Verblüffende Entdeckungen wollen Späher des russischen Aufklärungsdienstes SWR, teilweise getarnt als Katastrophenhelfer, bei ihrer Rückkehr nach Afghanistan gemacht haben: Die Taliban sollen in großem Umfang Rüstungsgüter aus der Ukraine bezogen haben.
Russische Sicherheitsexperten verdächtigen den ukrainischen Medienmagnaten Wadim Rabinowitsch, gemeinsam mit führenden Geheimdienstlern militärische Ausrüstung über Pakistan an die Taliban geliefert zu haben. Mitte der neunziger Jahre habe Rabinowitsch, der derzeit in Israel lebt, mit dem Chef des ukrainischen Sicherheitsdienstes Leonid Derkatsch und dessen Sohn Andrej militärisches Gerät an die Taliban vermittelt, so Wiktor Iljuchin, Mitglied des Sicherheitsausschusses der Duma in Moskau.
Die Lieferungen von 150 bis 200 Panzern T-55 und T-62 an die Taliban seien vom pakistanischen Geheimdienst ISI besorgt worden, behauptet der Moskauer Militärjournalist Wlad Schurygin, der gemeinsam mit Iljuchin den Schiebereien nachging. Danach hätte das Kiewer Staatsunternehmen "Ukrspezexport", für Waffengeschäfte zuständig, eng mit dem ukrainischen Geheimdienst zusammengearbeitet. Ein unlängst nach Moskau geflohener pakistanischer ISI-Offizier habe die Rüstungshilfe für die Taliban via Ukraine bestätigt.
Auch Oberst Wiktor Krjukow, Mitte der neunziger Jahre bei den russischen Grenztruppen an der tadschikisch-afghanischen Grenze im Einsatz, erinnert sich, dass bereits 1995 in abgehörten Funksprüchen von Taliban-Kommandeuren Rabinowitsch als Vermittler von Kriegsgerät genannt worden sei. Die Ukraine hatte dem israelischen Staatsbürger Rabinowitsch der in seinem Geburtsland vor allem als umtriebiger Oligarch bekannt ist im Juni 1999 wegen dubioser Geschäftspraktiken zunächst auf fünf Jahre die Einreise verboten, "im Interesse der Sicherheit des Landes".
Doch schon Ende Juli desselben Jahres hob der Sicherheitsdienst das Verbot wieder auf womöglich wegen guter Beziehungen Rabinowitschs zum damaligen Geheimdienstchef Derkatsch. Dessen Sohn Andrej war Rabinowitschs Geschäftspartner in der Kiewer Radio- und Fernsehgesellschaft Ära. Aus dem sicheren Israel, das seine Staatsbürger Ermittlern anderer Länder nicht ausliefert, hat Rabinowitsch, der alles bestreitet, die Generalstaatsanwaltschaft der Ukraine in Kiew aufgefordert, die Vorwürfe gegen ihn zu untersuchen.