Umstrittene EU-Kandidatin Bulc Kommissarin für positive Energie

Gutes Karma könnte Brüssel gebrauchen. Aber ob eine Esoterikerin als EU-Kommissarin taugt? Die slowenische Kandidatin Violeta Bulc erntet schon kurz nach ihrer Nominierung reichlich Spott - und echte Skepsis.
Slowenische Politikerin Bulc: Wird sie tatsächlich EU-Kommissarin?

Slowenische Politikerin Bulc: Wird sie tatsächlich EU-Kommissarin?

Foto: Jure Makovec/ dpa

Es gibt eine Menge Dinge, die eine angehende EU-Kommissarin können muss, um das grilling zu überstehen - jene Anhörung im Europa-Parlament, bei der Kandidatinnen und Kandidaten ihre Kompetenz für das hohe Amt beweisen sollen.

Über glühende Kohlen laufen zu können, gehört normalerweise nicht dazu.

Doch genau diese Qualifikation bringt Violeta Bulc mit, soeben von der slowenischen Regierung als neue EU-Kommissarin nominiert. Sie soll Sloweniens ehemalige Regierungschefin Alenka Bratusek ersetzen, der das Europaparlament die Zustimmung verweigert hatte.

Die 50 Jahre alte Bulc ist nicht bloß Eigentümerin der Beratungsfirma "Vibacom", sondern auch begeisterte Anhängerin von Esoterik und New Age. Auf ihrem Firmen-Blog erklärt sie, an die "Kraft von Netzwerken, das holistische Individuum und positive Energie" zu glauben.

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In Online-Videos erläutert Bulc, "Strukturen hätten ihre eigenen Leidenschaften" - und skizziert, wie sich jede Art von menschlicher Entwicklung in vier Phasen unterteilen lasse, Arbeit, Lernen, Denken und schließlich Selbsterkenntnis. Sie bloggte über besagten Glühkohlelauf und schwärmte von "der kosmischen Erfahrung, die sie tief innen verspürte".

Keinerlei politische Erfahrung für ihr Amt

So viel positive Energie könnte in Brüssel eigentlich nicht schaden. Allerdings sollte Bulcs gescheiterte Landsfrau Bratusek die wichtige EU-Energieunion organisieren, sogar als Vizepräsidentin der Kommission. Und für diese Aufgabe bringt Bulc - die sechs Jahre im Silicon Valley gelebt hat - leider herzlich wenig politische Erfahrung mit.

Erst vor wenigen Wochen wurde sie slowenische Ministerin. Sie fungiert zwar offiziell bereits als stellvertretende Regierungschefin, gilt jedoch vor allem als Vertraute des Premiers Miro Cerar. Der setzte sich bei ihrer Nominierung gegen Widerstand in seinem eigenen Kabinett durch.

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Nun sorgt die Personalie für Spott in den sozialen Netzwerken. "Das geht über Parodie hinaus", schreibt ein Twitter-Nutzer. Ein anderer schlägt vor, man könne Bulc ja zur EU-Kommissarin ernennen, die "positive Energie fördern" solle. Ein anderer Eintrag vergleicht Bulc aufgrund ihrer ungewöhnlichen Online-Auftritte mit "Borat" Sasha Baron Cohen, dem britischen Brachial-Komiker und Politiker-Parodisten.

Neuen Ärger kann Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker jedoch derzeit so gar nicht gebrauchen - schließlich will er die Besetzung schnell klären, um doch noch pünktlich zum 1. November mit seiner neuen Truppe die Arbeit aufnehmen zu können.

Große Skepsis im Europaparlament

Auch im Europaparlament rumort es. Die Fraktionsvorsitzenden der beiden größten politischen Böcke, der Konservativen und der Sozialdemokraten, würden lieber Bulcs Landsfrau Tanja Fajon als neue Kommissarin sehen, derzeit Parlamentarierin. "Dass die Slowenen nun dieses As aus dem Ärmel ziehen würden, damit hat wohl keiner gerechnet", sagt ein sozialdemokratischer Abgeordneter.

Entsprechend reserviert reagierte Kommissionspräsident Juncker. Er kenne die Kandidatin noch nicht und werde kommende Woche mit ihr sprechen, sagte seine Sprecherin. Ihm obliegt die Auswahl - und Juncker will kein weiteres Fiasko erleben.

Selbst wenn Bulc sich als taugliches Kommissionsmitglied erweist, müsste der Luxemburger jedoch seine Kommission wohl leicht umbauen. Denn das für Slowenien vorgesehene Vizepräsidentinnen-Amt traut der unerfahrenen Politikerin kaum jemand in Brüssel zu.

So ist nicht ausgeschlossen, dass der Deutsche Günther Oettinger, bislang als nächster Digitalkommissar eingeplant, Vizepräsident für die EU-Energieunion wird - mit diesem Thema ist der CDU-Politiker aus seiner Amtszeit als Energiekommissar bereits vertraut.