Griechenland-Wahlen Spargegner liegen in Umfragen vorne
London/Athen - Die linksradikale Syriza-Partei liegt dreieinhalb Wochen vor der Neuwahl in Griechenland laut einer aktuellen Umfrage deutlich in Führung. Nach Angabe des Meinungsforschungsinstituts Public Issue vom Donnerstag kann das Bündnis bei der Parlamentswahl am 17. Juni mit 30 Prozent der Stimmen rechnen. Das wären 13 Prozent mehr als bei der Wahl am 6. Mai.
Auf Platz zwei landet in der Umfrage die konservative Nea Dimokratia mit 26 Prozent. Bei der letzten Wahl wurde die Partei noch stärkste Kraft, konnte im Parlament aber keine Mehrheit für den von ihr vertretenen Sparkurs hinter sich vereinen. Die sozialistische Pasok-Partei liegt in der Umfrage abgeschlagen mit 15,5 Prozent auf dem dritten Rang.
Schon bei einer vorherigen Public-Issue-Umfrage vom 19. Mai schnitt Syriza gut ab. Dabei kam das Bündnis auf einen Wert von 28 Prozent. Sollten sich die Zahlen am Wahltag bewahrheiten, droht Athen das Aus in der Euro-Zone. Syriza-Chef Alexis Tsipras lehnt den von Brüssel verordneten Sparkurs entschieden ab. Der Schritt dürfte allerdings die Einstellungen aller Hilfszahlungen durch die internationalen Geldgeber bedeuten. Die Folgen wären die Staatspleite und das Euro-Aus.
Die EU-Staats- und Regierungschefs haben sich für einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone ausgesprochen. "Wir wollen, dass Griechenland in der Euro-Zone bleibt", sagte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy nach einem Sondertreffen der EU-Länder in Brüssel in der Nacht zum Donnerstag. Athen müsse aber auch die Verpflichtungen erfüllen, die es im Gegenzug für die finanzielle Unterstützung durch Europa eingegangen sei.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einer "positiven Botschaft" an das hochverschuldete Land. Demnach haben die EU-Staats- und Regierungschefs auch angeboten, "dass wir alles tun, um die Möglichkeiten der Strukturfonds zu mobilisieren und Griechenland weiter bei der Entwicklung von Wachstum zu helfen".
"Menschen wollen am Euro festhalten"
Zwar scheinen viele Griechen den Anti-Sparkurs der Syriza-Partei zu unterstützen. Doch gleichzeitig gibt es eine große Mehrheit, die will, dass ihr Land in der Euro-Zone bleibt. Drei Viertel der Griechen würden laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos bei einem Referendum für den Erhalt der Gemeinschaftswährung stimmen.
Ipsos befragte zwischen dem 15. und 23. Mai Menschen in Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien und Spanien zu ihrer Haltung zum Euro. In allen Ländern erklärte eine Mehrheit ihre Zustimmung zur der Währung. Ausgerechnet im kriselnden Griechenland war die Unterstützung für den Euro mit 78 Prozent am größten. In Deutschland gaben 57 Prozent der Befragten an, die Gemeinschaftswährung behalten zu wollen. Gleichauf mit Italien ist das der niedrigste Wert. Im Schnitt lag die Zustimmung in den fünf untersuchten Ländern bei 62 Prozent.
"Trotz des Aufruhrs und der laufenden Debatte in diesen Schlüsselländern wollen die Menschen derzeit am Euro festhalten", kommentierte John Wright, Vize-Chef von Ipsos, die Ergebnisse. "Vielleicht gibt es so ein Gefühl: 'Wenn einer untergeht, dann gehen wir alle gemeinsam unter.'"
Die Stimmung sei jedoch besonders in Deutschland und Italien sehr volatil, so Wright, die Zahl der Unentschlossenen sei hoch. In allen untersuchten Staaten sei eine Mehrheit der Bürger für ein Referendum über den Euro. In Deutschland befürworteten gar sieben von zehn Befragten eine Volksabstimmung. Das ist die höchste Quote in allen fünf Ländern.