Umfrage in USA und Europa Bush-Politik hat nirgends Freunde

Die Mehrheit der Europäer hält die USA wegen ihrer Nahost-Politik für mitschuldig an den Anschlägen des 11. September. Wie eine internationale Umfrage ergab, lehnen auch die meisten Amerikaner die Außenpolitik der Bush-Regierung ab.


George W. Bush: Irak-Alleingang stößt im eigenen Land auf Ablehnung
AP

George W. Bush: Irak-Alleingang stößt im eigenen Land auf Ablehnung

Washington - Die Kritik aus Europa bezog sich vor allem auf die Nahost-Politik der USA, die viele Europäer als antimuslimisch empfanden. Am kritischsten gegenüber den USA waren die Franzosen, von denen 63 Prozent eine amerikanische Mitschuld an den Anschlägen sehen. Danach folgen die Niederländer (59 Prozent), die Briten (57 Prozent) und die Polen (54 Prozent). Die geringste Ablehnung äußerten die Deutschen (52 Prozent) und die Italiener (51 Prozent). Zu diesen Ergebnissen kamen das Chicago Council on Foreign Relations (CCFR) und der German Marshall Fund (GMF) der USA, die für ihr gemeinsames Meinungsforschungs-Projekt "Worldviews 2002" mehr als 9000 Menschen aus sechs europäischen Ländern und den USA befragt hatten.

Die Erhebung bestätigte große Teile der Medienberichte der vergangenen Monate, brachte aber auch überraschende Resultate. So beurteilten erwartungsgemäß 56 Prozent der Europäer die US-Außenpolitik unter Präsident George W. Bush als "mäßig" oder "schlecht", 38 Prozent hielten sie für "sehr gut" oder "gut". Besonders die amerikanische Nahost-Politik findet in Europa wenig Freunde: Nur 20 Prozent finden sie "sehr gut" oder "gut". Allerdings scheint auch die US-Bevölkerung in dieser Hinsicht unzufrieden mit ihrer Regierung: Nur 33 Prozent glauben, das Bush-Kabinett verhalte sich richtig im Konflikt zwischen Israelis und Arabern.

Eines der erstaunlichsten Ergebnisse der Umfrage ist, dass mehr Amerikaner als Europäer einen militärischen Alleingang der USA gegen den Irak ablehnen. 65 Prozent der Amerikaner und 60 Prozent der Europäer meinen demnach, die USA sollten nur mit Billigung der Uno und zusammen mit ihren Verbündeten einen Krieg beginnen. Lediglich jeder fünfte Amerikaner war der Meinung, die USA sollten allein losschlagen.

Zu militärischer Gewalt herrscht nach Angaben der Meinungsforscher auf beiden Seiten des Atlantiks ein ähnliches Verhältnis - auch wenn in Europa humanitäre Ziele wichtiger genommen würden als in den USA. Geht es um die Sicherung internationalen Rechts, befürworteten 88 Prozent der Europäer Militäreinsätze, zur Befreiung von Geiseln waren es 78 Prozent. In den USA stimmten diesen Szenarien 80 bzw. 77 Prozent der Befragten zu.

Die Demoskopen fanden außerdem heraus, dass die Europäer die EU gern als zweite Supermacht neben den USA sähen. 65 Prozent wollen, dass die Europäische Union militärisch und wirtschaftlich mit den Vereinigten Staaten gleichzieht. Dieser Meinung waren allerdings nur 48 Prozent der Befragten in Deutschland, während die Zustimmung unter Franzosen bei 91 Prozent lag. Neun von zehn Europäern glaubten zudem, dass die EU auf diese Weise besser mit den USA kooperieren könnte und keine Konkurrenz darstellte.

"Unsere Umfrage zeigt, dass es im Weltbild der Amerikaner und Europäer mehr Übereinstimmungen als Differenzen gibt", kommentierte GMF-Präsident Craig Kennedy. "Es gibt eine fundamentale Einigkeit über Freunde, Feinde und die Notwendigkeit einer weltpolitischen Zusammenarbeit zwischen den USA und der EU."



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