Unabhängigkeitserklärung Serbien droht mit Sanktionen gegen Kosovo

"Nicht jetzt. Nicht in einem Jahr. Nicht in einem Jahrzehnt." Eindringlich hat Serbien vor dem Weltsicherheitsrat klar gestellt, dass es eine Unabhängigkeit des Kosovo niemals akzeptieren werde. Außenminister Jeremic drohte mit Sanktionen gegen die Provinz.


New York - Serbien wehrt sich verzweifelt gegen die bevorstehende Unabhängigkeitserklärung des Kosovo: Vor dem Weltsicherheitsrat kündigte das Land für den Fall einer solchen Erklärung Sanktionen gegen die abtrünnige Provinz an. Sein Land werde alle diplomatischen, politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen ergreifen, um diesen "direkten und grundlosen Angriff auf unsere Souveränität" zu verhindern und rückgängig zu machen, sagte der serbische Außenminister Vuk Jeremic vor dem höchsten Uno-Gremium, ohne dies näher zu erläutern. "Die serbische Republik kann einen solch illegalen Akt von Abspaltung nicht tolerieren." Der Weltsicherheitsrat war auf Antrag Serbiens zu einer Dringlichkeitssitzung zusammengekommen.

Aus Kreisen des kosovarischen Regierungschefs, Hashim Thaci, verlautete heute der Nachrichtenagentur AFP zufolge, dass dieser das Datum für die Unabhängigkeit der serbischen Provinz  heute Mittag um 13.30 Uhr mitteilen wolle. Offiziell wurde in Pristina mitgeteilt, dass Thaci um diese Zeit vor die Presse tritt. Bislang wird damit gerechnet, dass die Regierung der fast nur noch von Albanern bewohnten Provinz ihre Unabhängigkeit am kommenden Sonntag verkünden wird.

Jeremic warnte, die drohende Gefahr für die Souveränität und territoriale Integrität Serbiens würde allen Prinzipien internationalen Rechts zuwiderlaufen. "Lassen sie mich eine Sache vollkommen klarstellen: Die Republik Serbiens wird eine Verletzung seiner territorialen Integrität niemals tolerieren. Wir werden die Unabhängigkeit des Kosovo niemals anerkennen. Wir werden nicht nachgeben", sagte der serbische Außenminister. "Nicht jetzt. Nicht in einem Jahr. Nicht in einem Jahrzehnt."

Der russische Uno-Botschafter Witali Tschurkin bekräftigte vor dem Weltsicherheitsrat die serbische Position. Mit der Unabhängigkeitserklärung würde das Kosovo die Charta der Vereinten Nationen untergraben.

Der amtierende Ratspräsident Ricardo Alberto Arias sagte, die Dringlichkeitssitzung habe "keine echte Überraschung" in den festgefahrenen Positionen gezeigt. Ein gemeinsames Vorgehen des Uno-Gremiums sei nicht zu erwarten. "Die Entscheidung, die Unabhängigkeit des Kosovo anzuerkennen, liegt bei den Mitgliedsstaaten selbst", so Arias. Eine weitere Debatte zum Kosovo sei nicht geplant. Allerdings wurde nicht ausgeschlossen, dass Russland in den kommenden Tagen ein weiteres Treffen einberufen wird.

phw/dpa/AFP



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