Umsturz in Tunesien Arabische Führer fürchten Despoten-Dämmerung

AFP

Von , , Yassin Musharbash und Andreas Niesmann

Saudi-Arabien - reich und autoritär


In seinem jährlichen Democracy Index für 2010 kam der "Economist" zum Ergebnis, dass nur sechs der untersuchten 167 Staaten noch autoritärer geführt werden als Saudi-Arabien. Das Wüstenland ist eine absolute Monarchie, die Macht verteilt sich unter den Mitgliedern der Königsfamilie, und diese wiederum bildet eine Allianz mit den wahabitischen Islamgelehrten. Daneben bleibt kein Raum für eine organisierte Opposition, für ein echtes Parlament oder für Parteien. Solche Institutionen widersprechen dem Selbstverständnis der Staatslenker und werden, wenn überhaupt, in extrem weichgespülter Form geduldet: In beratender Funktion, mehr ist nicht zu erwarten.

Zwar hat der seit 2005 amtierende König Abdullah einiges an Reformen ins Werk gesetzt. Es sind wichtige Signale, etwa an die Frauen im Land. Aber für die versprengte demokratische Opposition ist es naturgemäß viel zu wenig.

Doch Saudi-Arabien ist nicht nur autoritär - es ist reich. Zwar gibt es auch arme Saudis, unter der schiitischen Minderheit zum Beispiel oder in bestimmten vernachlässigten Landesteilen. Aber der Druck, dem junge Menschen in anderen arabischen Staaten auf dem Arbeitsmarkt ausgesetzt sind, ist in dem Wüstenkönigreich ungleich geringer. Auch deswegen ist das Potential für einen Aufstand nach tunesischem Vorbild gering. Aus Sicht des Regimes ist die größere Herausforderung die islamistische Opposition - und innerhalb dieser ihre militante Ausprägung in Form der Dschihadisten, die immer wieder Anschläge in dem Land verüben und die Königsfamilie gerne stürzen würden.

Protestbewegung auch in anderen arabischen Ländern?

