Demo für Unabhängigkeit Kataloniens Fahnen-Meer in Barcelona

Die Hauptverkehrsader Barcelonas in gelb-rot-blau: Hunderttausende demonstrieren abermals für die Abspaltung Kataloniens von Spanien. Doch Ministerpräsident Rajoy stellt sich quer.
Demo in Barcelona: Hunderttausende Katalanen protestieren für Unabhängigkeit

Demo in Barcelona: Hunderttausende Katalanen protestieren für Unabhängigkeit

Foto: ALBERT GEA/ REUTERS

"Unabhängigkeit, Unabhängigkeit, Unabhängigkeit" tönte es in Sprechchören auf Barcelonas Straßen. Rund zwei Wochen vor der umstrittenen Regionalwahl in Katalonien haben Hunderttausende für die Abspaltung der Region von Spanien demonstriert. Die örtliche Polizei sprach laut Nachrichtenagentur dpa sogar von 1,4 Millionen Teilnehmern.

Lange vor dem offiziellen Kundgebungsbeginn war die zum Regionalparlament im Zentrum Barcelonas führende Hauptverkehrsader Avinguda Meridiana über eine Distanz von mehreren Kilometern mit Menschen gefüllt. Sie liefen in weißen T-Shirts in einem Meer rot-gelber katalanischer Fahnen auf der gesamten Breite der Straße in Richtung Innenstadt. Einige Demonstranten bildeten immer wieder menschliche Pyramiden - in Katalonien eine Art Volkssport. Nach Angaben der verschiedenen Veranstalter hatten sich mehr als 500.000 Menschen zur Kundgebung angemeldet.

Meer aus katalanischen Fahnen: Hunderttausende blockieren Barcelonas Straßen

Meer aus katalanischen Fahnen: Hunderttausende blockieren Barcelonas Straßen

Foto: AP/dpa

Die Zeitung "La Vanguardia" bilanzierte: "Die Unabhängigkeitsbewegung hat erneut ihre Stärke gezeigt." Im vorigen Jahr war bei der seit 2012 jährlich am 11. September, dem katalanischen Nationalfeiertag, veranstalteten Demonstration die Rekordzahl von rund 1,8 Millionen auf die Straßen gegangen. Ein Sprecher des Hauptveranstalters "Katalanische Nationalversammlung" (ANC) erklärte, die Demonstranten seien unter anderem mit 2000 Bussen eigens nach Barcelona gereist.

Außer Regionalpolitikern und Amtsträgern aller Couleur waren auch zahlreiche bekannte Künstler, Unternehmer und Spitzensportler wie Barcelonas Fußballstar Gerard Piqué unter den Teilnehmern. Zu den aktiven Unterstützern der Unabhängigkeitsbewegung gehört auch der katalanische Trainer des FC Bayern München, Pep Guardiola, der bei der Wahl kandidiert.

Laut Umfragen können Separatisten absolute Mehrheit erreichen

Die Veranstaltung fand unter dem Motto "Weg frei für die katalanische Republik" statt. Sie fiel diesmal mit dem Beginn des Wahlkampfes in der wirtschaftsstärksten Region Spaniens im Nordosten des Landes zusammen. Nach einem Triumph in den Urnen am 27. September wolle man die Abspaltung von Spanien einleiten, bekräftigte der katalanische Regierungschef Artur Mas. "Wir werden diesen Weg bis zum Ende gehen." Man sei aber auch zu Verhandlungen mit der Zentralregierung in Madrid und mit der Europäischen Union bereit.

Nach jüngsten Umfragen können die Separatisten bei der Wahl die absolute Mehrheit der Mandate im katalanischen Parlament erreichen. Ministerpräsident Mariano Rajoy hat jedoch wiederholt betont, er werde eine Trennung der Region, die 7,6 Millionen Einwohner hat und über eine eigene Sprache und Kultur verfügt, unter keinen Umständen zulassen. Der Chef der Zentralregierung hatte vor gut einem Jahr die Abhaltung des von Mas angestrebten Referendums verhindert.

Wegen des Streits zerbrach im Juni auch die Regierungskoalition in Katalonien. Das seit dem Jahr 1978 bestehende Bündnis der CDC mit der Demokratischen Union Kataloniens (UDC) in der nationalistisch-konservativen Allianz für Konvergenz und Einheit (CiU) ist seitdem beendet. Die traditionell gemäßigtere UDC entschied sich nach einer Abstimmung ihrer Mitglieder, in der Frage der Unabhängigkeit einen moderateren Kurs als Mas' CDC zu verfolgen und sich mit der Zentralregierung zu verständigen.


Zusammengefasst: In Barcelona demonstrierten Hunderttausende Katalanen für die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien. Sie blockierten die Hauptverkehrsader der katalonischen Hauptstadt, schwenkten Fahnen und skandierten Unabhängigkeitsparolen. Auch Promis waren dabei. Bei der Regionalwahl am 27. September könnten die Separatisten laut Umfragen eine Mehrheit erlangen. Ministerpräsident Mariano Rajoy stellt sich jedoch klar gegen eine Abspaltung der Region.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version wurde Barcelona versehentlich in der Zusammenfassung als spanische Hauptstadt bezeichnet. Gemeint war "katalonische Hauptstadt". Wir haben den Fehler korrigiert.

kry/AFP/dpa