Umstrittener Afghanistan-Ausflug CSU gibt Guttenberg Schützenhilfe

Als PR-Show verspottet die Opposition die Afghanistan-Reise von Verteidigungsminister Guttenberg mit seiner Gattin - jetzt keilen Unionspolitiker zurück: Vor allem SPD-Chef Gabriel beleidige mit seiner Kritik die deutschen Soldaten an der Front.

DPA

Berlin - Die Kritik der Opposition ist heftig: Als "ministerielle PR-Aktion mit Gattin und Talkshowtross" schmähte Linke-Fraktionschef Gregor Gysi den Afghanistan-Besuch von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nebst Ehefrau und Talkshow-Moderator Johannes Kerner. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel rügte den Trip als "absolut unangemessen", es habe nur noch das Fernsehsternchen Daniela Katzenberger gefehlt. "Da hätten wenigstens die Soldaten was davon."

Das will die Union nicht auf sich sitzen lassen. Spitzenpolitiker von CSU und CDU verteidigten an diesem Dienstag den Afghanistan-Ausflug des Ehepaars Guttenberg. "Das ist eine Beleidigung unserer Soldatinnen und Soldaten, dass Herr Gabriel seine eigene offensichtliche Primitivphantasie unterstellt", sagte CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich in Anspielung auf das Katzenberger-Zitat des SPD-Chefs.

"Ich glaube, dass Karl-Theodor zu Guttenberg ein wichtiges Zeichen setzt", meinte Friedrich. Die Medien hätten "unfreundlich" auf die Mitreise von Stephanie zu Guttenberg reagiert, die Soldaten hätten dies ganz anders bewertet: "Mit welcher Begeisterung sie auch Frau zu Guttenberg empfangen, das finde ich bezeichnend." Die unterschiedlichen Reaktionen sollten "uns alle nachdenklich machen". Nach Angaben der Bundesregierung hatte die Ehefrau des Ministers die Reisekosten selbst gezahlt.

Auch aus der CDU erhielt der Minister Rückendeckung. Generalsekretär Hermann Gröhe hatte gesagt, er finde es "richtig und durchaus in die Zeit vor Weihnachten passend, dass es einen starken, auch persönlich emotionalen Beitrag der Solidarität mit den Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan" gebe.

Beim Koalitionspartner FDP war die Stimmung dagegen deutlich gedämpfter. "Ich würde dem Minister zu mehr Zurückhaltung raten und ihm stattdessen empfehlen, die nach wie vor bestehenden Ausbildungs- und Ausrüstungsdefizite bei der Truppe zeitnah zu beheben", sagte Elke Hoff, sicherheitspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Das Letzte, was die Truppe jetzt braucht, ist die Anwesenheit von geschätzten Talkshow-Moderatoren. Das passt einfach nicht."

"Ich finde das falsch"

Auch der bekannte Politik- und Medienberater Michael Spreng bewertet den Afghanistan-Trip der Guttenbergs kritisch. Der Verteidigungsminister habe überzogen und zu sehr auf die Medienwirkung geschielt, sagte er. Der Besuch mit Ehefrau sei kontraproduktiv gewesen. "Er hat ja gesagt, er möchte die Aufmerksamkeit auf die Soldaten lenken." Durch die Teilnahme seiner Frau habe Guttenberg aber die Aufmerksamkeit auf das Ehepaar gelenkt und damit das Ziel verfehlt.

Der gemeinsame Truppenbesuch des ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler und seiner Frau Eva Luise sei im Vergleich dazu "ein bescheidener und unglamouröser Auftritt" gewesen, der ganz der Sache gedient habe - nämlich der Anerkennung und dem Dank an die deutschen Soldaten. "Das unterscheidet sich deutlich", sagte Spreng. Dass bei der Guttenberg-Reise eine Talkshow aufgezeichnet wurde, verstärkt laut Spreng den Eindruck, dass es sich um eine Medieninszenierung handelt. Er hätte Guttenberg von einer Begleitung der Ehefrau abgeraten. "Ich finde das falsch, und es lenkt von den deutschen Soldaten ab. Sie sind dann am Ende nur noch die Kulisse und nicht mehr die Hauptperson bei diesem Besuch."