insgesamt 114 Beiträge
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Hilfskraft 17.01.2011
1. macht nichts!
Zitat von sysopDer Sturz des tunesischen Despoten Ben Ali versetzt die arabische Welt in Aufruhr. Ob in Ägypten, Algerien oder auf der arabischen Halbinsel - die Halbmond-Autokraten müssen plötzlich vor einem Domino-Effekt zittern. Welchem Machthaber droht als nächstem der Sturz? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,739892,00.html
Wird Zeit, dass es so kommt. H.
wasissn, 17.01.2011
2. Eu
...und vielleicht nicht nur die arabischen Despoten. Auch für die nicht demokratisch legitimierten EU-Bonzen wird es eine Dämmerung geben (müssen).
kundennummer 17.01.2011
3. Aus der Lameng
Ein Mitarbeiter des New Yorker Manhattan-Institutes hat vor wenigen Tagen davor gewarnt, dass die Unruhen aus Nordafrika leicht nach Europa übergreifen könnten. Das war am 11. Januar 2011. Da war der tunesische Präsident noch nicht geflüchtet. Die Gründe für die Warnung sind nicht von der Hand zu weisen: Bei der Mehrheit der tunesischen Aufständischen handelt es sich um junge arbeitslose Muslime, die unter 25 Jahre alt sind und auf dem tunesischen Arbeitsmarkt schlicht nicht gebraucht werden. Genau das trifft allerdings auch für Millionen von jungen Muslimen zu, die diesseits des Mittelmeeres hier in Europa leben. Der Autor des New Yorker Manhattan-Institutes schrieb vor diesem Hintergrund, die Europäer könnten derzeit in Tunesien sehen, was auch bald auf sie zukommen werde. In Tunesien werden Europäer derzeit mit Steinen beworfen. Schlimmer noch: Britische Zeitungen berichten, dass Europäer auf den Straßen mit Macheten angegriffen und Touristinnen von den jungen Aufständischen auf den Straßen vergewaltigt werden. Die deutschen Staatsmedien behaupten derzeit, der Bürgerkrieg in Tunesien sei ein »Warnsignal an alle arabischen Herrscher«. Da heißt es etwa: »Was in Tunesien passiert ist, ist ein historisches Ereignis und ein starkes Signal in die gesamte arabische Welt hinein. Es zeigt, dass Bevölkerungen sich erfolgreich gegen autoritäre und korrupte Herrscher erheben können, …« Das mag ja so sein. Aber ausgeblendet wird dabei vollkommen, dass dieses Warnsignal auch europäische Sicherheitsfachleute alarmiert. Jung, muslimisch – arbeitslos. So hieß der Titel einer Diskussionssendung im deutschen Fernsehen. Junge Muslime sind mitten in Europa eben in der gleichen Lage wie in Tunesien. Und sie reagieren mit der gleichen Gewalt. Wenn sie in Tunesien den Hauptbahnhof in Brand setzen, dann haben wir Verständnis dafür und berichten groß darüber. Wenn sie als Migranten in Ländern wie Deutschland Tag für Tag Polizisten angreifen, dann schauen wir weg. Gerade erst lief ein Iraner durch die Göttinger Innenstadt mit einem Schild "Deutsche sind Hunde" und stach auf Passanten ein. Und Mitbürger Cem Gülay sagt uns schon mal über die kommenden Migranten-Unruhen in Deutschland: "Es kann jederzeit passieren. Es werden keine Vorstädte brennen wie in Paris. Nein, die Innenstädte werden brennen. Sie werden diesen Kampf in die Städte tragen, weil es euch dort am meisten schmerzt." Studien belegen, dass junge Muslime in Deutschland immer gewaltbereiter werden. Wir wollen das alles nicht wahrhaben. In unserer von den Medien gezeichneten heilen Welt ist Tunesien ganz weit weg. Und wenn es Unruhen unter jungen arbeitslosen Muslimen gibt, dann führen wir das auf ihre »schlechte soziale Lage« zurück. In der Vergangenheit haben wir uns die innere Ruhe mit hohen Zahlungen an zugewanderte junge Muslime erkauft. Und zwar überall in Deutschland, ein Beispiel: In Nordrhein-Westfalen lebt schon fast ein Viertel aller Muslime von staatlichen Transferleistungen, also von Sozialhilfe und anderen Unterstützungsgeldern. Bei manchen dieser Gruppen sind die Zahlen extrem. 90 Prozent der in Deutschland wohnenden Libanesen leben von Sozialhilfe, 65 Prozent der Iraker – man kann die Auflistung beliebig fortsetzen. Wir können uns das alles finanziell nicht mehr leisten. Wir müssen der Wahrheit ins Auge schauen: Was derzeit in Tunesien passiert, ist ein Blick in unsere Zukunft.
elandy 17.01.2011
4. gehört
Zitat von kundennummerEin Mitarbeiter des New Yorker Manhattan-Institutes hat vor wenigen Tagen davor gewarnt, dass die Unruhen aus Nordafrika leicht nach Europa übergreifen könnten. Das war am 11. Januar 2011. Da war der tunesische Präsident noch nicht geflüchtet. Die Gründe für die Warnung sind nicht von der Hand zu weisen: Bei der Mehrheit der tunesischen Aufständischen handelt es sich um junge arbeitslose Muslime, die unter 25 Jahre alt sind und auf dem tunesischen Arbeitsmarkt schlicht nicht gebraucht werden. Genau das trifft allerdings auch für Millionen von jungen Muslimen zu, die diesseits des Mittelmeeres hier in Europa leben. Der Autor des New Yorker Manhattan-Institutes schrieb vor diesem Hintergrund, die Europäer könnten derzeit in Tunesien sehen, was auch bald auf sie zukommen werde. In Tunesien werden Europäer derzeit mit Steinen beworfen. Schlimmer noch: Britische Zeitungen berichten, dass Europäer auf den Straßen mit Macheten angegriffen und Touristinnen von den jungen Aufständischen auf den Straßen vergewaltigt werden. Die deutschen Staatsmedien behaupten derzeit, der Bürgerkrieg in Tunesien sei ein »Warnsignal an alle arabischen Herrscher«. Da heißt es etwa: »Was in Tunesien passiert ist, ist ein historisches Ereignis und ein starkes Signal in die gesamte arabische Welt hinein. Es zeigt, dass Bevölkerungen sich erfolgreich gegen autoritäre und korrupte Herrscher erheben können, …« Das mag ja so sein. Aber ausgeblendet wird dabei vollkommen, dass dieses Warnsignal auch europäische Sicherheitsfachleute alarmiert. Jung, muslimisch – arbeitslos. So hieß der Titel einer Diskussionssendung im deutschen Fernsehen. Junge Muslime sind mitten in Europa eben in der gleichen Lage wie in Tunesien. Und sie reagieren mit der gleichen Gewalt. Wenn sie in Tunesien den Hauptbahnhof in Brand setzen, dann haben wir Verständnis dafür und berichten groß darüber. Wenn sie als Migranten in Ländern wie Deutschland Tag für Tag Polizisten angreifen, dann schauen wir weg. Gerade erst lief ein Iraner durch die Göttinger Innenstadt mit einem Schild "Deutsche sind Hunde" und stach auf Passanten ein. Und Mitbürger Cem Gülay sagt uns schon mal über die kommenden Migranten-Unruhen in Deutschland: "Es kann jederzeit passieren. Es werden keine Vorstädte brennen wie in Paris. Nein, die Innenstädte werden brennen. Sie werden diesen Kampf in die Städte tragen, weil es euch dort am meisten schmerzt." Studien belegen, dass junge Muslime in Deutschland immer gewaltbereiter werden. Wir wollen das alles nicht wahrhaben. In unserer von den Medien gezeichneten heilen Welt ist Tunesien ganz weit weg. Und wenn es Unruhen unter jungen arbeitslosen Muslimen gibt, dann führen wir das auf ihre »schlechte soziale Lage« zurück. In der Vergangenheit haben wir uns die innere Ruhe mit hohen Zahlungen an zugewanderte junge Muslime erkauft. Und zwar überall in Deutschland, ein Beispiel: In Nordrhein-Westfalen lebt schon fast ein Viertel aller Muslime von staatlichen Transferleistungen, also von Sozialhilfe und anderen Unterstützungsgeldern. Bei manchen dieser Gruppen sind die Zahlen extrem. 90 Prozent der in Deutschland wohnenden Libanesen leben von Sozialhilfe, 65 Prozent der Iraker – man kann die Auflistung beliebig fortsetzen. Wir können uns das alles finanziell nicht mehr leisten. Wir müssen der Wahrheit ins Auge schauen: Was derzeit in Tunesien passiert, ist ein Blick in unsere Zukunft.
Falsch. Nur eine falsche und zudem korrupte Wirtschaftspolitik verdammt sie zur Arbeitslosigkeit. Tunesien ist ein Land, dass aus eigener Kraft seiner Bevökerung Chancen verschaffen kann. PI-Propaganda, die nicht hierhir gehört.
daniellaun 17.01.2011
5. -
Ich glaube am ehesten, dass Lybien das nächste Land ist, das seinen Diktator verliert.
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