Ukraine Wahl der Übergangsregierung verschoben

Die für heute geplante Bildung einer Übergangsregierung in der Ukraine findet vorerst nicht statt. Es mangelt bisher an Kandidaten. Als neuen Termin nannte Interimspräsident Turtschinow den Donnerstag.

Kiew - In der krisengeschüttelten Ukraine hat das Parlament die Wahl einer Übergangsregierung um 48 Stunden auf diesen Donnerstag verschoben. Spätestens dann müsse aber ein "Kabinett des nationalen Vertrauens" stehen, forderte Parlamentschef und Interimspräsident Alexander Turtschinow am Dienstag. Die Fraktionsvorsitzenden und zuständigen Komitees arbeiteten unermüdlich, sagte Turtschinow im Parlament. "Die Entscheidung muss am Donnerstag getroffen werden, wir können nicht länger warten", mahnte der Übergangspräsident. "Verhandelt Tag und Nacht, doch es muss transparent sein", fügte er hinzu.

Die Übergangsregierung soll das Land nach dem Sturz von Staatschef Wiktor Janukowitsch zu Neuwahlen am 25. Mai führen, Kandidaten für den Posten des Ministerpräsidenten waren bis zuletzt aber nicht bekannt.

Zuvor hatte Turtschinow gemahnt, die Regierung bis Dienstag zu wählen. Parlamentsvize Ruslan Koschulinski betonte aber, es gebe noch keine Einigung. Die Partei von Ex-Regierungschefin Julija Timoschenko forderte erneut, Aktivisten der Protestbewegung einzubinden.

Furcht vor Separatismus in der Ukraine

Das Parlament hatte am Samstag Janukowitsch nach monatelangen Protesten für abgesetzt erklärt, nachdem zahlreiche Abgeordnete der Regierungspartei das Lager gewechselt hatten. Während der Übergangsphase wurde die Macht Turtschinow übertragen, einem Vertrauten der inzwischen aus dem Gefängnis entlassenen Timoschenko. Zudem wählte das Parlament bereits mehrere Interimsminister, um die Regierungsgeschäfte wahrzunehmen.

Turtschinow warnte zudem am Dienstag vor separatistischen Tendenzen im Land. Er werde mit Sicherheitsbehörden die "gefährlichen Anzeichen" erörtern. Weitere Details nannte Turtschinow nicht. Abgeordnete hatten gemahnt, die Ukraine könnte gespalten werden. Janukowitsch hatte vor allem im russischsprachigen Osten und Süden des Landes seine Machtbasis.

ler/dpa/AFP/Reuters
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