro Poroschenko steht innenpolitisch unter Druck, wegen militärischer Niederlagen und der wirtschaftlich schwierigen Lage. Die Gespräche mit Putin könnten ihm auch von Hardlinern im eigenen Lager als Schwäche ausgelegt werden. Das erhofft zumindest der Moskauer Politologe Sergej Markow, der enge Kontakte zum Kreml hat: Moskau müsse nur abwarten, bis Premierminister "Jazenjuk und (der Chef des Sicherheitsrates) Turtschinow Washington vorschlagen, Poroschenko zu stürzen".
Putin gab Poroschenko die Schuld für Verzögerungen bei den Verhandlungen in Minsk, weil "die Machthaber von Kiew noch immer direkte Gespräche mit den Vertretern der Volksrepubliken Donezk und Luhansk ablehnen". Kanzlerin Merkel dagegen hatte den ukrainischen Präsidenten ausdrücklich gelobt. Er habe "alles getan", um zu einer friedlichen Lösung zu kommen.
Der Verhandlungen von Minsk zeigen: Der Riss, der durch Europa geht, lässt sich auch nicht mehr kitten, wenn die mächtigsten Politiker des Kontinents sich 16 Stunden lang an einem Tisch gegenübersitzen.
Am Ende blieb ein Minikompromiss: Feuerpause ab Sonntag, die Einrichtung einer entmilitarisierten Pufferzone. In einem Dokument der OSZE-Kontaktgruppe ist auch wieder die Rede vom Beginn eines "politischen Dialogs" und der Wiederherstellung von "voller Kontrolle der Grenze durch die ukrainische Regierung". Zu beidem hatten sich die Konfliktparteien bereits früher bekannt, aber nie umgesetzt.
Der EU fehlt die Kraft
Für Merkel und Hollande ist das Ergebnis von Minsk ernüchternd. Beide warfen ihr ganzes politisches Gewicht in die Waagschale - aber es hat nicht gereicht. Am Ende wurden Präsident und Kanzlerin von zwei zwielichtigen Gestalten düpiert, die sich "Premierminister" der "Volksrepubliken" von Luhansk und Donezk nennen und nichts von einem Kompromiss wissen wollten. Ihre Hochburgen liegen nur 800 Kilometer von der EU-Grenze entfernt, aber von Merkel und Hollande lassen sie sich nichts sagen.
Der Europäischen Union fehlt die Kraft, um in ihrer Nachbarschaft als Ordnungsmacht aufzutreten. Nach dem Ende des Kalten Krieges schien klar, dass die EU ihren Einfluss sukzessive nach Osten ausweiten würde. Den weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko bezeichnete man im Westen deswegen gern als "letzten Diktator" - als handele es sich um einen Dinosaurier, der zwar schrecklich anzuschauen war, aber sicher aussterben würde. Doch Lukaschenko sitzt fest im Amt, weil Russland seit Jahren seine Wirtschaft unterstützt.
Am Ende wirkt Minsk fast wie ein Abbild des bisherigen Konfliktverlaufs: Mal drohen die Europäer den Russen, mal bitten sie. Sie haben Sanktionen verhängt. Sie haben gehofft, dass Russland einlenkt, wegen der Empörung über den Abschuss von MH17 oder der Rubelkrise.
Doch das Ergebnis sah bislang immer aus wie am Donnerstagmorgen: Am Ende lächelt Putin.
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Russlands Präsident Putin in Minsk: "Der Morgen ist in meinen Augen ein guter."
Präsident Poroschenko mit Entourage: Trotz der Minsker Ergebnisse stehen sich die Lager nach wie vor feindlich gegenüber.
Am Ende einer langen Nacht: Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Hollande nach 17-stündigen Verhandlungen. Euphorie gibt es keine. Merkel nannte die Einigung auf eine Waffenruhe einen "Hoffnungsschimmer".
Aber am Ende lächeln sie doch. Merkel sagte nach dem Treffen: "Ich habe keine Illusion, wir haben keine Illusion: Es ist noch sehr, sehr viel Arbeit notwendig."
Spuren einer harten Nacht: Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko in einem Aufzug nach dem Abschluss der Verhandlungen.
Russische Gruppe unter: Kremlchef Putin mit seinem Außenminister Lawrow und Kreml-Sprecher Peskow am Donnerstagvormittag nach dem Ende des Gipfels.
Poroschenko bei einem Presseauftritt nach der Nacht von Minsk: Merkel hatte ihm zuvor bescheinigt, er habe alles getan, "um eine Möglichkeit des Beendens des Blutvergießens zu erreichen".
Ende eines Pokers: Erst nach 17 Stunden langen Verhandlungen gab es auf der Friedenskonferenz zur Ukraine-Krise eine Einigung zu verkünden - die Waffenruhe.
Seit Mittwochabend wurde um eine Lösung gerungen. Im Bild die Protagonisten: Russlands Präsident Wladimir Putin, Frankreichs Staatschef Francois Hollande, der ukrainische Präsident Petro Poroschenko und Kanzlerin Angela Merkel (v.l.).
Identische Gesten zur Ankunft in Minsk: Merkel und Hollande.
Auf dem Weg zur Krisensitzung: Hollande, Merkel, Poroschenko und Putin mit dem weißrussischen Diktator Lukaschenko am Mittwoch in dessen Palast in Minsk.
Aufstellung zum Gruppenbild - Putin und Poroschenko stehen hier weit auseinander.
Häppchen zur Einstimmung: Die vier Spitzenpolitiker des sogenannten "Normandie"-Formats nach ihrer Ankunft im Palast in Minsk.
Geradeaus in Richtung Frieden? Die Verhandlungen in Minsk zogen sich hin, es gab am Donnerstagmorgen immer neue - zum Teil widersprüchliche - Wasserstandsmeldungen, bis gegen halb Elf die Einigung auf eine Waffenruhe verkündet wurde.
Freundliche Begrüßung: Der weißrussische Diktator Lukaschenko schüttelt Russlands Präsident Wladimir Putin die Hand. Lukaschenko hatte sich in dem Konflikt früh als Vermittler angeboten - Beobachter fürchten einen Aufwertung des Despoten.
Eine Umarmung gab es auch für Poroschenko. Auch zu ihm unterhält Diktator Lukaschenko einen guten Draht.
Nachdenkliche Miene: Hollande bei der nächtlichen Sitzung.
Von Angesicht zu Angesicht: Die Gegner Putin und Poroschenko im Gespräch. In den letzten Tagen gab es erneut heftige Kämpfe in der Ostukraine.
Müde vom Verhandeln: Der ukrainische Präsident Poroschenko kann ein Gähnen nicht unterdrücken.
Ernste Blicke: Merkel und Poroschenko. Die Kanzlerin hatte sich vor dem Treffen gegen Waffenlieferungen an die ukrainischen Truppen ausgesprochen und setzt auf eine diplomatische Lösung.
Merkel in der Mitte: Die Kanzlerin will sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen lassen, sie setzt auf reden, reden, reden.
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