Umfrage Franzosen sind genervt von Sarkozy

Sie mögen den Medienrummel um seine Ehe mit Carla Bruni und auch seinen persönlichen Stil nicht: Die Franzosen stellen ihrem Staatschef Nicolas Sarkozy ein schlechtes Zeugnis aus. Sie halten das erste Amtsjahr als Präsident "eher für einen Fehlschlag".


Paris - Die Franzosen ziehen eine negative Bilanz nach einem Jahr mit Präsident Nicolas Sarkozy. In einer Umfrage für die Zeitung "Libération" gaben 59 Prozent der Befragten an, sie hielten das erste Amtsjahr des Präsidenten "eher für einen Fehlschlag". Nur 20 Prozent glaubten das Gegenteil. 19 Prozent wollten sich weder auf das eine noch das andere festlegen, zwei Prozent enthielten sich.

Sarkozy und Bruni: "Zu viel Medienrummel"
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Sarkozy und Bruni: "Zu viel Medienrummel"

Sarkozy war am 6. Mai vergangenen Jahres zum Staatspräsidenten gewählt worden. Er hatte sich im zweiten Wahlgang gegen die sozialistische Kandidatin Ségolène Royal durchgesetzt. Die anfängliche Begeisterung vieler Franzosen angesichts seines schwungvollen Politikstils war nach einigen Monaten einer Frustration über anhaltende wirtschaftliche Probleme des Landes gewichen.

Neben seiner ehrgeizigen Reformpolitik war sein erstes Amtsjahr auch durch sein turbulentes Privatleben mit der Scheidung von Ehefrau Cécilia und der Heirat der italienischen Sängerin Carla Bruni geprägt.

Die wundersame Welt des Nicolas Sarkozy
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Politik? Nebensache. Frankreichs Präsident Sarkozy macht mehr Schlagzeilen mit seinem Privatleben als mit seiner Staatsführung - und beglückt die Grande Nation mit einer Peinlichkeit nach der anderen.

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Besonders angeeckt ist Sarkozy laut der Umfrage durch den "Medienrummel" um seine Person. 67 Prozent zeigten sich damit unzufrieden, 26 Prozent fanden die starke Präsenz des Präsidenten dagegen in den Medien gut. Sarkozys "persönlicher Stil" stieß bei der Mehrheit der Befragten auf Ablehnung (54 Prozent) ebenso wie seine "politischen Orientierungen" (55 Prozent).

Bei den Reformen von der Streichung von Beamtenstellen bis zu milliardenschweren Steuererleichterungen zur Ankurbelung der Wirtschaft sieht meist eine Mehrheit den Präsidenten gescheitert.

Punkte macht Sarkozy dagegen in der Außenpolitik: Die Verbesserung der Beziehungen mit den USA hält eine klare Mehrheit von 46 Prozent der Franzosen für einen Erfolg, die "Wiederbelebung" der EU über den Reformvertrag von Lissabon ist dem Präsidenten laut 43 Prozent der Befragten gelungen. Für die Erhebung befragte das Institut Viavoice vom 17. bis zum 19. April telefonisch 1004 Erwachsene.

Sarkozy will am Donnerstag in einem eineinhalbstündigen Fernsehinterview mit mehreren Journalisten die eigene Bilanz seines ersten Amtsjahres ziehen. Kürzlich erst hatte er sich mit seinen Ergebnissen sehr zufrieden gezeigt und betont, dass Regieren leichter sei, als er gedacht hatte.

als/AFP/dpa



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