Umstrittene Nahost-Reise Carter trifft ranghohen Hamas-Politiker

Jimmy Carter bleibt stur: Trotz scharfer Kritik aus Israel und den USA trifft sich der frühere US-Präsident mit einem ranghohen Hamas-Politiker und besucht das Grab des Palästinenserführers Arafat. Er plädiert dafür, die radikale Organisation in den Nahost-Friedensprozess einzubeziehen.


Ramallah - Die US-Regierung rüffelte ihn, der israelische Geheimdienst Schin Bet versagte ihm den Personenschutz - doch der frühere US-Präsident Jimmy Carter ließ sich nicht beirren. In Ramallah traf er mit einem ranghohen Hamas-Politiker zusammen und sprach sich für eine Einbeziehung der radikal islamischen Organisation in den Nahost-Friedensprozess aus.

Ehemaliger US-Präsident Carter: Kritik aus der eigenen Demokratischen Partei
AFP

Ehemaliger US-Präsident Carter: Kritik aus der eigenen Demokratischen Partei

Die Hamas müsse ebenso wie Syrien in ein endgültiges Friedensabkommen eingebunden werden, sagte Carter; beide müssten an den Verhandlungen teilhaben.

Carter traf in Ramallah mit Nasser Schaer zusammen und umarmte das Hamas-Mitglied, wie Augenzeugen berichteten. Schaer war im vergangenen Jahr stellvertretender Ministerpräsident der palästinensischen Regierung. Später legte der Carter am Grab des Palästinenserführers Jassir Arafat einen Kranz nieder.

Carter ist noch sieben Tage in Nahost unterwegs. Am Freitag will er in Syrien mit Hamas-Führer Chaled Maschaal zusammentreffen. Außerdem will er Saudi-Arabien, Ägypten und Jordanien besuchen. Ein Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert ist nicht geplant. Außer Präsident Schimon Peres zeigte sich kein Politiker bereit, den Friedensnobelpreisträger zu treffen. Dieser verurteilte den Besuch Carters bei Maschaal scharf.

Die US-Regierung kritisierte bereits gestern das geplante Treffen mit Maschaal. Sogar in den Reihen seiner eigenen Demokratischen Partei stößt Carters Aktion auf Skepsis. Die beiden Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Barack Obama rieten ihm von seinem Vorhaben ab.

ssu/AP



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