Umfragen Gore liegt noch weit hinter Bush

Mit der Ernennung von Joseph Lieberman zu seinem "Running Mate" konnte der demokratische Präsidentschaftskandidat Al Gore zwar Punkte sammeln, Rivale George W. Bush liegt in dem Rennen jedoch noch eindeutig vorne. Zwei Umfragen zufolge führt er mit neun Prozentpunkten.


Will Bill Clintons Nachfolge antreten: Al Gore
REUTERS

Will Bill Clintons Nachfolge antreten: Al Gore

Los Angeles - Während einer gemeinsamen Veranstaltung in Monroe im US-Staat Michigan versprach der langjährige Vizepräsident Gore, er wolle die erfolgreiche Politik Clintons fortsetzen. Der Präsident habe acht Jahre lang hart gearbeitet, um die Wirtschaft auf den richtigen Weg zu bringen. "Ich werde nicht zulassen, dass die anderen das zunichte machen", sagte Gore.

Auf dem Parteitag nahmen die mehr als 4300 Delegierten Gores Wahlkampfplattform an, mit der sich dieser inhaltlich von Bush abheben will. Dazu gehören die Beibehaltung des liberalen Abtreibungsrechts und die Gleichstellung von Homosexuellen. Weiter tritt die Partei für Arzneimittelzuschüsse zu Gunsten älterer Menschen und Steuererleichterungen für die Mittelklasse sowie gegen eine Teilprivatisierung der Sozialversicherung ein. Die Staatsverschuldung soll in zwölf Jahren völlig abgebaut sein.

Vor der Ankunft Gores auf dem Parteitag traten nahezu 60 Redner für ihn ein. Unter ihnen war auch Bill Bradley, Gores einziger Gegenkandidat bei den Vorwahlen im Winter. "Unser Land braucht einen demokratischen Präsidenten, einen demokratischen Kongress und, noch viel wichtiger, ein demokratisches Gewissen", sagte Bradley.

"Stay out the Bushes!"

Caroline Kennedy, die Tochter des 1963 ermordeten Präsidenten John F. Kennedy, sagte, sie sei ebenso wie Gore im Bewusstsein aufgewachsen, "dass wir die Welt erneuern können - wenn wir es nur versuchen". Senator Edward Kennedy sagte, sein Bruder wäre besonders stolz auf die Nominierung des jüdischen Senators Joseph Lieberman für das Amt des Vizepräsidenten gewesen; bei einem Wahlsieg wäre dieser der erste jüdische Politiker im Weißen Haus, während Kennedy der erste katholische Präsident der USA war.

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Bush oder Gore?

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Der dem linken Parteiflügel zugerechnete Bürgerrechtler Jesse Jackson wies auf die Probleme des von Bush regierten Staats hin. Texas habe die schlechteste Umweltbilanz und die schlechteste Gesundheitsversorgung für Kinder. Unter Hinweis auf die Politik von Bushs Vater, des früheren Präsidenten George Bush, und seines Bruders, der Gouverneur in Florida ist, rief Jackson aus: "Stay out the Bushes!" (Haltet Euch von den Büschen fern).

Wenige Stunden nach der Ankunft Gores auf dem Parteitag sollte er am Mittwochabend mit dem Aufruf der in den Vorwahlen bestimmten Delegierten aller 50 US-Staaten offiziell zum Kandidaten nominiert werden. Höhepunkt des letzten Tages ist dann am Donnerstag die Rede Gores, mit der er den Auftrag zur Kandidatur annimmt.

Die Demonstrationen rund um das Parteitagszentrum, dem Staples Center, dauerten weiter an, blieben aber anders als am Eröffnungstag friedlich. Gleichwohl meldete die Polizei am Dienstag insgesamt 95 Festnahmen, unter ihnen auch 50 Teilnehmer einer Demonstration von Fahrradfahrern, die mehr Rechte im Straßenverkehr forderten.



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