Omar al-Bashir Prozess gegen Sudans gestürzten Präsidenten hat begonnen

Er soll 81 Millionen Euro vom saudi-arabischen Königshaus erhalten haben: Im Sudan ist nun der Korruptionsprozess gegen Ex-Präsident Omar al-Bashir gestartet. Das Land hat lange darauf gewartet.

Omar al-Bashir verfolgte den Beginn seines Prozess von einem Käfig aus. Familienmitglieder riefen ihm "Allahu Akbar" zu ("Gott ist groß")
REUTERS/Mohamed Nureldin Abdallah

Omar al-Bashir verfolgte den Beginn seines Prozess von einem Käfig aus. Familienmitglieder riefen ihm "Allahu Akbar" zu ("Gott ist groß")


30 Jahre regierte Omar al-Baschir den Sudan mit harter Hand, bis er im April bei Massenprotesten von der Armee gestürzt wurde. Jetzt hat in dem ostafrikanischen Land der Korruptionsprozess gegen den ehemaligen Machthaber begonnen. Al-Bashir habe 90 Millionen Dollar (81 Millionen Euro) in bar vom saudi-arabischen Königshaus erhalten, sagte ein Ermittler. Der 75-Jährige war mit einem riesigen Militärkonvoi zu dem Gericht in der Hauptstadt Khartum gebracht worden.

Nach seinem Sturz war al-Bashir inhaftiert worden und musste Mitte Juni erstmals vor einem Staatsanwalt erscheinen. Die Ankläger legen ihm den Besitz ausländischer Währungen, Korruption und die unerlaubte Annahme von Geschenken zur Last.

Der frühere Staatschef erschien vor Gericht unrasiert und in ein traditionelles weißes Gewand gekleidet. Er verfolgte den rund dreistündigen Prozessauftakt aus einem Metallkäfig. Verwandte im Saal riefen ihm "Allahu Akbar" ("Gott ist groß") zu. Al-Bashir antwortete mit dem gleichen Ausruf.

Militär findet 102 Millionen Euro in Geldsäcken

In al-Bashirs Anwesen war nach Angaben des Militärs Bargeld im Wert von umgerechnet 102 Millionen Euro in drei verschiedenen Währungen beschlagnahmt worden. Der Ermittler Achmed Ali berichtete vor Gericht, al-Bashir habe angegeben, er habe 25 Millionen Dollar (22,5 Millionen Euro) vom saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman erhalten. Zwei weitere Zahlungen in Höhe von 35 Millionen und 30 Millionen Dollar erhielt er demnach vom damaligen saudischen König Abdullah. Der Monarch starb 2015.

Das Geld war demzufolge nicht Teil des Staatshaushalts, und al-Bashir entschied allein über dessen Verwendung. Er habe erklärt, das Geld sei umgetauscht und ausgegeben worden, berichtete Ali. Al-Bashir könne sich jedoch nicht erinnern, wofür. Es gebe auch keine Unterlagen, die Aufklärung darüber geben könnten.

Der Korruptionsprozess gegen den Ex-Machthaber sollte eigentlich schon am Samstag beginnen, der Prozessauftakt wurde aber verschoben. Am kommenden Samstag soll die Verhandlung fortgesetzt werden.

Im Mai hatte der Generalstaatsanwalt auch eine Anklage gegen al-Bashir wegen der Tötung von Demonstranten bei den monatelangen Protesten angekündigt. Gegen ihn besteht zudem seit Jahren ein internationaler Haftbefehl wegen Völkermordes. In der Provinz Darfur wurden nach UN-Angaben seit 2003 im Konflikt zwischen Regierung und Rebellen 300.000 Menschen getötet.

Am Samstag hatten der nach al-Bashirs Sturz eingesetzte Militärrat und die Protestbewegung nach wochenlangen Verhandlungen ein Abkommen zur Bildung einer gemeinsamen Übergangsregierung unterzeichnet. Der Militärrat soll durch einen "Souveränen Rat" abgelöst werden, dem sechs Zivilisten und fünf Militärs angehören sollen.

Die Ernennung des "Souveränen Rats", der eine mehrjährige Übergangsphase in dem ostafrikanischen Krisenstaat leiten soll, verzögerte sich dann aber. Nach Angaben aus Oppositionskreisen wurden bislang nur fünf der elf Mitglieder ausgewählt. Die Ernennung der Ratsmitglieder wurde nach Angaben des Militärrats auf Bitten der Protestbewegung auf Dienstag verschoben.

mfh/AFP



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