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Konflikt in der Ostukraine Ukraine und prorussische Separatisten tauschen Gefangene aus

Im Ukrainekonflikt hat ein Gefangenenaustausch begonnen: An einem Kontrollpunkt in der Region Donezk kehren prorussische Separatisten und Regierungstruppen zu ihren Einheiten zurück.

Nahe der Stadt Horliwka im Osten der Ukraine haben Regierungstruppen und prorussische Separatisten damit begonnen, Gefangene auszutauschen. Das bestätigte das ukrainische Präsidialamt.

Eine Sprecherin des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj teilte am Nachmittag mit, die Separatisten hätten 76 Personen freigelassen. Laut Regierungsangaben wurden sie gegen 127 gefangene Separatisten ausgetauscht.

Zuvor hatte es widersprüchliche Angaben dazu gegeben, wie viele Gefangene die beiden Seiten jeweils austauschen wollen. In Berichten ukrainischer Medien hieß es, die Separatisten würden neben Angehörigen der ukrainischen Armee auch inhaftierte Aktivisten und Journalisten freilassen.

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Gefangenenaustausch: Mit dem Bus zum Kontrollpunkt

Foto: Alexander Ermochenko/REUTERS

Auf Liveaufnahmen, die vom ukrainischen Präsidentenbüro übertragen wurden, waren zwei Busse zu sehen, die auf einem von ukrainischen Soldaten bewachten Feld ankamen, etwa zehn Kilometer von der Frontlinie entfernt. Journalisten war der Zugang zu dem Gebiet nicht gestattet.

Es ist nicht der erste Gefangenenaustausch beider Seiten. Die Ukraine hatte im Dezember 2017 etwa 230 Kämpfer der prorussischen Separatisten freigelassen und dafür rund 70 Soldaten der eigenen Truppen zurückerhalten. Im September hatten beide Seiten zudem jeweils etwa 35 Personen ausgetauscht.

Bei einem Gipfeltreffen Mitte Dezember in Paris hatten sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und Russlands Präsident Wladimir Putin auf mehrere Maßnahmen verständigt, unter anderem auf den Austausch von Gefangenen. Zudem wurde eine vollständige Umsetzung des Waffenstillstandsabkommens in der Ostukraine bis Jahresende vereinbart, ebenso ein Teilabzug von Truppen bis Ende März.

Bislang rund 13.000 Tote

Seit 2014 bekämpfen sich die Konfliktparteien in den ostukrainischen Regionen Donezk und Luhansk. Bei den Kämpfen sind nach Uno-Angaben etwa 13.000 Menschen gestorben, darunter rund 3300 Zivilisten.

International besteht die Hoffnung, dass der erneute Gefangenenaustausch ein Schritt zur Beendigung des bewaffneten Konflikts sein könnte. Allerdings verlängerte die EU wegen des Konflikts Mitte Dezember Wirtschaftssanktionen gegen Russland bis Ende 2020.

Noch immer kommt es in der Ostukraine trotz einer Waffenstillstandsvereinbarung sporadisch zu Kämpfen. Selenskyj hatte im April die Präsidentschaftswahl auch dank des Versprechens gewonnen, den Konflikt zu beenden. Er geriet in die Kritik, weil er dafür nach Ansicht mancher Landsleute Russland zu weit entgegenkommt.

ulz/heb/Reuters/AFP/AP
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