Umfrage in Frankreich Sarkozy muss um Wiederwahl bangen

Frankreichs Präsident Sarkozy hat in Umfragen derzeit keinen guten Lauf. Sein sozialistischer Herausforderer Hollande steht deutlich besser da. Die Franzosen präferieren nach dem hyperaktiven Selbstdarsteller im Elysée-Palast nun offenbar den Normalo.
Nicolas Sarkozy: In Umfragen nur auf Platz zwei

Nicolas Sarkozy: In Umfragen nur auf Platz zwei

Foto: Michel Euler/ AP

Paris - Frankreich wählt im April 2012 einen neuen Präsidenten. Und nach aktuellen Umfragen muss Amtsinhaber Nicolas Sarkozy um seine Wiederwahl bangen: Laut einer Erhebung der Tageszeitung "Le Monde" käme sein sozialistischer Konkurrent Francois Hollande im zweiten Wahlgang auf 60 Prozent, der konservative Sarkozy nur auf 40 Prozent.

Hollande wurde zuletzt ein schlechter Start seiner Kampagne vorgeworfen. In der öffentlichen Meinung aber erzielt Hollande weiterhin hohe Zustimmungswerte. Im ersten Wahlgang käme er auf 32 und Sarkozy auf 25 Prozent. Den dritten Platz nimmt bislang Marine Le Pen von der rechtsextremen Front National ein.

Gut vier Monate vor der Wahl scheint damit das Konzept Hollandes aufzugehen. Der Sozialist ernannte sich selbst zum "normalen Kandidaten" und setzt sich mit seiner fast offensiv vorgetragenen staatsmännischen Bescheidenheit deutlich ab vom hyperaktiven Selbstdarsteller Sarkozy. Er hält sich stets mit Einblicken in Persönliches zurück. Keine Vertraulichkeiten, keine Bekenntnisse aus der Privatsphäre. Fast ein Ausrutscher war da im Sommer die Bemerkung, mit der er Valérie Trierweiler, seine neue Freundin, als "Frau meines Lebens" qualifizierte.

Lange erschien der schlichte Abgeordnete aus dem Departement Corrèze - gleichzeitig Bürgermeister der Stadt Tulle - seinen Landsleuten wie ein Mann ohne Eigenschaften. Doch Hollande, der die parteiinterne Konkurrentin Martine Aubry ausgestochen hat, ist in Wahrheit ein ausgebuffter Profi: Der Präsidentschaftsanwärter, seit mehr als drei Jahrzehnten im Geschäft, hat sich Stufe für Stufe die Karriereleiter heraufgearbeitet und Seilschaften geknüpft. Er verbindet - jenseits seiner bescheidenen Erscheinung - hartnäckige Entschlossenheit mit weitreichenden Ambitionen. Nun scheint selbst das höchste Amt der V. Republik erstmals in Reichweite.

Nach einem Gastauftritt beim SPD-Parteitag in Berlin nannte Parteichef Sigmar Gabriel Hollande bereits den künftigen Präsidenten Frankreichs.

ler/dapd
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