SPIEGEL ONLINE

Ostukraine Ukrainische Armee feuert auf Zentrum von Donezk

Einheiten der ukrainischen Armee haben die Rebellenhochburg Donezk unter Beschuss genommen. Erstmals schlugen Granaten nahe dem Stadtkern ein. SPIEGEL-Korrespondent Christian Neef berichtet von dramatischen Szenen.

Donezk - Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine geraten anscheinend immer weiter in die Defensive. Regierungstruppen nahmen am Donnerstag die Rebellenhochburg Donezk unter heftigen Beschuss. Erstmals schlugen Granaten in unmittelbarer Nähe des Zentrums ein. Dabei kam mindestens ein Bewohner um.

SPIEGEL-Korrespondent Christian Neef hält sich derzeit in Donezk auf. Er hat die Angriffe auf das Zentrum der Industriemetropole miterlebt. "Die Einschläge erfolgten um 12.50 Uhr. Es müssen ziemlich viele Geschosse gewesen sein. Es hörte sich wie ein Raketenwerfer an, die Einschläge dauerten vielleicht 30 Sekunden."

Die Geschosse trafen unter anderem die Einkaufszentren Green Plaza und Planeta. Normalerweise wäre die Opferzahl deutlich höher gewesen - aber die Einkaufszentren waren wegen des Kriegszustands längst geschlossen.

Fotostrecke

Beschuss in Donezk: Raketen auf den Stadtkern

Foto: SERGEI KARPUKHIN/ REUTERS

Auch mehrere Wohnhäuser an der Technischen Universität sind betroffen. Neef weiter: "Auf der Straßenkreuzung lagen drei Menschen: eine ältere Frau - beide Beine blutüberströmt - und gegenüber zwei jüngere Männer, von denen einer sofort tot war." Weitere Geschosse schlugen in ein von den Separatisten besetztes Gebäude der Donezker Staatsanwaltschaft ein.

Busse und Straßenbahnen werden ausgesetzt

Das Militär rückte zuletzt immer weiter auf die Stadt vor, in der zu Friedenszeiten fast eine Million Menschen lebten. Das öffentliche Leben kommt durch die Beschüsse immer mehr zum Erliegen. Wie Christian Neef berichtet, hat die Stadt die Straßenbahnlinie 1 und die Trolleybuslinie 2, die quer durchs Stadtzentrum verlaufen, eingestellt.

Die Menschen sind aufgefordert, nicht mehr auf die Straße zu gehen. Die Einschläge kamen offenbar aus dem Norden, aus der Bahnhofsgegend, wo sich außerhalb der Stadt beide Seiten einen Kampf liefern.

Die Regionalverwaltung teilte mit, in der Region Donezk seien in den vergangenen Tagen 74 Zivilisten getötet und 116 weitere verletzt worden. In Luhansk wurden laut einem örtlichen Behördenvertreter bei Artillerieangriffen in den vergangenen 24 Stunden mindestens 22 Einwohner getötet.

In der zweiten Rebellenhochburg Luhansk trat der Separatistenanführer Waleri Bolotow zurück. Die Stadt ist zudem nach Angaben der ukrainischen Armee inzwischen komplett umstellt, die letzte Zufahrtsstraße von den Separatisten erobert.

Unterdessen setzte ein russischer Hilfskonvoi mit 280 Lastwagen seine Fahrt in Richtung ukrainischer Grenze fort. Reuters-Reporter berichteten, die Kolonne sei offenbar auf dem Weg nach Rostow am Don. Von dort sind es etwa noch 60 Kilometer bis zur Ukraine.

Foto: SPIEGEL ONLINE
jok/fab/Reuters/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.