Umstrittene Entscheidung Frankreich und Großbritannien schieben Afghanen ab

Französische Hilfsorganisationen und Opposition kritisieren die Regierung von Nicolas Sarkozy. Gemeinsam mit Großbritannien hat Frankreich 27 illegale afghanische Einwanderer abgeschoben - zum ersten Mal seit 2005.


Paris - Die Abschiebung von afghanischen Flüchtlinge in ihre Heimat sorgt in Frankreich für Empörung. "Dies ist eine Schande für Frankreich. Wir können Männer und Frauen nicht auf diese Weise behandeln", sagte die Vorsitzende der französischen Sozialisten, Martine Aubry, am Mittwoch im Fernsehsender "France 2". "Ich möchte darauf hinweisen, dass sie nicht hierher kommen, um uns zu belästigen, sondern um vor Krieg, Elend und Armut zu fliehen." Die Organisation SôS sprach von einem "Charter in den Tod".

Gemeinsam haben Großbritannien und Frankreich am Mittwoch 27 illegale Einwanderer aus Afghanistan in deren Heimat abgeschoben. Das von beiden Ländern zusammen gecharterte Flugzeug habe 24 Afghanen aus Großbritannien und drei aus Frankreich an Bord gehabt, teilte ein Mitarbeiter des afghanischen Flüchtlingsministeriums mit. Die Maschine landete demnach am Morgen in der afghanischen Hauptstadt Kabul.

Beide Länder hatten sich im Sommer auf eine schärfere Kontrolle ihrer Grenzen und gemeinsame Abschiebungen verständigt. Tausende Flüchtlinge - vor allem aus Afghanistan und dem Irak - versuchen jährlich, von Frankreich aus über den Ärmelkanal nach Großbritannien zu gelangen. Dies sorgt immer wieder für Streit zwischen den Regierungen in Paris und London. Im September hatte die französische Polizei gewaltsam ein Flüchtlingslager nahe der Hafenstadt Calais geräumt.

Das französische Außenministerium begründete den Flug mit internationalen Verpflichtungen. "Frankreich muss die illegale Einwanderung in ein Nachbarland verhindern", hieß es. Einwanderungsminister Eric Besson sagte im Radiosender Europe 1, die drei Afghanen, die aus Paris abgeschoben wurden, stammten aus Kabul, wo sie nicht in Gefahr seien. Die britische Regierung wollte sich nicht äußern, solange die Maschine nicht in der afghanischen Hauptstadt gelandet war.

Gegen die Abschiebung hatten rund 40 Hilfsorganisationen in Frankreich protestiert. Sie fürchten, dass den Abgeschobenen in ihrer Heimat eine ernsthafte Gefahr droht. Mehrere Organisationen reichten beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Eilanträge gegen die Abschiebungen ein.

cte/Reuters/AFP/dpa



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Sumerer 12.09.2009
1.
Zitat von sysopNach dem umstrittenen Bombereinsatz in Afghanistan steht nicht nur die Präsenz der Bundeswehr weiter in der Diskussion, auch der Auftrag der Nato wird kritisch gesehen. Wie kann des Engagement am Hindukusch noch zu einem Erfolg werden? Kann der Krieg in Afghanistan überhaupt noch gewonnen werden?
Ein Krieg ist dort nicht zu gewinnen. Was zu gewinnen wäre, ist die Bevölkerung Afghanistans. Wenn man sich nicht einig wird, wer hierzu alles zählt, wird weiter geschossen, letztendlich aber nichts gewonnen.
ante84 12.09.2009
2.
Zitat von sysopNach dem umstrittenen Bombereinsatz in Afghanistan steht nicht nur die Präsenz der Bundeswehr weiter in der Diskussion, auch der Auftrag der Nato wird kritisch gesehen. Wie kann des Engagement am Hindukusch noch zu einem Erfolg werden? Kann der Krieg in Afghanistan überhaupt noch gewonnen werden?
Soll er denn gewonnen werden?
Orix 12.09.2009
3.
Zitat von sysopNach dem umstrittenen Bombereinsatz in Afghanistan steht nicht nur die Präsenz der Bundeswehr weiter in der Diskussion, auch der Auftrag der Nato wird kritisch gesehen. Wie kann des Engagement am Hindukusch noch zu einem Erfolg werden? Kann der Krieg in Afghanistan überhaupt noch gewonnen werden?
Wenn man mal genau wüsste, was ist das Ziel ! Ein Herrschaft Karsais und seiner Sippe als Ziel, ist schon möglich.
sprecher/2, 12.09.2009
4. Bundeswehr sofort abziehen !
NEIN ! Bundeswehr sofort abziehen, sollen die USA ihren Mist alleine auslöfeln. Da kann man zwischen Bevölkerung und Taliban doch nichts unterscheiden ! Ist auch nervig wenn wie hier im Forum solche Teilnehmer wie Michael Schnarch ewig für Kriegseinsätze plädieren !
Klapperschlange 12.09.2009
5.
Zitat von sysopNach dem umstrittenen Bombereinsatz in Afghanistan steht nicht nur die Präsenz der Bundeswehr weiter in der Diskussion, auch der Auftrag der Nato wird kritisch gesehen. Wie kann des Engagement am Hindukusch noch zu einem Erfolg werden? Kann der Krieg in Afghanistan überhaupt noch gewonnen werden?
Natürlich! Die sollen dort aufhören sich gegeneitig zu beschuldigen und mit dem Wattebällchen werfen aufhören und die vorhandenen Hightech-Waffen endlich einsetzen. Die machen dort mittlerweile die gleichen Fehler, wie in Vietnam. Die richtig guten Waffen blieben damals auch zu Hause und an der Front kämpfte Mann gegen Mann!
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