Möglicher Terrorakt Soldat in London mit Schlachtermesser getötet

Im Osten Londons ist ein Mann auf offener Straße mit einem Fleischermesser getötet worden, offenbar war das Opfer Soldat. Britische Medien berichten, ihm seien schwerste Verletzungen zugefügt worden. Premier Cameron brach eine Auslandsreise ab, die Behörden gehen von einem Terrorakt aus.
Möglicher Terrorakt: Soldat in London mit Schlachtermesser getötet

Möglicher Terrorakt: Soldat in London mit Schlachtermesser getötet

Foto: STEFAN WERMUTH/ REUTERS

London - Im Londoner Stadtteil Woolwich ist am Mittwoch ein Mann auf offener Straße getötet worden. Zunächst machte der Überfall den Eindruck eines Kriminalfalls - doch es dauerte nicht lange, da schaltete sich die Regierung ein. Sie spricht von einem möglichen Terrorakt. Es gebe Hinweise darauf, dass die Angreifer "Allahu akbar" ("Gott ist groß!") gerufen hätten, berichtete die BBC unter Berufung auf Regierungskreise. Premierminister David Cameron wies Innenministerin Theresa May an, einen Krisenstab einzuberufen. Er sei über den Vorfall schockiert, teilte sein Büro mit.

Bisher sind nur wenige Fakten über den Fall bekannt. Offenbar haben zwei Angreifer einen Mann mit einem oder mehreren Schlachtermessern getötet. Später wurden die mutmaßlichen Täter von der Polizei angeschossen - einer soll schwerverletzt sein. Bei dem Todesopfer handelt es sich nach Augenzeugenberichten um einen Soldaten der britischen Armee. Dafür gibt es jedoch bisher keine Bestätigung.

Offenbar erlitt der Mann schwerste Verletzungen. Die Tageszeitung "Daily Telegraph" berichtet, er sei geköpft worden. Die BBC meldet hingegen, der Mann sei zunächst mit einem Auto angefahren worden, dann mit einem Fleischerbeil und einem Schlachtermesser angegriffen worden. Er sei ganz in der Nähe des Tatorts in den Royal Artillery Barracks stationiert gewesen. Er habe einen freien Tag gehabt und sei auf dem Rückweg in die Kaserne gewesen.

Verschiedene britische Medien zeigten am Abend Ausschnitte aus einem Amateurvideo, das am Tatort aufgenommen worden sein soll. Es zeigt einen jungen Mann mit schwarzer Jacke und schwarzer Mütze, der mit blutigen Händen gestikuliert und aufgeregt mit britischem Akzent in die Kamera spricht. In der linken Hand hält er ein Beil und ein großes Messer. Er rechtfertigt die Tat mit islamistischen Motiven und entschuldigt sich dafür, dass Frauen die Tat hätten mitansehen müssen. "Aber in unserem Land müssen Frauen so etwas auch sehen." Welches Land gemeint ist, sagt der dunkelhäutige Mann nicht. Laut "Guardian" könnte er sich aber dschihadistischer Wortwahl bedient haben, dann sei mit "unserem Land" generell muslimisches Gebiet gemeint.

Auf den Aufnahmen ist zudem zu sehen, wie der Mann relativ gelassen zu einem am Boden liegenden Mann zurückgeht und nur wenige Meter daneben mit einem weiteren Mann spricht. Das Video scheint kurz nach der Tat aufgenommen worden zu sein - wirft aber viele Fragen auf: Es bleibt zum Beispiel unklar, warum der Gefilmte den Tatort nicht verlässt.

Der "Guardian" schreibt, bis zum Eintreffen der Polizei seien 20 Minuten vergangen. Dennoch seien die beiden Verdächtigen vor Ort geblieben. Ein Augenzeuge berichtete laut BBC, dass die beiden mutmaßlichen Angreifer sich offensiv hätten fotografieren und filmen lassen. "Sie haben gar nichts um sich herum mehr wahrgenommen, sie machten sich mehr Gedanken darüber, dass jemand Fotos von ihnen macht, sie liefen auf und ab", wird der Mann zitiert.

Der britische Muslimrat verurteilte das Verbrechen. "Nichts rechtfertigt diesen Mord. Barbarische Akte können in keiner Weise mit dem Islam entschuldigt werden", hieß es in einem Statement. Londons Bürgermeister Boris Johnson sprach von einem "widerwärtigen, unverzeihlichen Akt der Gewalt".

Cameron brach seinen Besuch in Frankreich ab und wollte noch am Abend nach London zurückkehren. Sollte sich der Terrorverdacht erhärten, wäre es der erste größere Terrorakt auf britischem Boden, seit 2005 bei Anschlägen auf U-Bahnen und Busse 52 Menschen ums Leben gekommen waren.

ler/dpa
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