ore/dapd/dpa

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Seite 1
Satiro, 14.12.2010
1. Aus Fehlern lernen !
Zitat von sysopAls PR-Show verspottet die Opposition die Afghanistan-Reise von Verteidigungsminister Guttenberg mit seiner Gattin - jetzt keilen Unionspolitiker zurück: Vor allem SPD-Chef Gabriel beleidige mit seiner Kritik die deutschen Soldaten an der Front. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,734568,00.html
Na ja der Gutti ist ja noch jung genug, um sogar von Sigi Pop noch etwas zu lernen. Beiseite gesprochen: Er sollte seine holde Gemahlin, die möglicherweise noch publiciy- geiler als er selber ist, etwas einbremsen. Sonst wird das nix mit der Kanzlerschaft in Berlin ! Und die Stelle in München ist ja noch nicht frei.
nixkapital 14.12.2010
2. ...
Zitat von sysopAls PR-Show verspottet die Opposition die Afghanistan-Reise von Verteidigungsminister Guttenberg mit seiner Gattin - jetzt keilen Unionspolitiker zurück: Vor allem SPD-Chef Gabriel beleidige mit seiner Kritik die deutschen Soldaten an der Front. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,734568,00.html
...wo da eine Beleidigung "der deutschen Soldaten" sein soll, erschließt sich mir nicht. Da wird von seiten der Union mal wieder unter die Gürtellinie gezielt, wohl wissend, dass man so den deutschen Stammtisch mobilisiert.
wachholz.texte 14.12.2010
3. Wintermärchen am Hindukusch
Zitat von sysopAls PR-Show verspottet die Opposition die Afghanistan-Reise von Verteidigungsminister Guttenberg mit seiner Gattin - jetzt keilen Unionspolitiker zurück: Vor allem SPD-Chef Gabriel beleidige mit seiner Kritik die deutschen Soldaten an der Front. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,734568,00.html
Michael Spreng - bekanntlich Wahlkampfberater einst von CSU-Kandidat Stoiber - liegt richtig. Die Soldaten treten bei einer so offenkundigen PR-Inszenierung zurück ins Glied. Ken und Barbie zu Guttenberg hingegen laufen sich, mit ihrem Hofmarschall Kerner und dem jubelnden Hofstaat aus Bunte und Bild, RTL2, SAT1, CDU/CSU (in der Reihenfolge) schon mal für die Wiedereinführung der Monarchie in Deutschland warm. Hurra, hurra, hurra!
egils 14.12.2010
4. Wirklich?
"Umstritten" ist dieser Besuch nurt bei der Opposition (SPG und LINK>EN) und ein paar sogenannter "Experten"... ich denke das die grosse mehrheit der Bevölkerung diesne Nesuch positiv wertet 8wenn interessiert) oder aber es ihnen recht herzlich egal ist. Negativ werden nur wenige menschen diesen besuch weerten. ich bin gewiss kein Unionsfreund, baer an Stelle der Union wuerde ich mirt diesem thema nur auf eine Art umgehen...die opposition nciht kommentieren. Die Bevölkerung tut dass fuer sie. Tragiosch, ja fast schon elendig ist es doch, wenn man einen "Frontbesuch" des V-Ministers auf diese Weise kommentiert da man sonst ka anscheinend keine Themen hat...von der LINKEN bin ich ja solche kleinen unbedeutenden Gewittermeldungen gewohnt,aber die SPD? hat sich noch ein Stueckchen weiter disqualifiziert...man ich wr einmal Stammwaehler dier Sozialdemokratie...das ist aber schon seit Jahren vorbei.
blue_plasma, 14.12.2010
5. Ken und Barbie!
Also ich glaube nicht, dass die Rückendeckung für Gutti 100% ist. Dafür sind die Aussagen von Gutti und seiner Holden viel zu süßlich.... "Herzenssache" ppfffffft, dass ich nicht lache. "Schöne Bilder wo ich und meine Alte drauf' sind" triffts wohl eher. Und das Argument, dass man die Soldaten ehren will, zählt wohl so auch nicht. Denn mir sind keine Kapagnen a la "Soldaten sind Mörder" in der letzten Zeit aufgefallen. Jeder hat Respekt vor den Soldaten dort unten, aber viele zweifeln an der Sinnhaftigkeit des Einsatzes. Und das sind zwei Paar Schuhe...
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