Massenproteste im Sudan Der Diktator mit dem Stock sucht Hilfe in Russland

Umar al-Baschir regiert den Sudan seit fast 30 Jahren. Nun gefährden Proteste seine Macht. Der Westen ging zuletzt auf ihn zu, doch Hilfe sucht der Diktator anderswo.
Omar al-Baschir

Omar al-Baschir

Foto: Zohra Bensemra/ REUTERS

Die Republik Sudan steckt in einer tiefen innenpolitischen Krise. Das Land zwischen Nord- und Zentralafrika, gelegen am Zusammenfluss von Weißem und Blauem Nil, wird seit bald 30 Jahren mit harter Hand von Umar al-Baschir regiert. Doch nun wird seine Macht herausgefordert.

Seit der 75-Jährige im Dezember die Subventionen für Brot strich, gibt es landesweit Proteste. Einschüchterungen nützten nichts. Inzwischen schießen Baschirs Sicherheitskräfte regelmäßig mit scharfer Munition. Vor wenigen Tagen starb ein Arzt durch eine Kugel, als er am Boden kniend einen Verletzten behandelte.

Das Regime hat mittlerweile Hunderte Menschen festgenommen. Offiziellen Angaben zufolge wurden bislang 29 Menschen getötet. Menschenrechtsgruppen hingegen gehen von mindestens 45 Todesopfern aus.

Anhänger Baschirs bei einer Demonstration für den Machthaber

Anhänger Baschirs bei einer Demonstration für den Machthaber

Foto: ASHRAF SHAZLY/ AFP

Die Gewalt, mit der Baschir schon immer sein Land zusammenhielt, könnte nun zu einem diplomatischen Problem werden. Der Grund: Die Toten und Verletzten trüben das gerade erst besser gewordene Image seines Regimes im Westen.

  • Seit den Neunzigerjahren war der Sudan mit harten Sanktionen belegt - erst wegen der angeblichen Unterstützung von Dschihadisten, dann wegen Menschenrechtsverletzungen in der Darfur-Region.
  • Baschir selbst stand wegen mutmaßlicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit sogar auf der Fahndungsliste des Internationalen Haager Strafgerichts. 2014 setzte Den Haag das Verfahren aber aus.
  • Wenig später erkannte die Europäische Union die Republik als wertvollen Partner in der Migrationsabwehr an. Durch das Land läuft eine der wichtigsten Flucht- und Migrationsrouten Richtung Mittelmeer. Grenzschützer der Diktatur lernten auch von der Bundespolizei. In den Seminaren ging es um Rechtsstaatlichkeit und gute Polizeiarbeit.
  • Auch die USA haben unter Präsident Donald Trump Sanktionen gegen das Land aufgehoben, die noch Bill Clinton angeordnet hatte.

All diese Veränderungen konnten die wirtschaftliche Misere des Landes aber nicht beenden. Besonders hart traf den Sudan 2011 die Abspaltung des Südsudan. Drei Viertel der reichen Ölvorkommen gingen nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs an den neuen Nachbarn verloren - bislang die wirtschaftliche Haupteinnahmequelle des Regimes in Khartum. Die Folge: eine Abwertung der Landeswährung, die Gefahr einer Hyperinflation.

Wie schon 2018 bildeten sich auch in diesem Januar Schlangen vor den Banken

Wie schon 2018 bildeten sich auch in diesem Januar Schlangen vor den Banken

Foto: MOHAMED NURELDIN ABDALLAH/ REUTERS

Zwar kam Baschir 1989 mit Unterstützung der Islamischen Republik Iran an die Macht. Mittlerweile hat er sich jedoch von der schiitischen Schutzmacht ab- und den sunnitischen Golfstaaten und Saudi-Arabien zugewandt. Das Herrscherhaus in Riad und die Vereinigten Arabischen Emirate stützen sein Regime immer wieder mit Milliarden Dollar. Als Gegenleistung beteiligt sich Baschir an der Zehnländerkoalition, die im Jemenkrieg gegen die von Iran unterstützten Huthi-Rebellen kämpft.

  • Vergangene Woche schickten die Emirate nun erste Hilfe, wie das Außenministerium in Karthum meldete.
  • Weitere Hilfen aus der Türkei und Russland würden folgen, hieß es, vor allem Treibstoff und Weizen.
  • Auch in Katar, wohin Baschir vor wenigen Tagen reiste, versprach Emir Tamim bin Hamad Al Thani Unterstützung für "die Einheit und die Stabilität" des Sudan.
  • Ägypten bereiste Baschir schließlich am Wochenende, nach dem Besuch beim Militärmachthaber Abdel Fattah el-Sisi, in seinem Land würden die Menschen versuchen, den "Arabischen Frühling zu kopieren".
Baschir in Kairo

Baschir in Kairo

Foto: EGYPTIAN PRESIDENCY HANDOUT/EPA-EFE/REX

Russland ist seit einiger Zeit ein neuer und wichtiger Partner der Regierung Baschir. Gerüchte, dass private russische Sicherheitsfirmen die Truppen Baschirs ausbilden und diese verstärken, gibt es schon länger. Im Zuge der aktuellen Krise bestätigte Moskau erstmals offiziell, das russische Söldner im Sudan aktiv seien.

Dies habe aber "nichts mit dem russischen Staat zu tun", sagte eine Sprecherin des russischen Außenamts laut der Nachrichtenagentur Reuters. Die kampferprobten Männer seien einzig und allein im Sudan, um "Militär und Polizisten zu trainieren". An der Niederschlagung der Proteste beteiligten sie sich hingegen nicht, heißt es aus Moskau.

cht
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