Proteste in der Ukraine Zehntausende demonstrieren für Europa

"Wir sind nicht die Sowjetunion": Zehntausende protestieren in der Ukraine gegen die Abkehr von der Europäischen Union, mit dabei der Oppositionspolitiker und Boxweltmeister Vitali Klitschko. Dabei kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei.
Proteste in der Ukraine: Zehntausende demonstrieren für Europa

Proteste in der Ukraine: Zehntausende demonstrieren für Europa

Foto: Sergei Chuzavkov/ AP/dpa

Kiew - Zehntausende Menschen haben in der Ukraine am Sonntag für eine Annäherung ihres Landes an die Europäische Union demonstriert. Dabei kam es zu gewalttätigen Zusammenstößen mit der Polizei: Sicherheitskräfte setzten in der Hauptstadt Kiew Tränengas und Schlagstöcke ein, um die Demonstranten auseinanderzutreiben, berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP. Zuvor hatten die Demonstranten versucht, den Regierungssitz zu stürmen. Dabei wurden auch Steine geworfen.

Etwa 23.000 Menschen demonstrierten nach Angaben der Polizei in Kiew, die Organisatoren sprachen von mehr als 100.000 Teilnehmern. Sie protestierten gegen den Beschluss ihrer Regierung, auf ein Assoziierungsabkommen mit der EU zu verzichten.

Bei dem Marsch zogen prowestliche Kräfte um den Oppositionspolitiker und Boxweltmeister Vitali Klitschko sowie Anhänger der inhaftierten Ex-Regierungschefin Julija Timoschenko zum Europäischen Platz. Dort war eine Kundgebung für eine Partnerschaft der Ex-Sowjetrepublik mit der EU geplant. Der Ort gilt seit der Orangenen Revolution von 2004 als symbolisch bedeutsamer Versammlungsort. Der heutige Staatschef Viktor Janukowitsch hatte sich damals zum Sieger der Präsidentschaftswahl erklärt, nach Massenprotesten aber einen Rückzieher gemacht.

Nur mit großer Verspätung konnte der ukrainische Oppositionspolitiker und Boxweltmeister Vitali Klitschko bei der Kundgebung auftreten. Seine Partei Udar warf den Behörden vor, Klitschkos Flugzeug keine Landeerlaubnis gegeben zu haben. "Wir werden für die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens kämpfen", sagte Klitschko.

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Proteste in der Ukraine: "Wir fühlen uns als Europäer"

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"Die Ukraine gehört zu Europa", skandierten Menschen mit Europafahnen in den Händen. Sie trugen Plakate mit der Aufschrift "Wir sind nicht die Sowjetunion, wir sind die Europäische Union". Eine 19-jährige Studentin sagte: "Wir sind hierher gekommen, um zu zeigen, dass wir uns als Europäer fühlen." Und ein 31-jähriger Demonstrant: "Wir wollen zeigen, dass Janukowitsch nicht die Ukraine ist."

Die ukrainische Regierung hatte am Donnerstag ein über Jahre ausgehandeltes Abkommen mit der EU über engere Zusammenarbeit und freien Handel kurzfristig gestoppt. Geplant war die Unterzeichnung des Abkommens am kommenden Freitag in der litauischen Hauptstadt Vilnius auf einem Gipfel der EU zur "Östlichen Partnerschaft". Der ukrainische Regierungschef Mykola Asarow räumte später indirekt ein, dass Druck aus Moskau zum Abbruch der Gespräche beigetragen habe. Die Ukraine könne es sich nicht leisten, die Handelsbeziehungen zu Russland, seinem wichtigsten Gaslieferanten, zu belasten.

Zuvor war im Parlament erneut ein Gesetz gescheitert, das der in Haft erkrankten Oppositionsführerin Julija Timoschenko eine Behandlung in Deutschland ermöglichen sollte. Die EU hatte ein Einlenken in dieser Frage zur Bedingung für ein Abkommen mit der Ukraine gemacht. Die Opposition in Kiew rief daraufhin zu Massenprotesten gegen die prorussische Politik des Präsidenten Wiktor Janukowitsch auf.

sha/fln/dpa/AFP
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