Absolute Mehrheit Milliardär Poroschenko gewinnt Wahl in der Ukraine

Ein Schokoladen-Milliardär wird Präsident der Ukraine. Mit mehr als 55 Prozent gewinnt Petro Poroschenko laut Prognosen die Wahl in dem vom Bürgerkrieg geplagten Land bereits im ersten Wahlgang.
Absolute Mehrheit: Milliardär Poroschenko gewinnt Wahl in der Ukraine

Absolute Mehrheit: Milliardär Poroschenko gewinnt Wahl in der Ukraine

Foto: Sergey Dolzhenko/ dpa

Donezk - Petro Poroschenko wird neuer Präsident der Ukraine. Laut Nachwahlbefragungen stimmten zwischen 55 und 57 Prozent der Wähler für den Milliardär. Ex-Ministerpräsidentin Julija Tymoschenko kam auf rund 13 Prozent. Der Populist Oleg Lyaschko von der Radikalen Partei holte überraschend acht bis neun Prozent und kam auf den dritten Platz. Für den prowestliche Kandidat Anatolij Hryzenko stimmten etwas über sechs Prozent.

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Ukraine-Wahl: Deutlicher Sieg für Poroschenko

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Poroschenko erklärte sich am Abend zum Sieger und forderte eine Parlamentswahl noch in diesem Jahr. Er versprach die Integration seines Landes in Europa. Seine erste Reise werde ihn aber in die russisch geprägte Region Donbass führen, kündigte der Milliardär nach Angaben ukrainischer Medien an. Warnende Worte wählte er gegenüber Russland: Die "Besetzung der Krim" werde er niemals akzeptieren. Zu Verhandlungen mit den prorussischen Rebellen sei er erst bereit, wenn diese ihre Waffen ablegten.

Bei der Stimmabgabe am Vormittag hatte er angekündigt, für Stabilität in dem vom Bürgerkrieg geplagten Land zu sorgen. "Zuerst müssen wir allen Bürgern der Ukraine Frieden bringen", sagte der Milliardär in Kiew. "Die Bewaffneten müssen von den Straßen der Städte und Dörfer verschwinden." Poroschenko ist einer der reichsten Männer der Ukraine, unter anderem gehört ihm der Schokoladenhersteller Roshen.

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Steinmeier ist "einigermaßen zufrieden" mit der Wahl

In den östlichen Gebieten Donezk und Luhansk verhinderten prorussische Separatisten vielerorts eine Abstimmung. Nur ein Bruchteil der Wahllokale öffnete überhaupt. In Donezk demonstrierten mehrere Tausend Menschen gegen die Präsidentenwahl.

Dennoch war die Wahlbeteiligung überraschend hoch: Bis 15 Uhr Ortszeit hatten laut offiziellen Angaben 40,4 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Die Wahllokale sollen um 20 Uhr Ortszeit schließen. Bei der ersten Runde der Präsidentenwahl 2010 hatte die Wahlbeteiligung insgesamt bei 66 Prozent gelegen.

In der Hauptstadt Kiew und im Westen des Landes bildeten sich tagsüber in den Wahllokalen Schlangen. Dies wurde allerdings auch darauf zurückgeführt, dass in den Wahllokalen deutlich weniger Wahlhelfer aktiv waren als bei der Wahl 2010.

Deutsche Politiker äußerten sich erfreut über den Sieg Poroschenkos: "Die große Mehrheit der Menschen in der Ukraine wünscht sich Einheit, Freiheit und Demokratie, aber keine Abspaltungen und Spaltungen in der Ukraine", sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier in der ARD. Er hoffe, dass Russlands Präsident Wladimir Putin die Wahl wie angekündigt respektieren werde.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Europaparlaments, Elmar Brok (CDU) gratulierte Poroschenko zu dessen Wahlsieg und mahnte Russland, die Wahl zu akzeptieren "und mit dem neuen Präsidenten konstruktiv zusammenzuarbeiten".

Medwedew provoziert mit Krim-Reise

Die Ukraine ist seit der Amtsenthebung und Flucht von Präsident Janukowytsch ins russische Exil Mitte Februar ohne gewählten Staatschef. 1200 internationale Wahlbeobachter kontrollierten den Urnengang.

Offen ist nun, wie Russland auf das Ergebnis reagiert. Russlands Präsident hatte am Samstag erklärt, Moskau werde das Votum respektieren, sprach aber nicht ausdrücklich von einer "Anerkennung".

Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew sorgte am Wahlsonntag aber für erneuten Unfrieden zwischen den beiden Ländern. Seine überraschende Reise auf die annektierte Krim bezeichnete das Außenministerium als "besondere Unverschämtheit" und "absichtliche Provokation".

ade/dpa/AFP/Reuters